"Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist, weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!"
An diese Gedichtzeile von Bertolt Brecht aus seinem Gedicht "An die Nachgeborenen", das er in den 1930er Jahren geschrieben hat, musste ich in letzter Zeit öfter denken, wenn ich mich für etwas interessierte oder begeisterte, wenn ich etwas in meinem persönlichen Leben wichtig nahm, das nichts mit Wahlkampf und Weltpolitik zu tun hatte.
Aber ja: Wir alle haben das Recht, unser Leben gut zu gestalten, uns zu freuen, über Bäume zu reden (bzw. über Schneeglöckchen und Krokusse). Nicht nur, aber auch, um Kraft für Widerstand zu haben, wenn es nötig ist.
In diesem Sinne schreibe ich jetzt über drei schöne "Events" aus den letzten Wochen:
Festveranstaltung: Finissage und Konzert in Berlin
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Dr. Ye Ruirui an der Guzheng |
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Hilke Veth und ich |
Die Finissage unserer Ausstellung "Begegnungen mit der Fremde. Deutschsprachige Abenteuerinnen in China im 19. und 20. Jahrhundert" am 27. Januar im Konfuzius-Institut Berlin war mit etwa 70 Gästen gut besucht, obwohl die Berliner Verkehrsbetrieben ausgerechnet an diesem Montag streikten und wir schon Schlimmes befürchtet hatten.
Hilke und ich lasen von jeder der 17 vorgestellten Frauen ein Zitat vor und zeigten so die Bandbreite der Haltungen zu China und die allmählichen Veränderungen. Kombiniert war die Finissage mit einem Konzert zum chinesischen Neujahr. Die großartige Guzheng-Spielerin Ye Ruirui spielte neuere Kompositionen, die von alten Gedichten inspiriert waren. Frau Prof. Pan Lu, die chinesische Direktorin des Instituts, rezitierte die Gedichte auf Chinesisch und in deutscher Übersetzung, so dass die Zuhörer*nnen sich in die Stimmung der Musik einfühlen konnten. Nach dem Konzert gab es Baozi und Gespräche. Ein schöner Abschluss!
Tai Chi Workshop auf Sylt
Kurz danach fuhr ich mit zwei Gruppen meiner Tai-Chi-Schule (mehr) nach Sylt für einen viertägigen Workshop. Das Seminar fand in der "Akademie am Meer", der VHS Klappholttal statt. Ein wunderbarer, abgeschiedener Ort, mitten in den Dünen. Wir hatten auch Glück mit dem Wetter, konnten in den Pausen am Strand spazieren gehen und einmal sogar Tai Chi draußen praktizieren. (Das war allerdings schon ziemlich kalt.)
Lichter-Salon
Unser erster Salon im neuen Jahr, mitten in der dunklen Jahreszeit, hatte "Licht" zum Thema. Jupp hatte viele neue Lichtobjekte hergestellt, die wir zusammen mit früheren in der ganzen Wohung ausstellten. Dazu erzählte Jupp, wie die Idee zu diesen Werken entstanden ist, wie er sie herstellt und wie vieles davon dem Zufall zu verdanken ist und nicht geplant war. Etwa 20 Leute waren da, aßen, tranken Tee, unterhielten sich, lernten sich kennen. Und im Grunde ist es ja gerade in diesen Zeiten wichtig, sich zu treffen und miteinander zu reden. Über Kunst oder Bäume, den Zufall, oder auch Politik
Einige Impressionen: