"Was machen Sie beruflich?"


Das berufliche Leben als Patchwork, entstanden aus Neigungen, Begabungen und - dem Zufall. Einige "Grundfarben" tauchen immer wieder auf und halten alles zusammen. Mein besonderes Interesse gilt: Sprache(n); anderen Menschen und ihren Lebensgeschichten; alternativen Lebensentwürfen jenseits von Konsum und Hektik; fremden Kulturen (insbesondere China) und den reizvollen Unwägbarkeiten interkultureller Begegnungen.

Dienstag, 23. Juli 2019

MoMo7: Bilder mit Rasierschaum

Als ich im Internet danach suchte, wie man möglichst einfach marmoriertes Papier herstellen kann, bin ich auf eine Technik mit Rasierschaum (!???) gestoßen. Das wollte ich unbedingt mal ausprobieren:

Man sprüht zuerst reichlich Rasierschaum in eine Schüssel oder auf einen Teller, streicht ihn einigermaßen glatt und tropft dann Farbe drauf. Im Internet nehmen sie oft Stempelfarbe, ich hatte noch ein paar alte Tinten, die ich verwendet habe. Angeblich kann man auch Acrylfarbe nehmen.






Dann zieht man ein Schaschlikstäbchen (oder einen Pinselstiel etc.) kreuz und quer durch die Farbe. (Im Beispiel hier habe ich nur weinrote Tinte benutzt.)









Anschließend legt man ein Blatt Papier auf die Farbe und drückt es vorsichtig an. Ich dachte, das Papier muss saugfähig sein, deshalb habe ich Aquarellpapier benutzt, aber anderes Papier geht vielleicht auch. Da ich eine größere Fläche wollte, habe ich das Papier gefaltet, es vorsichtig abgezogen und mit der anderen Seite noch mal auf die Farbe gedrückt.




So sieht das Papier aus, wenn man es abgezogen hat. Voller Schaum natürlich. Jetzt kommt der spannendste Moment: Man streift den Schaum mit einem Lineal ab (am einfachsten geht ein Geodreieck). Wenn man Stempelfarbe oder Tinte benutzt hat, kann man das sofort machen. Bei Acrylfarbe sollte man eine Weile warten, damit die Farbe Zeit hat einzuziehen.





Und so sieht dann das fertige Papier aus. Ich war ziemlich begeistert.













Hier noch ein paar Beispiele:


Das ist kein Aquarell- , sondern rauhes Malpapier. Geht auch.


Freitag, 19. Juli 2019

MoMo7: Kleisterpapier

Mein Zimmer hat sich mittlerweile in eine Bastelstube verwandelt. Plötzlich kommen Dinge wieder ans Licht, die jahrelang vergessen in diversen Schubladn schlummerten, alte Plakafarben, Aquarellblöcke, Tintenfässer...

Diese Woche habe ich zum ersten Mal Kleisterpapiere hergestellt. Ich habe dafür farbiges Papier genommen, Kopierpapier und Fotokarton. Man kann aber auch weißes Papier nehmen und sich dann den Hintergrund selbst so bemalen, wie man ihn haben will.
Also erst einmal Tapetenkleister anrühren und auf den Untergrund auftragen. (Ich hatte ganz vergessen, wie viel Spaß es macht, Kleister zu verpinseln!). Danach weiteren Kleister mit einer wasserlöslichen Farbe anrühren (Plaka, Acryl, Pigmente ...) und eine Farbschicht aufpinseln. Jetzt kommt der kreative Teil: Man kann die Farbschicht mit allen möglichen Werkzeugen bearbeiten (Spachtel, Schaschlikstäbchen, Kamm, Zahnbürste, Finger, Glasdeckel...). Dadurch wird der andersfarbige Hintergrund teilweise freigelegt und es entstehen interessante Muster. Man kann Ton in Ton arbeiten, also zum Beispiel dunkelblau auf hellblau, oder mit starken Konstrasten, wie rot-grün, schwarz-weiß. Hier ein paar Beispiele von letzter Woche:

Dunkel- auf Hellblau, Schaschlikstäbchen und zerknülltes Papier
Weiß auf Schwarz, Spachtel und Schaschlikstäbchen
Rot auf Lila, verschiedene Dosendeckel
Grün auf Rot, Walze und Spachtel
Rot auf Gelb, Finger und Pinselstiel

Sonntag, 14. Juli 2019

MoMo7: Servietten - nicht nur zum Mundabwischen

Letzte Woche habe ich endlich meine gesammelten Servietten vor mir ausgebreitet und mich in der "Serviettentechnik" versucht.
Eigentlich ist es ganz einfach: Man zieht den dünnen, bedruckten Teil der Serviette ab, reißt ihn - je nach Motiv und Unterlage - in größere oder kleinere Stücke und klebt diese mit einem speziellen Leim und Pinsel auf eine Unterlage.
Im Internet gibt es viele Anleitungen und Anregungen dafür, deshalb muss ich das hier nicht weiter ausführen. So wird jedenfalls recht schnell aus einer weißen Pappschachtel eine hübsche Geschenkverpackung. Oder aus einem billigen Plastikteil ein romantisches Rosendöschen.

Man kann damit auch sehr viel aufwändigere Dinge herstellen, Möbel verzieren, Vasen gestalten etc. Für mich war das jetzt ein erster Versuch. Ich finde, es ist eine sehr angenehme, beruhigende Tätigkeit. Ich sitze da, pinsele vor mich hin, kann dabei Radio hören und Tee trinken... Und fast nebenher entsteht etwas Hübsches, über das ich mich freue.
Ich werde sicher in Zukunft überall nach schönen und interessanten Servietten Ausschau halten!


Hier meine gesammelten "Werke" von dieser Woche. Ich habe mit verschiedenen Untergründen experimentiert, Pappe, Plastik, Metall. Besonders stolz bin ich auf das blaue Döschen in der Mitte. Es ist aus dem unteren Teil einer Plastikflasche entstanden. Die Serviette war eigentlich ziemlich hässlich, mit blauen Weihnachtskugeln. Aber durch geschicktes Reißen und Kleben sind nur schöne Blautöne geblieben.

Mittwoch, 10. Juli 2019

MoMo7: Buchbinden und Frottieren

Das war ein richtig schönes Wochenende bei Elvira in ihrem "Atelier zum See"! Draußen war es kühl und regnerisch. Dafür schnitten, falzten, kleisterten und frottierten wir drinnen umso begeisterter vor uns hin, nur unterbrochen von gelegentlichem Kochen, Ratschen und Katzen streicheln.
Wir hatten uns für ein Buchbindeprojekt entschieden: Eine Art Sammelordner, in den man mit Hilfe von Gummibändern andere Hefte (zum Beispiel von den Mottomonaten) einhängen kann. Mir war gar nicht klar, wie viele verschiedene Arten es gibt, Bücher zu binden. Hier nur ein paar Beispiele, die uns Elvira zeigte:


Und so sahen unsere Sammelordner dann aus:


Am zweiten Nachmittag/Abend zeigte uns Jupp dann, welche Möglichkeiten die Frottagetechnik bietet, die er oft für seine Bilder benutzt. Dabei frottiert er einen geeigneten Untergrund mit Wachsstiften und koloriert anschließend das Bild mit Wasserfarben.
Beispiel mit einem Blatt: Durch die (leicht verschobene) Frottage mit weißem und schwarzem Wachs entsteht ein dreidimensionaler Eindruck.

Donnerstag, 4. Juli 2019

Siebter Mottomonat 2019: Basteln

Basteln? Ich gebe zu, ich kann mir auch noch nicht so richtig was darunter vorstellen. Abgesehen davon, dass ich schon seit Monaten Servietten sammle, weil ich mal "Serviettentechnik" ausprobieren wollte. Aber wir fahren am Freitag zu einer Freundin aufs Land nach Schleswig-Holstein. Sie malt, druckt, bindet Bücher, stellt Papiere her, macht ganz viele tolle Sachen .... und hat uns zu einem kreativen Wochenende in ihr Haus eingeladen. Es ist die Freundin, von der ich ein Bild für den Neujahrs-Post verwendet habe (siehe).
Ich dachte, wenn der Monat schon so anfängt, dann mache ich damit auch gleich weiter.

Mottomonate sind so, wie wenn man im Radio eine Frequenz einstellt: Sobald man die Frequenz gefunden hat, hört das ganze Rauschen auf und man kann etwas hören und verstehen. Und sobald man sich für ein Motto entschieden hat, kommen plötzlich von überall her Ideen und Anregungen, die sonst im allgemeinen Grundrauschen untergehen. Im Moment bin ich noch dabei, den Sender einzustellen.

Hier noch zwei Bilder von früheren "Basteleien". Eine Weile habe ich mit Begeisterung Marionetten gemacht, meistens Frauenfiguren. Das ist schon viele Jahre her, aber ich bewahre immer noch in einer Schachtel unter dem Bett verschiedenes Zubehör auf. Und bisher widersteht diese Schachtel hartnäckig allen Aufräumaktionen.

Saxophonspielerin
Else

Dienstag, 2. Juli 2019

MoMo6: Resümee

Der Monat mit dem Motto "Körper und Bewegung" war auf jeden Fall sehr bewegt: wandern, schwimmen, trimmen... 
Ich habe auch tatsächlich mein altes Fahrrad wieder aus dem Keller geholt, einen neuen Sattel gekauft und das Licht reparieren lassen. Der Fahrradmonteur war beeindruckt: "Das Rad ist ja ein echter Oldtimer! Das hat bestimmt schon 80 Jahre auf dem Buckel." Das kann schon sein, es ist das alte Fahrrad von meiner Mutter. Inzwischen habe ich auch schon die erste Fahrradtour hinter mir und der neue Sattel hat sich bewährt.
Und ich habe letzte Woche meine erste Taijiquan-Probestunde genommen. Eine Freundin hat mich mitgeschnackt und es hat mir gut gefallen. Die Gruppe ist klein und die Lehrerin wirkt sympathisch und kompetent. Sie macht schon seit vielen Jahren Taiji und hat eines der ersten Taiji-Studios in Hamburg eröffnet. (mehr) Viel mehr kann ich nach einem Mal noch nicht sagen. Ende des Monats ist Sommerpause, danach bin ich weg. So richtig einsteigen werde ich also wohl erst im Oktober.

Zu kurz gekommen ist im letzten Monat auf jeden Fall der Wellness-Aspekt. Keine Massagen, keine Sauna, kein Hamam... aber es war ja auch sehr heiß.

Sonntag, 30. Juni 2019

MoMo6: Kurzer Abriss meiner sportlichen Laufbahn


Mit etwa zwei Jahren
Ich habe versucht, Kinderfotos zu finden, die mich bei einer sportlichen Aktivität zeigen, aber die Ausbeute war gering. Was nicht nur darin liegt, dass man damals noch nicht alles fotografiert hat.
In meiner Familie wurde Sport weder abgelehnt noch gefördert, er spielte einfach keine Rolle. Meine Eltern fanden ihr Leben wohl auch ohne sportliche Betätigung anstrengend oder ausgefüllt genug.


Die berühmte Reckstange, rechts: ich mit zehn Jahren
Als Kinder liefen meine Schwester und ich im Sommer nach dem Essen schnell aus dem Haus zu den anderen Kindern aus der Nachbarschaft. Wir spielten Ball und Fangen, später auch Tischtennis, und kamen mit grasgrünen Füßen zurück. Es gab eine Reckstange, an der wir Kunststücke übten. Wir wollten eine Zirkusvorstellung für die Eltern geben, aber daraus wurde nie etwas. Reck war denn auch das einzige Gerät, an dem ich im Sportunterricht einigermaßen glänzen konnte. Alles andere fand ich furchtbar. Ich hatte Angst vor den Geräten, Angst zu versagen, Angst mir weh zu tun, Angst ausgelacht zu werden. Vor den Bundesjugendspielen hatte ich Albträume und stellte mir vor, wie ich mich vor all den Zuschauern blamieren würde. Später, während der Pubertät, sehe ich mich in der Erinnerung vor allem auf einem Sofa oder Liegestuhl sitzen, Kekse essend und in ein Buch vertieft.

Selbst das Wandern entdeckte ich erst mit Mitte zwanzig. Ich studierte damals in Saarbrücken, das Elsass und Lothringen lagen nahe, ich ließ mich von Freunden zu kleinen Touren überreden. Seitdem habe ich viele schöne Wanderungen gemacht. Die schönsten dauerten mehrere Tage, einmal an der Tigersprungschlucht in Südchina und fünf Tage in den Rhodopen in Bulgarien. Beim Wandern genieße ich das Gefühl von Stärke und Kraft, aber das Entscheidende ist die Natur. Der würzige Duft im Wald, die Blumenwiesen, die grandiosen Ausblicke von den Gipfeln.

Später kam Tanzen dazu, viele Jahre habe ich intensiv Tango getanzt, später auch Swing. Aber das hatte für mich nichts mit Sport zu tun. Es war die Freude an der Musik, an der gemeinsamen Bewegung mit einem anderen Menschen. Tanzen hat mir den Weg zu anderen Kulturen, Sprachen und Welten geöffnet.
Auch Yoga habe ich irgendwann mit Mitte 20 mal angefangen und viele Jahre später, nach der Rückkehr aus China, wieder aufgegriffen. Inzwischen habe ich mir aus Kursen, Büchern, und Videos ein eigenes Programm zusammengestellt, das ich ziemlich regelmäßig durchführe.

Während ich das schreibe, stelle ich fest, dass alles, was ich längerfristig an "Sport" gemacht habe und mache, für mich etwas haben muss, was über die bloße Bewegung hinausgeht. So wie es mir beim Wandern um die Natur geht oder beim Tanzen um Musik und andere Kulturen, so gefällt mir an Yoga und auch an Taijiquan, dass diese Bewegungen schon vor langer Zeit entwickelt wurden und dass dahinter eine Philsophie steckt.
Deshalb konnte ich mich wohl auch nie mit Fitnessstudios und Sportgeräten anfreunden. Als Reha-maßnahme, aus Gesundheitsgründen, kann das sinnvoll sein, aber ich stelle es mir langweilig vor. Ich verstehe auch nicht, warum Menschen mit einem Mountainbike halsbrecherisch Berge herunterrasen oder 24 Stunden bzw. 100 Kilometer am Stück laufen wollen. Olympiaden, Rad- oder Skirennen und dergleichen interessieren mich ebenfalls nicht. Für mich hat Sport nichts mit Wettkampf und Leistungsvergleich zu tun und schon gar nicht mit nationaler Ehre, sondern mit persönlicher Weiterentwicklung - nicht nur auf körperlicher Ebene.

Mittwoch, 26. Juni 2019

MoMo6: Stadtoasen

Der Monatsmotto "Bewegung" und der Wunsch, das viele Draußensein in Kreuth auf meinen Alltag in Hamburg zu übertragen, haben mich nun dazu gebracht, morgens in den Park zu gehen. Eigentlich will ich das schon lange machen, konnte mich aber bisher nicht dazu aufraffen. Dabei habe ich den Wohlerspark, einen der - für mich - schönsten Parks von Hamburg direkt vor der Haustür.

Na ja, direkt vor der Haustür stimmt nicht ganz. Dort sieht es nämlich so aus: 

Aber nur drei Gehminuten weiter gibt es einen magischen Durchgang und plötzlich steht man in einer der Lindenalleen, die den Park durchziehen.
Der Wohlerspark ist ein kleiner Park, eigentlich ein alter Friedhof. 1831 wurde er eingeweiht, 1945 fand dort die letzte Beerdigung statt. Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bauten dort Kleingärtner Kartoffeln und Gemüse an, im kalten Winter 1945/46 wurden 115 Alleebäume gefällt und zu Feuerholz verarbeitet. Doch bald danach begann man mit der Restaurierung und 1979 wurde das Gelände offiziell umgewidmet, unter Denkmalschutz gestellt und der Öffentlichkeit als Park übergeben.









Zwischen Bäumen und Blumen stehen immer noch alte, verwitterte Grabsteine, doch das tut der Beliebtheit des Parks keinen Abbruch. Morgens treffen sich dort die Sportler, joggen, machen Dehnübungen oder Taijiquan und Yoga. Mittags ist der Park von Kinderkreischen erfüllt. Anscheinend dient er sämtlichen Kitas der Umgebung als Spielgelände. Und am Wochenende riecht der ganze Park im Sommer nach Grillanzünder. Dann werden Seile und Hängematten zwischen die Bäume gespannt und manch einer sitzt mit seiner Gitarre auf der Wiese.






Und in diesem netten, kleinen Park drehe ich jetzt morgens meine Runden, barfuß, wenn es nicht zu matschig ist. Danach stelle ich mich unter diesen schönen Baum und mache Übungen, die ich im Stehen machen kann. Die Vögel singen sogar noch lauter als in Kreuth (müssen sie ja auch, bei den lauten Straßen in der Umgebung), Eichhörnchen kommen auch vorbei, und wenn ich dann noch einen Windhauch spüre und einen Sonnenstrahl bin ich glücklich.

Schön, den Tag so anzufangen!

Dienstag, 25. Juni 2019

MoMo6: Yoga-Film

Im Moment läuft im Kino der Film Yoga - die Kraft des Lebens. Der französische Regisseur und Autor Stéphane Haskell hat diese Kraft am eigenen Leib erfahren: Nach einem Bandscheibenvorfall und einer riskanten Operation saß er im Rollstuhl, konnte nur noch ein paar Schritte gehen und hatte Tag und Nacht unerträgliche Schmerzen. Der Fotoreporter konnte nicht mehr arbeiten, war depressiv und neidisch auf alle Menschen, die sich normal bewegen konnten.
Yoga erschien ihm zunächst wie eine Art Folter, doch er hielt durch und langsam wurde sein Zustand tatsächlich besser. Aus Dankbarkeit versprach er einer seiner Yogalehrerinnen, einen Film darüber zu machen. Es war nicht zuletzt dieses Anliegen, das ihn weiter motivierte und ihm wieder Antrieb und Lebensfreude gab.

Im Film erzählt er seine Geschichte und reist durch die ganze Welt, um Projekte zu besuchen, in denen Yoga seine heilende Wirkung entfalten kann: bei Gefangenen in den USA und Kenia, traumatisierten Kindern in Sri Lanka, orthodoxen Juden in Israel, bei Schwangeren und Multiple-Sklerose-Patienten, Massaikriegern und französischen Schulkindern... In Interviews erzählen die Lehrenden und die Teilnehmenden, warum sie das machen und was es ihnen gibt. Sehr spannend! Und er kann sogar noch mit B.K.S. Iyengar (1918-2014) sprechen, einem der einflussreichsten Yogalehrer weltweit, nach dessen Methode er selbst mit Yoga begonnen hat. (Trailer)

Nach dem Film hatte ich natürlich sofort Lust, mich mehr auf Yoga einzulassen und mal wieder einen Kurs zu machen, um neue Ideen zu bekommen. Aber leider bin ich im Moment etwas gehandicapt: Bei einer Wanderung in Kreuth bin ich ausgerutscht und habe mir die Hand verstaucht. Sie tut immer noch weh und viele Yogaübungen könnte ich im Moment einfach nicht mitmachen. Dann eben ein anderes Mal, in einem anderen Mottomonat.

Sonntag, 16. Juni 2019

MoMo6: Impressionen aus Kreuth

Ich bin wieder in Hamburg. Der neue Mottomonat "Körper und Bewegung" ist schon halb vorbei und es ist Zeit, eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen: Ich habe mich die letzten Wochen tatsächlich sehr viel bewegt, vor allem bergauf und bergab. Anders als früher steige ich nicht mehr am ersten Tag auf den höchsten Berg, sondern laufe mich langsam ein. Kein Muskelkater also, aber das deutliche Gefühl, jeden Tag ein bisschen kräftiger zu werden. Und das fühlt sich sehr gut an!

An wanderfreien Tagen, sind wir (zu dritt) morgens zum Kreuther Fitness-Pfad marschiert. Da stehen ein paar Geräte, für die sich außer uns nie jemand zu interessieren schien. Kraft-, Dehn- und Lockerungsübungen, drumherum Wald, Kiefernnadelgeruch, Vogelgezwitscher, manchmal ein Eichhörnchen. Danach statteten wir noch dem Kneipp-Tretbecken im Kreuther "Kurpark" einen Besuch ab (eiskaltes Wasser!). Nach einer guten Stunde waren wir wieder zu Hause und hatten das schöne Gefühl, schon "was" gemacht zu haben, wenn wir uns auf der Terrasse ausstreckten.

Das Kreuther Freibad war eine Neuentdeckung: ein richtig schönes, kleines Dorffreibad mit einer kleinen Rutsche, einer großen Liegewiese und Bergpanorama drumherum. Alle schienen sich zu kennen, die Kinder kamen nach der Schule, um sich begeistert ins Wasser zu schubsen und herumzukreischen, während wir im Schwimmerbecken ungestört unsere Bahnen ziehen konnten. Dazu gab es natürlich Eis am Stiel.

Aber jetzt die große Frage: Wie kann ich all das, die Kraft, die Freude an der Bewegung in der Natur, überhaupt das viele Draußensein ... in meinen Alltag in Hamburg integrieren?

Hier noch ein paar Fotos aus den letzten zwei Wochen:
Wanderung am Achensee in Tirol
Ausblick bei Wanderung zum Hirschberg

Sogar Schneefelder mussten noch überquert werden.
Modische Kuh unterwegs

Kleines Konzert für interessierte (?) Kühe
Wir hatten in Netz einige witzige Videos darüber gesehen, wie Tiere auf Musik reagieren, und das wollten wir unbedingt mal ausprobieren. Also sind wir zur nächsten Kuhweide und haben losgelegt.

Donnerstag, 13. Juni 2019

Umwege - Von China nach Bayern

Mitten in Kreuth, einem kleinen, idyllischen Ort südlich vom Tegernsee, mit Maibaum, Kuhweiden, schönen Bauernhäusern und gelegentlichen Volksmusikabenden, steht das "Wolfgang Müller Haus - Begegnungsstätte für Ostasienfreunde". Hier bin ich jetzt seit fast zwei Wochen.

Wolfgang Müller (Foto: Utz Munder)
Es ist das ehemalige Wohnhaus des evangelischen Pfarrers Wolfgang Müller. Dieser, 1911 geboren, ging als junger Mann 1938 nach China und wurde Pfarrer der evangelischen Gemeinde in Tianjin und außerdem Lehrer für Religion, Biologie und Sport an der dortigen Deutschen Schule. Nach seiner Repatriierung 1946 bekam er eine Pfarrstelle in Bad Wiesee und versuchte von dort aus, den Kontakt mit seinen ehemaligen "Schäfchen", die nun in alle Welt verstreut waren, zu halten.
Auf einem der jährlichen Hüttentreffen entstand schließlich die Idee, einen Verein zu gründen, der dieses Lebenswerk auch über seinen Tod hinaus weiterführen sollte. So wurde 1992 das "Studienwerk Deutsches Leben in Ostasien e.V."  ins Leben gerufen. Sein Ziel ist, laut Satzung, "die Verbindung mit Ostasien wachzuhalten, zurückblickend auf die eigenen Erinnerungen und offen für den ständigen Wandel." Der Verein sammelt und archiviert vor allem Lebenserinnerungen, Dokumente und Fotos von Ostasien-Deutschen (China, Japan und Indonesien), gibt zweimal jährlich eine Mitgliederzeitschrift, das STuDeO-INFO, heraus und unterstützt Forschungsarbeiten in diesem Bereich. Selbst das chinesische Staatsarchiv war schon zu Besuch. Wolfgang Müller, langjähriger Vorstandsvorsitzender und Ehrenmitglied, stellte dem Verein nach seinem Tod sein Wohnhaus zur Verfügung, als Versammlungsort, Archiv und Begegnungsstätte. Auch Urlaub lässt sich dort wunderbar machen.

Blick von der Terrasse des WM-Hauses
Ich habe Wolfgang Müller leider nicht mehr kennengelernt. Er starb 2003, in dem Jahr, als ich nach China ging. Von StuDeO habe ich durch einen älteren Herrn erfahren, den ich zufällig im Kino traf. Ich sprach ihn an, weil er so gar nicht zum üblichen Publikum eines chinesischen Untergrundfilms passen wollte. Er erzählte mir von seiner Kindheit in China, ich ihm von meinem Chinabuch. Bei einer Lesung sahen wir uns wieder, er brachte mir ein StuDeO-INFO mit und riet mir, mal im Wolfgang Müller Haus Urlaub zu machen. Mittlerweile arbeite ich selbst am INFO mit und bin fast jedes Jahr, manchmal auch mehrmals, in Kreuth. Ich habe hier schon viele anstrengende und wunderschöne Wanderungen unternommen, im Tegernsee gebadet, mit meiner Kollegin und Freundin Hilke tagelang im Archiv die Geschichte der Chinadeutschen erforscht und mit Mann, Schwestern, Schwager und Nichten Silvester gefeiert und Schneemänner gebaut. Ich genieße den Blick von der Terrasse, die Berge sehen immer wieder anders aus. Und für die Abende oder an Regentagen bietet die Bibliothek hochinteressante Lektüre. Kreuth macht mich glücklich.

Ich bin nur rund 100 km von hier entfernt aufgewachsen, aber als ich mit 19 wegzog, hatte ich keine Ahnung, wie schön das bayerische Voralpenland ist. Berge und Natur haben mich damals auch nicht besonders interessiert. Dass ausgerechnet China mir Bayern wieder nahe gebracht hat, gehört zu den schönen Zufällen im Leben.

Sonntag, 2. Juni 2019

Sechster Mottomonat 2019: Körper und Bewegung

Wenn der Monat schon mit einem Wanderurlaub anfängt, dann bietet es sich an, Körper und Bewegung zum Motto zu machen. Das Thema ist in der letzten Zeit sowieso ein bisschen zu kurz gekommen. Ich bin sportlich nicht gerade überaktiv. Ich bin weder Mitglied in einem Fitnessstudio noch in einem Sportverein und Joggern sehe ich eher mitleidig hinterher. Aber ich bemühe mich, mindestens viermal in der Woche morgens eine halbe Stunde Yoga zu machen. Ich gehe viel zu Fuß und ich wandere richtig gern.

Bayern, Nähe Tegernsee, 2014

In diesem Monat will ich ein paar neue Yogaübungen in meine Routine einbauen.

Außerdem möchte ich mich schon seit langem mit Taijiquan beschäftigen. In China habe ich immer die Menschen bewundert, die das morgens oder abends gemeinsam im Park praktizieren. Mir hat auch gefallen, dass es dort so etwas Alltägliches ist, dass man es jederzeit, auch mit Rucksack und Straßenschuhen, machen kann.





Einmal habe ich versucht, es zu lernen. Das Ausländerwohnheim, in dem ich in Peking lebte, bot einen Kurs an. Das war ziemlich frustrierend. Der Lehrer erklärte nichts und ging total schnell voran. Wenn ich eine Schrittfolge verstanden hatte, war er schon zwei weiter. Nach ein paar Mal habe ich aufgegeben. Ein Mottomonat wäre eine gute Gelegenheit, es noch einmal zu versuchen.

Außerdem möchte ich mehr Fahrrad fahren. Und ich stelle mir vor, dass ich morgens früh aufstehe und eine Runde durch den Park drehe (nein, nicht joggend, nur gehend). Aber frühmorgens sehe ich das erfahrungsgemäß meist anders...
 
Zum Körper gehört natürlich nicht nur Bewegung, sondern auch so etwas wie Wellness, also Sauna, Massagen ... ich könnte mal das Hamam in Hamburg ausprobieren ... 

Freitag, 31. Mai 2019

MoMo5: Resümee

Der Freispiel-Monat geht zu Ende. Er kam mir kürzer vor als die letzten Monate. Dehnt sich die (individuelle) Zeit aus, wenn man sich auf eine Sache konzentriert? Obwohl sie im "flow" doch auch wie im Flug zu vergehen scheint? Darüber muss ich noch mal nachdenken.

Auf jeden Fall habe ich im Mai die Themen der letzten Monate aufgegriffen und vertieft:
  • Fotos: Im Workshop Straßenfotografie habe ich endlich selbst zum Fotoapparat gegriffen. Der Wunsch nach einer guten Kamera ist wieder aufgetaucht, aber noch ist nichts entschieden. Außerdem habe ich eine tolle Fotoausstellung in den Deichtorhallen besucht: Lauren Greenfield: "Generation Wealth". Seit 25 Jahren fotografiert sie "die Obsession für Reichtum, Schönheit und Status in aller Welt". Sehr gut! Und bedrückend. Die Ausstellung ist noch bis zum 23. Juni zu sehen.
In der Ausstellung: Ein verwunderter Jupp vor viel Bling Bling.
  • Weniger Müll: Das Thema geht natürlich die ganze Zeit weiter und ist auch gerade in der öffentlichen Aufmerksamkeit ziemlich präsent. Wir kaufen inzwischen fast alle Lebensmittel unverpackt ein. Das hat dazu geführt, dass wir teilweise andere Dinge kaufen (mehr Hülsenfrüchte und Nüsse z.B.), was wiederum unsere Experimentierfreudigkeit angeregt und so unseren Speisezettel bereichert hat. Ich habe zu Hause selten so lecker und ungewöhnlich gegessen wie diesen Monat. Unter anderem haben wir mit veganem Käse auf Cashew- und Mandelbasis experimentiert. Außerdem probiere ich gerade aus, wie weitgehend man auf Cremes, Kosmetik etc. verzichten kann. Und mache mir Gedanken zum Mülleinsparen im Bürobereich.
  • Gärtnern: Einige der Tomatenpflanzen sind doch gewachsen und bringen es vielleicht irgendwann sogar zu ein paar Früchten. Inzwischen stehen sie auf dem Balkon zwischen Malven, Bienenschmaus, Zitronenmelisse, Minze und Basilikum. Im Hochbeet hat der Grünkohl vom letzten Jahr wie verrückt geblüht, zur Begeisterung der Insekten. Mittlerweile ist er fast abgeblüht. Jetzt wachsen dort einige Kartoffeln, zwei Kürbispflanzen und ein paar Buschbohnen.
  • Blühender Grünkohl, Mitte Mai
    Jugendliche Buschtomatenpflanze
  • Natur: Mit unserem botanisch versierten Freund haben wir noch eine Wildkräuterwanderung unternommen. Es war wieder total spannend. Dieses Mal haben wir Brunnenkresse gepflückt und daraus Salat gemacht.   
Ansonsten war Politik (Europawahl, Klimaschutz, Ibiza-Video, Rezo etc.) ein wichtiges Thema in diesem Monat. Und ich habe gründlich aufgeräumt und ausgemistet. Das fühlt sich gut an!

Jetzt geht es erst einmal für zwei Wochen zum Wandern in die bayerischen Alpen. Was für ein neuer Mottomonat könnte denn dazu passen?