"Was machen Sie beruflich?"


Das berufliche Leben als Patchwork, entstanden aus Neigungen, Begabungen und - dem Zufall. Einige "Grundfarben" tauchen immer wieder auf und halten alles zusammen. Mein besonderes Interesse gilt: Sprache(n); anderen Menschen und ihren Lebensgeschichten; alternativen Lebensentwürfen jenseits von Konsum und Hektik; fremden Kulturen (insbesondere China) und den reizvollen Unwägbarkeiten interkultureller Begegnungen.

Mittwoch, 20. Februar 2019

MoMo2: Plastik in Kosmetik

Nach dem Haushalt kommt nun die Kosmetik an die Reihe.

Von Mikroplastik werden die meisten inzwischen schon gehört haben. Die Minikunststoffteilchen werden von der Kosmetikindustrie aus verschiedenen Gründen in die Produkte gemischt. Sie können Schleiftmittel in Peelings sein, sich als Silikone auf die Haut und ums Haar legen, die Konsistenz von Cremes und Lotionen verbessern... Das Problem ist, dass sie über den Abfluss in die Flüsse und ins Meer gelangen, dort von den Fischen gefressen werden - und letztlich über die Nahrungskette wieder zu uns zurückkommen. Laut Greenpeace kann schon einmal duschen bis zu 100.000 Plastikteilchen ins Meer schwemmen.

Aussortierte Produkte
Ich habe also recherchiert, hinter welchen komplizierten Bezeichnungen sich Kunststoff verbergen kann und dann mein Badezimmer durchforstet und alles aussortiert, was diese Bezeichnungen in der Inhaltsliste führt.

Um ehrlich zu sein: Bei den allermeisten Sachen war ich richtig erleichtert, sie endlich loswerden zu können. Viele stehen schon ewig bei mir rum, ohne dass ich sie benutze. Aber ich kann schlecht was wegwerfen, was ja "eigentlich" noch gut ist. Nur um den Puder tut es mir leid....


Wie kann man jetzt herausfinden, wo Mikroplastik drin ist, ohne Chemie studiert zu haben?
  • Bei zertifizierter Naturkosmetik ist man wohl auf der sicheren Seite.
  • Von Greenpeace gibt es eine Liste mit Kunststoffbezeichnungen, nach denen man die Inhaltsstoffe überprüfen kann: Greenpeace. Kurzinfo Plastik in Kosmetik
  • Der Bund für Umwelt und Naturschutz hat eine Negativliste mit Produkten herausgegeben, die Plastik enthalten. Sie sind  nach Anwendungsbereichen (Shampoos, Cremes etc.) geordnet: BUND Einkaufsratgeber.
  • Es gibt auch Apps, mit denen man den Strichcode von Produkten scannen kann und dann erfährt, ob sie Mikroplastik enthalten. Aber da ich zur bedrohten Minderheit der Immer-noch-kein-Smartphone-Besitzer gehöre, habe ich mich damit nicht weiter beschäftigt.
Viel Spaß beim Ausmisten!

Montag, 18. Februar 2019

MoMo2: Spülen mit Gurke

Zu den fünf Wunder-Hausmitteln kann ich mangels weiterer Testläufe noch nicht mehr schreiben. Wie gesagt, Putzen gehört nicht zu meinen Leidenschaften.

Luffa aegyptiaca (F. M. Blanco)
Aber eine neue 100%-Bio-Haushaltshilfe, die in der WG schon ein paar Wochen im Einsatz ist und sich bewährt hat, soll nun gewürdigt werden: die Luffagurke. Auch Schwammkürbis genannt. Manche kennen Sie vielleicht als Peeling-Schwamm im Kosmetikbereich. Wir benutzen sie als Spülschwamm.

Der herkömmliche Spülschwamm besteht aus Kunstfaser und sollte aus hygienischen Gründen jede Woche gewechselt werden. Man kann sich vorstellen, was da an Plastikmüll zusammenkommt. Sogenannte Ökö-Spülschwämme können zwar in der Waschmaschine gewaschen und mehrfach verwendet werden, haben aber in der Regel auch einen Kunststoffanteil. Die Luffagurke hingegen ist zu 100 Prozent Natur und kann am Ende eines langen Spüllebens auf dem Kompost entsorgt werden.

Ein Stück Luffagurke (aus dem Unverpacktladen) vor dem Kontakt mit Wasser. Die Zwiebel dient nur dem Größenvergleich.
Die Luffagurke nach dem Kontakt mit Wasser. Hier kann man ganz gut die Gurkenstruktur im Inneren erkennen. Aber für einen Haushaltsschwamm ist sie so viel zu groß.
Man kann sie in verschiedene Stücke scheiden und dann wie einen üblichen Schwamm verwenden. Die Haptik ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Für richtig angebrannte Töpfe muss man wohl noch einen Stahl-Topfkratzer oder so etwas haben. Alles andere geht gut.
Was die Hygiene betrifft: Nach allem, was ich inzwischen über Kunststoff-Spülschwämme als Bakterienschleudern gelesen habe, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Luffagurke da schlechter abschneidet. Eher im Gegenteil.

Perfekt wäre es natürlich, wenn man sich seinen Spülschwamm auch noch selber anbauen könnte. Im Internet wird von verschiedenen Versuchen berichtet. Da die Pflanze aber vorwiegend in tropischen Ländern wächst, ist es in Deutschland wohl nicht ganz so einfach.

Freitag, 15. Februar 2019

MoMo2: Die fünf Tausendsassas

Ich gestehe, Putzen gehört zu den Dingen, die ich am liebsten auf meine Not-to-do-Liste setzen würde. Aufräumen und Ausmisten ist was anderes, das kann Spaß machen und gut für die Seele sein. Aber Putzen... Naja. Im Zuge meines Weniger-Müll-Monats kommt aber natürlich auch der Haushalt auf den Prüfstand. Im Unverpackt-Laden gibt es Spülmittel, Waschmittel und andere Reinigungshelfer zum Abfüllen. Waschmittel kaufen wir ohnehin schon seit Jahren bei der Waschkampagne. Aber so einfach wollte ich es mir nicht machen, also habe ich mir das Buch Fünf Hausmittel ersetzen eine Drogerie (vom Ideenportal smarticular) besogt und die fünf Hausmittel gleich dazu:

Die fünf Wundermittel: Essig, Natron, Zitronensäure, Soda und Kernseife
Gerade Natron scheint ja ein richtiger Tausendsassa zu ein und wurde schon im alten Ägypten verwendet: Man kann damit nicht nur Kuchen backen und Sodbrennen bekämpfen, sondern auch die Waschmaschine reinigen, Geschirr spülen und eine Scheuerpaste herstellen. Oder eine Deocreme, je nachdem, was gerade ansteht.
Im Buch findet man für alles Rezepte, man erfährt, wie man WC-Reiniger-Tabs, Waschmittel oder Zahnpasta selber macht, Holzböden auffrischt, Schimmel beseitigt und nebenbei noch Laugenbrezeln backt. Das Buch hat es sogar in den Manufactum-Katalog ("Es gibt sie noch, die guten Dinge.") geschafft.
Ich bin erst einmal fasziniert. Wie praktikabel und wirksam das alles ist, muss ich nach und nach ausprobieren.
Ein Rezept hat jedenfalls schon funktioniert: Ich wollte eine Teekanne, die wir lange nicht benutzt haben und die innen schon ganz teefleckig-braun war, reinigen. Einfach ein Päckchen Backpulver in die Kanne geben (Natron wäre natürlich auch gegangen), mit heißem Wasser aufgießen, über Nacht stehen lassen. Und am nächsten Morgen sind die Flecken weg. Geht bestimmt auch bei Thermoskannen.

Mittwoch, 13. Februar 2019

MoMo2: Plastikfreies Familienleben

Spaß sollte es machen. Und wenn sich einer in der Familie davon zu sehr eingeschränkt gefühlt hätte, dann hätten sie das Experiment abgebrochen. Das betont Sandra Krautwaschl immer wieder in ihrem Buch Plastikfreie Zone - Wie meine Familie es schafft, fast ohne Kunststoff zu leben.

Alles fing mit einem Kinobesuch 2009 an. Der Dokumentarfilm Plastic Planet des österreichischen Regisseurs Werner Boote schockierte Sandra Krautwaschl so sehr, dass sie spontan beschloss, ein Experiment zu versuchen: Einen Monat komplett auf Plastik verzichten. Die Familie (Mann und drei Kinder zwischen sieben und dreizehn Jahren) war bereit mitzumachen. Werner Boote und sein Team unterstützten den Versuch und begleiteten ihn medial. Humorvoll beschreibt Krautwaschl, welche Herausforderungen damit auf alle zukamen und welche Prozesse ausgelöst wurden. Plastikfreie Alternativen mussten gefunden werden, was sich gerade am Anfang als sehr schwierig erwies (die Unverpackt-Läden waren noch nicht so richtig erfunden). Der kleine Sohn wollte unbedingt seine Playmobil-Ritterburg behalten (durfte er) und die Umgebung reagierte oft recht skeptisch oder abwehrend. Sie musste sich sogar als "Plastiktaliban" beschimpfen lassen. Doch die "Not" machte auch erfinderisch und schweißte die Familie zusammen. Als der Monat um war, machten sie einfach weiter und mit der Zeit war es kein Experiment mehr, sondern eben der persönliche Lebensstil. Krautwaschl beschreibt, wie dadurch ihr komsumkritisches und polititsches Bewusstsein geschärft wurde, wie sie immer wieder in Gefahr geriet, missionarisch zu werden, und wie sie manchmal fast verzweifelte bei dem Gedanken, so ein kleines, persönliches Projekt könnte vielleicht gar nichts bewirken.
"Natürlich hadere ich bisweilen damit, dass ich nicht mehr tun, nicht die ganze Welt oder zumindest Teile davon zu retten vermag, aber ich habe gelernt, dass jeder kleine Schritt bedeutsam ist. Für mich selbst, für meine Kinder, für die Hoffnung auf Veränderung und für die Motivation, weitere kleine Schritte zu gehen. Mehr kann ich als einzelner Mensch nicht tun. Allerdings auch nicht weniger."
Ihre Erfahrungen schrieb sie auch im Blog "Kein Heim für Plastik" nieder, den sie Ende letzten Jahres wieder aktiviert hat. Seit 2015 ist sie für die Grünen im streirischen Landtag aktiv und schreibt mittlerweile auch einen Politiblog (Politik selber machen). Die persönlichen Veränderungen durch das Experiment scheinen ziemlich nachhaltig gewesen zu sein.

Dienstag, 12. Februar 2019

MoMo2:Zwischenresümee - Müll und Lebensmittel

Was die Müllvermeidung beim Lebensmittelkauf betrifft, bin ich schon ganz zufrieden.
  • Gemüse und Obst kann ich lose auf dem Markt oder im Bioladen kaufen.
  • Joghurt und Milch reduziere ich und kaufe sie bei Bedarf in Mehrweggläsern/flaschen. (Oder wäre der regionale Milchanbieter im Tetrapak doch besser?)
  • Getränke sind für mich sowieso relativ unproblematisch, da ich fast nur Tee (lose) und Leitungswasser trinke. Ich habe längere Zeit in Ländern gelebt, in denen das Leitungswasser stark gechlort war und einfach nur eklig schmeckte. Für mich ist es immer noch ein Riesenluxus, dass ich hier nur den Hahn aufdrehen muss und es kommt gutes Wasser raus. Ich verstehe gar nicht, warum ich Wasser in Flaschen kaufen, schleppen und entsorgen sollte.
  • Backwaren kann ich auch lose in der Bäckerei kaufen. Aber in letzter Zeit backe ich Brot öfter selbst (seit ich ein supereinfaches Rezept gefunden habe). 
  • Das meiste andere (Haferflocken, Reis, Mehl, Bohnen, Linsen, Nudeln, Gewürze, ....) kaufe ich jetzt (wieder) im Unverpacktladen.
Problematisch bleiben einige Dinge, die ich für mein tägliches Müsli brauche: Erdnussmus und Sesammus (Einweggläser), geschroteter Leinsamen und Weizenkleie (habe ich im Unverpackt-Laden nicht gefunden) und ansonsten vor allem Tofu. Für den habe ich spätestens seit China eine Leidenschaft, aber ich kenne ihn hier nur in Plastikverpackung. Hat vielleicht jemand einen Tipp?

Im nächsten Schritt geht es jetzt an den restlichen Haushalt: Waschen, Putzen, Spülen etc.

Montag, 11. Februar 2019

MoMo2: Unverpackt einkaufen

Ich lese gerade das Buch Ohne Wenn und Abfall von Milena Glimbovski. Sie hat 2014, mit Anfang 20 (!), gemeinsam mit einer Freundin in Berlin den ersten Unverpacktladen namens Original Unverpackt in Deutschland eröffnet. "Wir ... hatten weder von Lebensmitteln noch von BWL eine Ahnung, geschweige denn von Supermärkten". Im Buch beschreibt sie, wie es ihnen trotzdem gelingt, ihre Idee umzusetzen, erzählt von Business-Plänen, Herstellersuche, Crowdfunding, Anfängerfehlern, Glücksmomenten und Rückschlägen bis hin zu einem persönlichen Zusammenbruch aus schlichter Überarbeitung und Überforderung. Mir persönlich fehlt das Unternehmer*innen-Gen. Ich kann mich freiberuflich über Wasser halten und mit wenig Geld auskommen. Aber allein der Gedanke, einen Kredit aufzunehmen, lässt mich nicht mehr ruhig schlafen. Um so dankbarer bin ich, wenn andere dieses Gen für eine gute Idee einsetzen und etwas auf die Beine stellen. Inzwischen läuft Original Unverpackt gut und es sind noch ein Onlineshop und ein Magazin hinzugekommen (mehr).

Vor allem aber hat sich die Idee in den letzten fünf Jahren rasant verbreitet. Mittlerweile gibt es fast in jeder größeren Stadt einen Laden, in dem man unverpackt einkaufen kann (Liste).

Der nächstgelegene für mich in Hamburg ist Stückgut. Darüber habe ich vor knapp zwei Jahren schon einmal geschrieben (alter Post). Ich habe eine Weile dort eingekauft, aber es dann doch wieder gelassen. Warum? Tja. Aus Bequemlichkeit ... immer diese ganzen Glasflaschen und Behältnisse mit sich herumschleppen ... ich kaufe sowieso nicht gerne ein und dann auch noch zusätzlich in ein Extrageschäft ... es ist zu teuer ...

Unser Vorratsregal
Aber eigentlich ist das alles Quatsch. Ja, es ist ein bisschen unbequemer. Man muss den Einkauf besser planen und Gläser, Dosen, Tüten selbst mitbringen. Aber es macht auch ziemlich Spaß, zu Hause dann alles einzuräumen und keinen Müll zu haben. Was die Preise betrifft, so bin ich mir nicht einmal sicher, ob es wirklich teurer ist als im Bioladen. Auf jeden Fall ruiniert es mich nicht, dort einzukaufen. 
Im Moment bin ich durch den Mottomonat jedenfalls wieder sehr motiviert und hoffe, dass diese Begeisterung auch über den Februar hinaus anhält.





Samstag, 9. Februar 2019

MoMo2: Guter und schlechter Müll

In den letzten Tagen habe ich stundenlang die Vor- und Nachteile verschiedener Verpackungsarten recherchiert. Anlass war die stolze Ankündigung des Biosupermarkts meines Vertrauens, bei einer Tomatensauce durch die Umstellung von Glas auf Verbundkarton 63% CO2 einsparen zu können. Dabei hatte ich mir doch gerade vorgenommen, alles möglichst nur noch im Glas zu kaufen.

Das Ergebnis meiner Recherche: Tatsächlich haben Einwegverpackungen aus Glas die schlechteste Ökobilanz von allen Verpackungsarten. Das liegt vor allem daran, dass Glas sehr schwer ist und deshalb beim Transport mehr Treibstoff verbraucht. Außerdem kann es zwar gut und beliebig oft recycelt werden, benötigt für das Einschmelzen aber sehr viel Energie. Bei Mehrweggläsern (Joghurt, Milch, Bier, Getränke) sieht die Ökobilanz schon wesentlich besser aus. Glas kann bis zu 50 mal wieder befüllt werden, Mehrweg PET-Flaschen nur etwa halb mal so oft. Allerdings muss man auch hier die Transportwege berücksichtigen. Glasflaschen sind vor allem dann sinnvoll, wenn man Produkte aus der Region kauft, also z.B. regionales Bier oder Mineralwasser. Laut dem Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg ist eine Mehrweg-Glasflasche umweltfreundlicher als ein Getränkekarton, sobald sie weniger als 200 km transportiert und mehr als 15 mal benutzt wird. Ein Vorteil von Glas, der nicht in der Ökobilanz auftaucht ist, dass es als einziges Verpackungsmaterial mit Sicherheit keine chemischen Reaktionen mit dem Inhalt eingeht, dass also keine unerwünschten Stoffe in die Lebensmittel gelangen.

Und wie sieht es mit dem Verbundkarton aus (auch unter dem Firmennamen Tetra Pak bekannt)? Der besteht zum größten Teil (51-75%) aus Karton, der Rest ist Kunststoff, manchmal ist noch etwas Aluminium dabei. Vom Bundesumweltministerium wurde er als "ökologisch vorteilhafte Verpackung" eingestuft und von der Pfandpflicht befreit. Man kann ihn fachgercht recyceln, allerdings schwanken die Angaben zur Recyclingquote zwischen 36% und 76%. Auch ist in den letzten Jahren der Plastikanteil gestiegen, vor allem durch die Kunststoffausgießer. Aber dennoch hat die Entscheidung des Supermarkts, bei der Tomatensauce umzusteigen, vermutlich einiges für sich.

Übrigens ist auch die Entscheidung, sein Gemüse in eine Papiertüte zu packen statt in einen Plastikbeutel erst dann ökologisch sinnvoll, wenn man die Papiertüte mehrfach benutzt.

Auf den ersten Blick wirkt das alles schwierig und verwirrend, aber wenn man eine Weile darüber nachdenkt, ist es letzten Endes doch wieder einfach.
Faustregel 1: Lieber Mehrweg als Einweg
Faustregel 2: Lieber regional als global
Und am wichtigsten Faustregel 3: Den "guten" Müll gibt es nicht. Das Allerbeste ist, so wenig Müll/Verpackung wie möglich zu kaufen.

Es ist wie bei der Diskussion um Elektroautos. Sie stoßen weniger CO2 aus, stinken weniger und sind leiser. Aber auch sie verstopfen Straßen und Plätze und auch sie verbrauchen Energie, die irgendwo herkommen muss. Eigentlich müsste die Diskussion darum gehen, wie man Autos reduzieren und andere bequeme Arten von Mobilität ermöglichen kann.

So, das war jetzt mal ein sehr theoretischer Post. Aber irgendwo muss das ganze Angelesene ja wieder hin.

Donnerstag, 7. Februar 2019

MoMo2: Die Wahl zwischen Pest und Cholera

Ich gebe zu, das ist ein bisschen übertrieben. Aber so sieht die typische Biogemüse-Abteilung eines normalen Supermarktes aus:

Eingeschweißte Gurken, Brokkoli in Folie, Champignons im Plastikkorb mit Plastikhülle...
Wer bewusst und nachhaltig einkaufen will, hat die Wahl zwischen Biogemüse mit viel Plastik oder unverpacktem Gemüse, dafür aber aus konventioneller Landwirtschaft.

Grund für diese zweifelhafte Alternative ist eine EU-Verordnung, nach der Biogemüse und konventionell angebautes Gemüse deutlich unterscheidbar sein müssen. Um Plastik zu sparen (!) kennzeichnen also Lieferanten und Supermärkte ihr Bio-Gemüse, das einen kleineren Teil des Angebots ausmacht, mit Aufklebern auf exzessiver Plastikumwickelung. Das Biogemüse soll damit auch vor dem möglichen Kontakt mit Pestiziden, die vielleicht noch am anderen Gemüse haften, geschützt werden. Und es soll frischer wirken oder länger frisch bleiben, obwohl das Plastik meiner Wahrnehmung nach eher den gegenteiligen Effekt hat.
Dass es auch anders geht, zeigt etwa das Beispiel von REWE. Die Firma hat angekündigt, ab April in zunächst rund 630 Filialen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland den weitestgehenden Verbrauch auf Plastikverpackungen im Bereich Bio-Obst und Bio-Gemüse zu testen. Alternativen sind Banderolen, Aufkleber (wie bei Bananen) und "Laserlogos" in der Schale. Man rechnet damit, dass damit jährlich rund 55.000 Kilograumm Kunststoff eingespart werden könnten. Wenn das Pilotprojekt erfolgreich verläuft, soll es ausgeweitet werden. Dann werden sicher auch bald andere Supermarktketten nachziehen.
Bis es soweit ist, bleibt nur der Weg in den Bioladen oder den Biosupermarkt, der Einkauf auf dem Wochenmarkt oder im regionalen Unverpacktladen. (Darüber demnächst mehr).
Eine bequeme Alternative ist auch noch die wöchentlich ins Haus gebrachte Gemüsekiste vom Biolieferanten. Je nach Geschmack kann man dabei "à la carte" bestellen oder sich überraschen lassen. Eine gute Möglichkeit, neue Gemüsesorten kennenzulernen.

Dienstag, 5. Februar 2019

Schon wieder Neujahr!

Heute beginnt das chinesische Jahr des Schweins.

Das Tierkreiszeichen Schwein gilt als gutmütig, tolerant, ehrlich und großzügig. Negativ kann es zu Starrköpfigkeit tendieren oder eine Neigung zu Faulheit und Unentschlossenheit aufweisen. Dennoch gelten Schweine insgesamt als Glückspilze, die auch Niederlagen wegstecken können, und ein gemütliches, stressfreies Leben bevorzugen.

Da das Tierkreiszeichen immer für ein ganzes Jahr gilt, haben normalerweise alle Kinder in einer Schulklasse dasselbe Zeichen. Als ich in China unterrichtete, beschrieb eine chinesische Studentin ihre Schulzeit so: "Wie waren alle glückliche Schweine."

Wer wissen möchte, ob er im Jahr des Schweins geboren ist, muss von 2019 immer zwölf Jahre abziehen (also: 2007, 1995 etc.)

Ein glückliches, neues Jahr! 新年快乐

Sonntag, 3. Februar 2019

Zweiter Mottomonat 2019: Weniger Müll!

Ich habe schon lange Lust, mich noch mehr mit Alternativen zum üblichen Konsumverhalten zu beschäftigen. Warum nicht einen Mottomonat daraus machen? Das Thema umfasst viele Alltagsbereiche: Essen, Haushalt, Kleidung, Mobilität....
Ich möchte einen Monat konsequent kein Plastik kaufen (geht das?), Bücher lesen und mir daraus Anregungen für Alternativen holen, die Tipps in eigenen Haushalt / am eigenen Leib ausprobieren. Und mal sehen, was sich noch entwickelt.
Als Illustration für diesen Monat habe ich mir ein Foto von der großen Wandinstallation des Fotografen Michael Wolf in den Deichtorhallten aufgehoben. Das Ausstellungsplakat zeigt einen Ausschnitt daraus:

Für das Projekt The Real Toy Story hat Michael Wolf über 40.000 gebrauchte Spielzeuge "Made in China" gesammelt. Sie bilden den Rahmen für seine Fotos von Arbeiterinnen und Arbeitern in chinesischen Spielzeugfabriken.
Allein die Fülle und Buntheit dieses ganzen Plastikramsches ist überwältigend. Wer braucht das? Gleichzeitig wird der Herstellungsprozess ins Bild gerückt.

Freitag, 1. Februar 2019

MoMo1: Resümee

Der erste Monat unter dem Motto "Fotos" ist vorbei. Zeit für ein kurzes Resümee:

Ich habe mein erstes Fotobuch gestaltet und bin beim Ordnen meiner (Papier)fotos in die eigene Lebens- und Familiengeschichte eingetaucht. Ich habe mich in die technischen Zusammenhänge des Fotografierens eingelesen und mich über Kameratypen informiert. Außerdem habe ich eine ganz tolle Fotoausstellung gesehen, die mir ohne Mottomonat vermutlich entgangen wäre.

Zu kurz gekommen ist auf jeden Fall das eigene Fotografieren. Was ich mir an Technik angelesen habe, muss noch praktisch umgesetzt werden, sonst vergesse ich es wieder. Dafür bräuchte ich noch einmal einen eigenen Monat. Die digitalen Bilder sind auch noch nicht geordnet. Dabei würde ich dann vielleicht auch das schöne Foto finden, das ich mir als Poster an die Wand hängen möchte.

Eigentlich schade, dass der Monat schon vorbei ist. (Zum Thema: Wie lange dauern Mottomonate demächst mehr). Aber ich bin auch gespannt, was jetzt kommt.

Buchtipp: Dietmar Spehr: Digital fotografieren lernen. Schritt für Schritt zu perfekten Fotos. Bonn: Vierfarben, 2014 (424 Seiten)
Das Buch erklärt ausführlich und verständlich technische Hintergründe und gibt Tipps zu Kamerakauf und Ausstattung. Aber es enthält vor allem auch viele Anregungen zum Umgang mit schwierigen Belichtungssituationen, zur Bildkonezption, zum Fotografieren von Menschen, Tieren, Landschaften etc. und auch zur nachträglichen Bildbearbeitung.

Donnerstag, 31. Januar 2019

MoMo1: Resonanzversprechen

Nachdem ich mich durch mehrere Testberichte gelesen und mich über die Vor- und Nachteile verschiedener Kameratypen und Kamerasensoren etc. informiert habe, nachdem ich auch in einem Fachgeschäft war, diverse Kameras in der Hand hielt und versuchte, auf mein Bauchgefühl zu hören, nach all diesem Aufwand also, habe ich mich entschlossen, vorerst doch keine neue Kamera zu kaufen.
Warum? Weil ich nicht weiß, ob ich wirklich eine neue Kamera brauche oder ob ich nur einem Resonanzversprechen aufsitze.
Der Begriff geht auf den Soziologen Hartmut Rosa und sein Buch Resonanz zurück, das ich einmal für Psychologie heute rezensiert habe. Rosa beschreibt darin, wie sich der Mensch nach Begegnung sehnt, nach einem lebendigen Austausch mit anderen Menschen, aber auch mit Dingen, Ideen, Natur und Kunst, kurzum: Er sucht nach Resonanz. Das erfordert jedoch Zeit und Offenheit, zwei Dinge, die, Rosa zufolge, in der kapitalistischen Gesellschaft mit ihrer wettbewerbsorientierten Wachstums- und Leistungsideologie systematisch untergraben werden, so dass die Welt für den Einzelnen immer mehr verstummt.
Und hier kommt nun der Konsum als Resonanzversprechen ins Spiel. "Durch den Erwerb des Weltdings als Ware hoffen wir, uns ein Stück Welt anzueignen und dadurch eine neue, tiefere, intensivere Form der Weltbeziehung zu verwirklichen." Man kauft also z.B. eine Outdoorjacke und hofft, sich dadurch mit der Natur ganz neu zu verbinden, oder durch eine neue Steroanlage Musik tiefer zu erleben etc. Doch das Entscheidende ist nicht der Kauf, sondern was man danach mit diesen Dingen macht. Diese Anverwandlung "ist zeitintensiv und erfordert das Sich-Einlassen auf die Dinge sowie die Bereitschaft, sich selbst zu verändern, sich gleichsam aufs Spiel zu setzen." Dafür fehlt aber wiederum die Zeit und so kommt es, wie es kommen muss: "Menschen in den Wohlstandsgesesllschaften kaufen Jahr für Jahr mehr Bücher, mehr Tonträger, mehr Teleskope und Klaviere, aber sie lesen und hören sie, beobachten und spielen damit und darauf immer seltener." 

Kurzum: Ich habe mich gefragt, ob ich wirklich fotografieren will oder ob das nur ein Bild von mir ist, das ich gerade im Kopf habe. Wenn ich mir eine neue Kamera kaufe, habe ich dann wirklich Zeit und Lust, mich damit vertraut zu machen, sie wirklich zu gebrauchen? Zum Glück habe ich einen Mitbewohner, der sich selbst eine gute Kamera gekauft hat, die er kaum nutzt. Und der so nett ist, sie mir zu leihen, damit ich das herausfinden kann.

Zitate aus: Hartmut Rosa: Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung. Berlin: Suhrkamp 2016

MoMo1: Fotoausstellung: MICHAEL WOLF - LIFE IN CITIES

Wenigstens in eine Fotoausstellung wollte ich diesen Monat unbedingt noch gehen. Ich befragte das Internet. Michael Wolf, Life in Cities, Haus der Fotografie in den Deichtorhallen? Hört sich gut an, dachte ich, bin hin - und war begeistert.


Michael Wolf (geb. 1954) war lange Zeit Fotojournalist und arbeitet seit 2003 als freier Fotograf und Künstler. Er lebt in Hongkong und Paris und dokumentiert in seinen Arbeiten auf jeweils ganz unterschiedliche Weise das Leben in heutigen Metropolen. In der Ausstellung werden 11 Werkserien und eine große Wandinstallation gezeigt. Da gibt es etwa fast abstrakt wirkende Fotos von Wohnblocks, wie in der Serie  Architecture of Density.


 

100 x 100 zeigt dagegen das Innenleben eines Wohnblocks mit jeweils 9m² (!) großen Sozialwohnungen in Hongkong. In der Ausstellung sind diese Fotos in einem 9m² großen Raum gehängt, so dass man auch einen physischen Eindruck der Größenverhältnisse bekommt.







Andere Serien wie Bastard Chairs oder Informal Solutions sind eine Hommage an den Einfallsreichtum der Stadtbewohner, die sich den öffentlichen Raum wieder zu eigen machen. Sehr beieindruckend auch Tokyo Compression, Fotos von Menschen in der U-Bahn von Tokio.
Es gäbe noch viel mehr zu zeigen und zu schreiben. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich die Ausstellung selbst ansehen. Sie ist noch bis 3. März in Hamburg zu sehen. Einen ersten Eindruck bekommt man auf diesem Video: Deichtorhallen, Life in Cities, Teaser

Als ich wieder auf der Straße stand, hatte ich erst einmal einen ganz neuen, frischen Blick auf die Stadt. Und hätte am liebsten sofort losfotografiert.

Dienstag, 29. Januar 2019

Mottomonat ist der neue Projektmonat

Meine Nicht Laura (15) schrieb mir, dass sie das mit den "Mottomonaten" dieses Jahr auch mal ausprobieren möchte. Und natürlich hat sie recht: Mottomonat klingt viel schöner als Projektmonat, weniger nach Arbeit, mehr nach Vergnügen. Diese ganzen mms und ooos! Deshalb wird jetzt umgetauft: Mottomonate sind die neuen Projektmonate! Danke, Laura.

Montag, 28. Januar 2019

MoMo1: Fotos ordnen

Das letzte Wochenende habe ich vor allem damit verbracht, Fotos zu ordnen und einzukleben (mit Fotoecken!). In besagter Blechkiste waren noch ziemlich alte Bilder ... von einer Geburtstagsfeier ... vom Besuch einer Freundin, von der ich seit Jahren nichts mehr gehört habe ... meine Nichte - inzwischen längst ein Teenager - als Baby ... Um sie einzuordnen, musste ich alle meine Alben durchblättern. Eine Zeitreise. Ich wurde ganz melancholisch.

Es fällt mir furchtbar schwer, Fotos (oder Negative) wegzuwerfen. Als wären sie unersetzliche historische Dokumente. Vielleicht weil ich noch aus der Zeit der analogen Fotografie komme, als Bilder seltener und teurer waren. Hin- und wieder konnte ich mich aber doch überzeugen, dass nicht jeder verwackelte Tulpenstrauß und jeder unvorteilhafte Schnappschuss aufbewahrt werden muss.
Jetzt ist alles geschafft und die Blechkiste ist (fast) leer. Ein befriedigendes Gefühl!

vorher
nachher

Sonntag, 27. Januar 2019

MoMo1: Fotobuch

Da es eine Geburtstagsüberraschung werden sollte, durfte ich nichts verraten. Aber jetzt kann ich schreiben, was ich die ersten zwei Wochen während meines Fotomonats vor allem gemacht habe: mein erstes Fotobuch!

Aufmerksame Leserinnen und Leser dieses Blogs werden das Titelbild wiedererkennen.

Es hat sehr viel Spaß gemacht. Ich war teilweise bis in die Nacht damit beschäftigt und konnte gar nicht aufhören. Die Software, um das Ganze im Internet zu gestalten, war zwar nicht schwierig, aber trotzdem dauerte es einige Zeit, bis ich mich hineingefummelt hatte und wenigstens einen Teil der zahlreichen Möglichkeiten nutzen konnte.


Ohne Werbung machen zu wollen, nur als Info: Ich habe ein CEWE-Fotobuch gestaltet, weil mir das jemand empfohlen hatte. Es gibt natürlich auch andere Anbieter. Ich nehme an, dass die Programme und Preise sich nicht allzusehr unterscheiden.
Die Druckqualität der Bilder fand ich in Ordnung: Sehr hilfreich waren kleine Video-Tutorials mit Tipps und Tricks.




Ein billiges Vergnügen -  abhängig von Seitenzahl und Ausstattung - ist so ein Fotobuch allerdings nicht. (Zum Thema Geld und Projektmonate demnächst mehr.)

Aber es war sehr schön, die Reise auf diese Weise noch einmal Revue passieren zu lassen. Und als Geburtstagsüberraschung war das Buch ein voller Erfolg!



Dienstag, 22. Januar 2019

MoMo1: Alte Fotos und ihre Geschichten

Im Rahmen meines Fotomonats habe ich meine alten Familienalben durchgesehen und bin dabei auf eine Kopie des Familienstammbaums gestoßen, den mein Vater mal erstellt hat. Die ersten dürftigen Aufzeichnungen stammen vom Ende des 18. Jahrhunderts, mehr Informationen konnte er erst aus dem 19. Jahrhundert zusammentragen. Trotzdem erscheint mir dieser Stammbaum wie ein Spiegel der deutschen Geschichte und der Veränderungen der sozialen Verhältnisse.

Die Vorfahren meines Vaters kommen aus Schleswig-Holstein, Mecklenburg und Schlesien im heutigen Polen. Einfache Leute, Arbeiter, Handwerker, darunter ein Scherenschleifer, mein Großvater Korbmachermeister. Der schlesische Zweig ist katholisch, die anderen sind Protestanten.
Auf der Seite meiner Mutter kommen alle aus Bayern, auch hier Handwerker, Bäcker, Färber, die meisten aber sind Bauern aus einem Dorf in der Nähe von München, erzkatholisch, kinderreich, die erste Tochter wird meist Maria, der erste Sohn Josef genannt. In diesem Dorf wurde 1986 eine Art Chronik erstellt, das Hohenbrunner Heimatbuch von Heinrich Gröber, in dem auch ein Foto meiner Urgroßeltern zu sehen ist:

Das Foto ist auf dem Feld aufgenommen, sie tragen Arbeitskleidung, das Kopftuch gehörte dazu. Ich finde, sie sehen gottergeben aus, einverstanden mit dem Leben, wie es nun mal ist. Nicht unbedingt glücklich.
Beide sind Jahrgang 1865. Meine Urgroßmutter hat 13 Kinder geboren, von denen sechs das erste Jahr nicht überlebt haben.
Aber es gibt auch dieses Foto in der Chronik: Die Familie (und ein paar Nachbarn) bei der Hausmusik. Der Urgroßvater soll sehr musikalisch gewesen sein und sich selbst das Orgelspielen beigebracht haben. Das kleine Mädchen vorne ist meine Großmutter. Sie war später Organistin in dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin.







Die ersten Büroberufe (Kontoristin, Postangestellter) tauchen erst in der Generation meiner Großeltern auf. Und erst in meiner Generation war es nicht mehr ungewöhnlich, dass auch Kinder aus dieser sozialen Schicht studierten. Was für Veränderungen innerhalb weniger Generationen!

Sonntag, 6. Januar 2019

Erster Projektmonat 2019: Fotos

In meinem ersten Projektmonat in diesem Jahr will ich mich mit Fotos beschäftigen. Das kann alles Mögliche bedeuten:

Alte Fotos ordnen. Ich habe zwar schon eine Menge Alben, aber es gibt da noch diese alte Whiskeykiste aus Blech voller Bilder aus ganz unterschiedlichen Zeiten...
Auch die digitalen Fotoordner sind nicht unbedingt in einem Zustand, dass ich ohne Probleme finde, was ich suche.








Ich könnte auch ein Fotobuch gestalten, zum Beispiel aus den Fotos meiner Kindheit oder über die Reisen in China...







Außerdem würdeich gerne mehr über Fotografieren lernen. Im Moment habe ich nur eine kleine Kompaktkamera und knipse mit den automatischen Einstellungen.

Einige meiner Fotos würde ich gerne mal größer ausdrucken und aufhängen. Ich habe auch vor langem schon ein paar Bilderserien angefangen, die ich weiterführen möchte. Eine davon ist die Bio-Rothko-Serie (mehr), eine andere heißt Dichterstraßen. Dafür habe ich Goethe- und Schillerstraßen in verschiedenen Städten fotografiert.

Als erstes habe ich mir letzte Woche das Buch "Digital fotografieren lernen - Schritt für Schritt zu perfekten Fotos" ausgeliehen und schon mal angefangen, mich in die Welt von Belichtungszeiten, Blenden und ISO-Werten einzulesen. Uff!

Freitag, 4. Januar 2019

Zum neuen Jahr: Projekte! Projekte! Projekte!

Vor etwa zwei Jahren war ich wieder einmal unzufrieden damit, dass es so viele Dinge gibt, die ich spannend finde, die ich gerne einmal ausprobieren oder für die ich mir mehr Zeit nehmen möchte - dass ich es aber oft einfach nicht mache. Ich hatte das Gefühl, meine Interessen blockieren sich geradezu gegenseitig. Kaum fange ich das eine an, schon melden sich die anderen zu Wort und beschweren sich, dass sie zu kurz kommen. Das hat mich auf die Idee mit den Projektmonaten gebracht. Kurz gesagt geht es darum, sich einen Monat lang in seiner freien Zeit (nur) einer Sache zu widmen. Ohne schlechtes Gewissen, denn alles andere kann ja in einem anderen Monat zu seinem Recht kommen.

Mein erster Projektmonat war Nähen. Mein Arbeitszimmer verwandelte sich in ein Nähatelier, alle meine Stoffe lagen herum, dazwischen Borten, Bänder, Reißverschlüsse, die Nähmaschine stand immer bereit. Ich habe mir Bücher aus der Bibliothek geholt und mich mit einer nähbegeisterten Freundin getroffen, um mich inspirieren zu lassen. Nachts habe ich mir auf Youtube Nähvideos angesehen. Es war richtig berauschend. Nach einem Monat (vielleicht waren es auch sechs Wochen) habe ich dann alles wieder zusammengepackt, die letzten Fäden aus dem Teppich geklaubt, die Nähmaschine verstaut und mir überlegt, worauf ich mich als nächstes einlassen möchte.

Es war und ist eine spannende Erfahrung. Oft verlaufen die Monate ganz anders als ich mir das am Anfang vorstelle. Sie entwickeln ein Eigenleben. Es tut mir auch einfach gut, mich - zumindest vorübergehend - auf eine Sache einzulassen, statt mich ständig zu verzetteln. Weil ich mir denke, dass es anderen vielleicht auch so geht, habe ich mir für das neue Jahr vorgenommen, meine Projekt-monate auf meiner Website zu dokumentieren. Vielleicht lässt sich ja der eine oder die andere davon inspirieren.

Hier auch gleich eine erste kleine Übung:
Einfach mal unzensiert alles aufschreiben, was man gerne mal machen möchte, wofür man gerne Zeit hätte, wovon man schon lange träumt oder was man einfach mal ausprobieren möchte.

Meine vorläufige Liste für das neue Jahr sieht zum Beispiel so aus:
Fotos / Musik machen / Chinesisch (Englisch, Spanisch) lernen / nähen / ohne Plastik leben / kochen / meditieren / etwas mit Geräuschen, Tönen machen / Wellness, Massagen, Yoga / Vogelstimmen kennenlernen / basteln / singen / Buchbinden lernen / Tai Ji Quan lernen / alle Museen in Hamburg ansehen / Ausflüge in der Umgebung machen / mich mit essbaren Wildpflanzen beschäftigen / Aquarellmalerei / Gedichte lesen / Modedesign...

Das ist natürlich zuviel für ein Jahr. Aber das ist egal. Erst einmal geht es darum, ins Träumen zu kommen und Ideen zu sammeln. Was ich dann wirklich mache, wird sich zeigen.