"Was machen Sie beruflich?"


Das berufliche Leben als Patchwork, entstanden aus Neigungen, Begabungen und - dem Zufall. Einige "Grundfarben" tauchen immer wieder auf und halten alles zusammen. Mein besonderes Interesse gilt: Sprache(n); anderen Menschen und ihren Lebensgeschichten; alternativen Lebensentwürfen jenseits von Konsum und Hektik; fremden Kulturen (insbesondere China) und den reizvollen Unwägbarkeiten interkultureller Begegnungen.

Donnerstag, 23. Mai 2019

MoMo5: Serielle Monogamie

Darunter versteht man mehrere aufeinanderfolgende monogame Beziehungen. Vermutlich heutzutage bei uns die häufigste Art, wie Menschen ihr Beziehungsleben gestalten.

Im Grunde sind Mottomonate so etwas Ähnliches auf der Interessensebene. Ich lasse mich für eine Weile auf ein Thema ein, bin in dieser Zeit dann "treu", beschäftige mich also nicht noch mit tausend anderen Dinge nebenbei. Aber dann taucht ein neues Thema auf, dem ich mich wieder voll und ganz widme. Die Mottomonate sind ein Mittel, ein Werkzeug, das mir dabei hilft, die Dinge, die mich interessieren und die ich machen möchte, wirklich zu machen. Die Zeit zerrinnt sonst im Alltag so leicht unter den Händen.

Es gibt aber natürlich auch andere Varianten, um sich auf eine Sache zu fokussieren.

Mein Mann hat zum Beispiel Phasen. Er vertieft sich etwa plötzlich in die alte griechische Philosophie. Oder malt, spielt Gitarre, lernt chinesische Zeichen... Jeden Tag, wochenlang, monatelang. Und dann ist es plötzlich wieder vorbei. Er braucht keine Mottomonate, seine Phasen kommen und gehen von alleine, und solange sie dauern, nimmt er sich dafür Zeit. (Eine Fähigkeit, die, zumindest meiner Beobachtung nach, bei Männern verbreiteter ist als bei Frauen.)

Eine Freundin, die unzufrieden war, weil ihre eigene Kreativität im Berufsalltag immer zu kurz kam, hat beschlossen - angeregt durch die Mottomonate - sich einen Tag in der Woche für ihr eigenes Schreiben zu reservieren. Alles andere muss dann eben sonstwann erledigt werden oder warten. Das hat einen enormen Kreativitätsschub ausgelöst. Diese Lösung erinnert an eine Fernbeziehung: Man trifft sich selten, ist aber dann ganz für den anderen da ist.

Um dann gibt es natürlich auch noch diejenigen, die gar nicht immer wechseln wollen, weil sie etwas gefunden haben, das so viele Bereiche und Möglichkeiten in ihnen anspricht, dass es sie dauerhaft zufrieden macht. Eine Freundin von mir ist eine begeisterte Hobbyschneiderin. Sie hätte überhaupt keine Lust, nach einem Monat oder sechs Wochen damit aufzuhören, um etwas anderes zu tun. Das ist dann keine serielle, sondern andauernde Monogamie. Und - wie im sonstigen Leben auch - ein Sonder- oder Glücksfall.

Immer aber geht es darum, sich für etwas Zeit zu nehmen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich viel zufriedener bin, wenn ich mich auf eine Sache konzentriere. Ich fühle mich weniger zerrissen, ich steige tiefer ein, "vertiefe mich" in etwas, was wiederum befriedigender ist. Und es passieren mehr überraschende, unerwartete Dinge, weil ich offener dafür bin. Im Grunde geht es auch hier um Resonanz, "das Sich-Einlassen auf die Dinge sowie die Bereitschaft, sich selbst zu verändern..." (Hartmut Rosa: Resonanz, siehe auch Post vom 31.1.19)

Montag, 20. Mai 2019

"Ein Europäer ist jemand, ...

... der sich nach Europa sehnt", hieß es in einer Rede am Sonntag auf dem Hamburger Rathausmarkt. Unter dem Motto "Ein Europa für Alle" - hatte ein breites Bündnis verschiedener Verbände und Initiativen eine Woche vor der Europawahl in vielen europäischen Ländern zu Demonstrationen aufgerufen. In Deutschland waren rund 150.000 dem Aufruf gefolgt, in Hamburg sollen es 15.000 gewesen sein. Das Europa, das dort beschworen wurde, war allerdings nicht unbedingt die jetzige Europäische Union. Die Redner*innen forderten ein soziales, solidarisches, demokratisches Europa, ohne Abschottung und Neoliberalismus, das sich für den Klimaschutz einsetzt und in dem alle die gleichen Chancen haben. Ein Europa, nach dem man sich sehnen kann.
Das Wetter war gut, die Stimmung friedlich, die Plakate bunt. Hier ein paar Eindrücke aus Hamburg:

Früh übt sich, ...
Sei wie ein Panda!


Samstag, 18. Mai 2019

MoMo5: Wie lange dauert ein Mottomonat?

Da Mottomonate eher individuelle als kalendarische Zeiteinheiten sind, ist das eine berechtigte Frage.

Ich experimentiere damit seit etwa zweieinhalb Jahren und habe meistens länger als einen Monat für ein Thema gebraucht, im Durchschnitt vielleicht sechs Wochen. Dann erst hatte ich das Gefühl So! jetzt kann (und soll) wieder etwas Neues kommen. Dieses Jahr wollte ich mich mal an den Kalender halten, nicht zuletzt für die Dokumentation in diesem Blog. Und das Ergebnis: Nach vier Monaten geht mir alles zu schnell und ich brauche ein Freispiel, einen Schaltmonat sozusagen.

Wie lange ein Mottomonat dauert, ist von vielen Faktoren abhängig: Wie viel Freiraum kann ich mir gerade dafür nehmen? Welche anderen Dinge beanspruchen meine Zeit und Aufmerksamkeit (Job, Beziehung, Kinder, Freunde, ...)? Wie komplex ist das Thema? Und wie sehr packt es mich? ...
Wer also am Ende des Monats das Gefühl hat, unbedingt noch beim aktuellen Thema bleiben zu wollen, sollte das tun. Es geht schließlich nicht um die Einhaltung von Regeln, sondern darum, sich Freiräume zu schaffen und dabei vielleicht auch etwas über sich und die eigenen Rhythmen herauszufinden.

Trotzdem scheint es mir wichtig, dass es einen Endpunkt gibt. Ich zumindest kann mich intensiver auf eine Sache einlassen und alles andere beiseite oder hintan stellen, wenn ich weiß, dass irgendwann, in nicht allzu ferner Zukunft, wieder Raum für andere Dinge sein wird.
Das kann auch ein Schubs sein. Los, jetzt mach mal, der Monat ist bald zu Ende. Du wolltest doch noch...

Samstag, 11. Mai 2019

MoMo5: Der Fotograf Michael Wolf ist tot

Vor kurzem habe ich erfahren, dass Michael Wolf, dessen Fotoausstellung "LIFE IN CITIES" mich im Januar so begeistert hat (siehe), am 24. April in Hongkong gestorben ist. Er war erst 64 Jahre alt.

Hier ein Interview mit ihm auf Vimeo von 2011. Er spricht (auf Englisch) über sein Fotoprojekt, für das er Bilder aus Google Street View benutzt hat. Eine ganz besondere Art der Straßenfotografie. 2011 wurde er von der World Press Photo Jury dafür ausgezeichnet. Das löste eine kontroverse Diskussion aus. https://vimeo.com/24782108

Bilder aus dieser Serie und noch viel mehr kann man auf seiner Website sehen. Sehr empfehlenswert! http://photomichaelwolf.com/

Mittwoch, 8. Mai 2019

MoMo 5: Straßenfotografie

Der Workshop Street Photography am Wochenende war spannend!

Ich habe zum Beispiel gelernt, dass ich näher rangehen und Motive frontal knipsen sollte - und nicht schräg von der Seite, wozu ich neige, weil ich dann als Fotografin nicht so auffalle. Die Kamera auf fremde Menschen zu richten ist ein heikles Thema. Aber Straßenfotografie lebt natürlich von Menschen und dem, was in einem bestimmten Moment zwischen ihnen (und ihrer Umgebung) passiert. Zum Glück waren wir am Sonntagmorgen auf dem Fischmarkt, wo sowieso alles voller Touristen ist und alle ständig am Knipsen sind.
Wichtig ist auch die Schnelligkeit. Man muss sofort reagieren können. Deshalb war die Technik einfach: "Alles auf Automatik stellen!" Mit meiner kleinen Kompaktkamera wäre ich allerdings aufgeschmissen gewesen. Wenn ich da auf den Auslöser drücke, wird erst gefühlte 30 Sekunden später das Bild geknipst. Bis dahin hat sich die anvisierte Person längst umgedreht oder ist aus dem Bild gelaufen. Zum Glück bekam ich den Fotoapparat einer Freundin geliehen, eine digitale Spiegelreflexkamera, und es war tatsächlich ein völlig anderes Gefühl, damit zu fotografieren. Jetzt bin ich wieder am Überlegen, ob ich nicht vielleicht doch in eine gute Kamera investieren sollte...

Das Fotografieren hat viel Spaß gemacht, aber das Ergebnis fand ich etwas enttäuschend. Ich glaube, ich muss noch ziemlich üben und meinen Blick schulen. 
Hier trotzdem ein paar von meinen Fotos. Aus Datenschutzgründen konnte ich leider nur welche wählen, auf denen man niemanden erkennen kann.

Fischmarkt: Nach der Party
Hauptbahnhof: Licht und Schatten

Fischmarkt: Müll und Medien
Fischmarkt: Runde Formen

Samstag, 4. Mai 2019

Fünfter Mottomonat 2019: Freispiel

Der Mai ist ein Freispiel, sozusagen ein Mottomonat ohne Motto. Ich brauche, wie schon angedeutet, eine Pause, um all die interessanten Dinge aus den letzten Monaten noch einmal in Ruhe auf mich wirken zu lassen. Und vielleicht die kommenden vorzubereiten. Davon werde ich dann jeweils berichten. Außerdem möchte ich die Zeit nutzen, um für den Blog einige theoretische Gedanken zu den Mottomonaten aufzuschreiben.

Dieses Wochenende greife ich den ersten Mottomonat "Fotos" wieder auf: Ich mache einen Workshop "Street Photography" bei dem Fotografen Achim Sperber.




Mittwoch, 1. Mai 2019

MoMo4: Resümee

Das war ein schöner Mottomonat!

Ich habe ein paar Dinge gemacht, die ich schon seit Ewigkeiten ausprobieren wollte, die aber ohne Mottomonat vielleicht doch wieder untergegangen wären: die Wildkräuterwanderung, -sammlung, und -verkostung zum Beispiel. Und die Vogelstimmenwanderung. Auch wenn mir in beiden Fällen vor allem deutlich wurde, wie viel ich nicht weiß, ist es ein Anfang. Wenn ich jedes Jahr zwei Wildkräuter und zwei Vogelstimmen dazulerne, bin ich in zehn Jahren schon eine halbe Expertin!

Zufalls-Balkon-Biotop nach zwei Jahren
Was das Gärtnern betrifft: Die Tomatenpflänzchen kümmern leider immer noch vor sich hin, aber ich mache mir da jetzt keinen Stress mehr. Vielleicht ist es auch wirklich Quatsch, im Norden ohne Gewächshaus und Südbalkon üppige Tomatenstauden ziehen zu wollen. Dafür habe ich Bienenschmaus, Spinat und Ruccola gesät, Minze, Zitronenmelisse und Rosmarin sind auch da und im Hochbeet wachsen - hoffentlich - bald Kartoffeln und Salat. Nächstes Jahr werde ich das alles lockerer angehen. Man kann zum Beispiel auch einfach einen Blumentopf mit Erde auf den Balkon stellen und abwarten, was passiert, welche Samen zufällig herbeigeweht werden, keimen, wachsen...

Insgesamt habe ich das Gefühl, dass ich seit Anfang des Jahres durch die Mottomonate so viel Neues gehört, erlebt und gelernt habe, dass ich erst einmal ein kleine Pause brauche, um das alles zu verarbeiten und zu vertiefen.

Dienstag, 30. April 2019

MoMo4: Piep Show

Seit Jahren wollte ich eine Vogelstimmenwanderung machen. Letzten Samstag habe ich mich endlich morgens aufgerafft und bin zum Stadtpark Planten un Blomen, um mir von einem Mitglied des NABU (Naturschutzpunkt Deutschland) erklären zu lassen: "Wer singt denn da?" Wir waren etwa zehn Leute, einige machten die Führung offenbar nicht zum ersten Mal. Die Erfahrung war ähnlich verblüffend wie bei der Wildkräuterwanderung. Ich hörte zwar ein Zwitschern und Trällern und Kiekschen und was nicht noch alles, aber für mich war das eine Art Klangteppich, während der Vogelexperte ("Ich mache das seit 40 Jahren, für mich ist das Meditation.") ganz klar und einfach unterscheiden konnte, Zaunkönig, und Zilpzalp, Wintergoldhähnchen und Rotkehlchen, auch Amseln waren zu hören, Kohlmeisen und Stare. Als eine Ringeltaube anfing zu gurren, war ich ganz erleichtert, weil ich endlich etwas erkannte. Hinzu kam, dass Planten un Blomen im Stadtzentrum liegt, mittendrin außerdem eine große Baustelle, auf der auch samstags gearbeitet wird, und nebenan fand unglücklicherweise auch noch ein Kindermarathon statt. Trotzdem standen wir immer wieder mit geschlossenen Augen herum und lauschten den Vögeln. Das hatte was. Wenn ich danach die Augen öffnete, war ich irritiert, wenn Leute mit Kopfhörern im Ohr an mir vorbeijoggten. Am Ende konnte ich wenigstens den Zaunkönig identifizieren!

Für alle, die ornithologisch dazulernen wollen: Der NABU veranstaltet in den Frühlingsmonaten fast in jeder Ortsgruppe regelmäßig kostenlose Vogelstimmenwanderungen.
Außerdem gibt es auf seiner Website eine Vogelstimmenuhr und man kann sich auch eine Vogelapp auf sein Smartphone laden.

Und hier noch mein Lieblingsbuch zum Thema: "Kritik der Vögel" von Jürgen und Thomas Roth. Die beiden Brüder, der eine Schriftsteller und Journalist, der andere Historiker, beide "Vogelkundschafter seit Kindesbeinen an", gehen historisch fundiert und mit großem (Wort)witz an die Sache heran.
Aus der Fülle der Vogelarten greifen sie die "wichtigsten, wuchtigsten und winzigsten" heraus, um "deutliche Antworten auf die ewigschwierigen Fragen" zu finden:

"Wie fällt das Führungszeugnis des Kormorans aus? Ist die Elster ethisch zu rechtfertigen? Und was bilden sich die Meisen ein? Daß nicht einmal Kant dazu etwas gesagt hat, unterstreicht die Dringlichkeit einer transzendentalbiologischen Kritik der Vögel, die mit klaren Urteilen und zugleich mit einem Größtmaß an Empathie nicht spart, was auch stille, andächtige Betrachtungen einschließt." (Klappentext).
Dazu gibt es noch schöne Illustrationen von F.W. Bernstein.

Dienstag, 23. April 2019

MoMo4: The Duke of Argyll's Tea Tree und andere Geschichten

Mit einem Botaniker durch das Hamburger Stadtgebiet zu streifen, erweitert den Blick doch ungemein. Wo ich sonst am Wegesrand eher Begleitgrün wahrgenommen habe und höchstens mal über eine blühende Pflanze oder einen besonders alten, schön gewachsenen Baum staunte, sieht unser Freund Gerhard, mit dem wir am Sonntag unterwegs waren, überall bemerkenswerte Pflanzen. Und weiß auch noch zu sehr vielen interessante Geschichten zu erzählen.

Allan Ramsay: 3rd Duke of Argyll, 1744
Etwa zum gemeinen Bocksdorn, der in einem wissenschaftlichen Artikel von 1890 als Nachtschattengewächs für giftig erklärt wurde. Eine Ansicht, die sich nicht halten ließ und schon ein Jahr später zurückgenommen werden musste, aber dem Bocksdorn immer noch nachhängt. Seine Frucht hingegen ist auf dem Umweg über Asien (und mit gehörigem Werbeaufwand) unter dem unbelasteten Namen Goji-Beere zum Superfood avanciert. In England wird die Pflanze zu Ehren von Archibald Campbell, dem dritten Duke of Argyll auch The Duke of Argyll's Tea Tree genannt. Der Schotte (1682-1761) war unter anderem ein begeisteter Botaniker, der eine Vielzahl von Pflanzen importierte. Sein großer Garten bildete übrigens später den Grundstock für einen der ältesten botanischen Gärten der Welt, die Royal Botanic Gardens in Kew.

Goji-Beeren konnten wir natürlich um diese Jahreszeit noch nicht sammeln, wir hielten uns an die Blätter des Strauchs. Außerdem sammelten wir noch Giersch, Löwenzahnknospen, Hopfensprossen, Brombeer- und Himbeerblätter, eine Baldrianwurzel, Taubnessel und Knoblauchsrauke.

Gedünstete Löwenzahnknospen
Zuhause ging es dann an die Verarbeitung. Die Brombeer- und Himbeerblätter wurden aufgefädelt und zum Trocknen aufgehängt, der Baldrian über die Schreibtischlampe gelegt.

trocknende Baldrianwurzel
Daraus soll einmal Tee werden. Aus den Bocksdornblättern kochten wir eine Suppe, die schön grün aussah und nicht schlecht schmeckte, aber nicht soooo besonders war. Aromatischer waren schon die gedünsteten Löwenzahnknospen

Hopfentriebe, leider etwas unscharf
Am allerbesten schmeckten jedoch die gedünsteten Hopfentriebe:
Dafür werden die jungen Triebe gewaschen und in Salzwasser oder Brühe ein paar Minuten gekocht. Dann in Butter geschwenkt und mit Salz, Pfeffer und etwas Zitronensaft gewürzt.

Mit Hopfenspargel sind übrigens in der Regel nicht die jungen Triebe gemeint, sondern die unterirdischen Wurzelsprossen des Hopfens, die nur etwa drei Wochen im Jahr geerntet werden können. (Dafür waren wir schon zu spät dran.) Sie sind weiß, ca. 4-5 cm lang und erinnern auch optisch an Spargel. Die Ernte ist mühsam, das Gemüse entsprechend teuer. Auf dem Münchner Vikutalienmarkt bezahlt man für ein Kilo zwischen 50 und 100 Euro.


Donnerstag, 18. April 2019

MoMo4: Gründonnerstagssuppe

Wer versucht, sich möglichst regional zu ernähren, der weiß, dass dies die Zeit von Kraut und Rüben ist. Rote Bete, Weißkohl, Möhren ... viel mehr gibt es im Moment nicht. Die Auswahl nimmt immer mehr ab und frisches Gemüse ist noch nicht in Sicht. Für unsere Vorfahren muss das eine schwierige Zeit gewesen sein, die Wintervorräte waren langsam aufgebraucht und die Supermärkte mit ihrem permanenten Überangebot noch nicht erfunden. Es ist kein Zufall, dass man das Fasten in diese Jahreszeit gelegt hat.
Noch bevor auf den Feldern etwas wuchs, sprossen aber die ersten Wildkräuter auf den Wiesen und im Wald. Aus diesen ersten wilden Frühlingskräutern entstand die sogenannte Gründonnerstags- oder Neunkräutersuppe. Je nach Region enthält sie zum Beispiel: Bärlauch, Brennnessel, Löwenzahn, Giersch, Gundermann, Vogelmiere, Schafgarbe, Sauerampfer, Spitzwegerich, Gänseblümchen, Schaumkraut....
Sie soll schon von den Germanen als Kultspeise zum germanischen Frühlingsfest zu Ehren der Frühlingsgöttin Ostara zubereitet worden sein und erst im Zuge der Christianisierung ihren christlichen Namen bekommen haben.

Im Internet gibt es viele Rezepte. Ich muss gestehen, ich hätte schon Schwierigkeiten, die Kräuter zu sammeln. Höchstens fünf davon könnte ich zweifelsfrei erkennen. Aber das wird sich bald ändern. Am Ostersonntag werden wir mit einem Freund, der sich auskennt, einen Kräuterspaziergang mit Kräutersammlung und anschließender Verkostung machen. Bin schon gespannt.

Mittwoch, 10. April 2019

MoMo4: Schwelgen im Bärlauch

Bärlauch ist schon seit ein paar Jahren in Mode. Bärlauchpesto, Bärlauchgnocchi, Bärlauchsuppe....
Aber letztes Jahr habe ich zum ersten Mal Bärlauch in der Natur wachsen sehen - in einem Wald in den bayerischen Voralpen. Und dieses Jahr haben Jupp und ich die leckere Pflanze auch in einem Hamburger Park entdeckt und gleich fleißig gesammelt. Wir waren nicht die einzigen.

Es ist genug für alle da.
Zwei chinesische Frauen hatten schon eine große Tüte voll und gaben uns Tipps für die besten Stellen.
Sie meinten, Bärlauch gebe es auch in China, aber ich kann mich nicht erinnern, ihn dort jemals gesehen oder gegessen zu haben.










Zu Hause machten wir uns gleich eine leckere Bärlauchsuppe mit Kartoffeln und Blumenkohl. Und am nächsten Tag legten wir uns einen kleinen Vorrat an Bärlauchpaste an, damit wir noch länger was davon haben.
Das Rezept:
300 g Bärlauch
250 ml Sonnenblumenöl
ca. 30 g Salz
Den Bärlauch waschen, trocken tupfen und hacken. Mit dem Öl und dem Salz pürieren und in saubere Gläser füllen. Oben eine Schicht Öl drauf für die Haltbarkeit und dann ab in den Kühlschrank. So soll die Paste ein Jahr haltbar sein. Man kann sie dann als Grundlage für Bärlauchpesto oder Brotaufstriche nehmen. Oder einen Esslöffel in die Suppe geben.

Aus unseren mühsam gesammelten 300 Gramm sind gerade mal zwei Gläser Paste geworden.


Dienstag, 9. April 2019

MoMo4: Vom Guerilla- zum Urban Gardening

Es tut sich was. Letzten Samstag hat sich der "Freundeskreis Suttnerpark" bzw. "Beet-Club" (wegen der nahe gelegenen Kirche) getroffen und wir haben gemeinsam unsere Hochbeete repariert.

Wie wir zu den Hochbeeten gekommen sind? Das ist eine lange Geschichte, die vor ungefähr acht Jahren mit dem Kampf gegen die Moorburgtrasse anfing, einer Fernwärmeleitung, die der Stromkonzern Vattenfall vom Kohlekraftwerk Moorburg aus durch die Stadt bauen wollte. Die Trasse sollte auch durch den Suttnerpark gehen, einem damals eher vernächlässigten Grünstreifen in unserer Nachbarschaft, auf dessen Wert eine kleine Gruppe durch verschiedene Aktionen aufmerksam machen wollte. Wir trafen uns regelmäßig bei einer Feuertonne im Park, es gab Bier und Gespräche, Kunstausstellungen, philosophische Spaziergänge, eine Marathonlesung und eben auch die Anpflanzung verschiedener Kräuter und Blumen. Guerilla Gardening.


Beim Aufbau der Gabionen
2011 bildete sich der Freundeskreis Suttnerpark und der Bezirk Altona unterstützte uns beim Aufbau eines Urban Gardening Projekts. Wir bekamen Geld für Gabionen und Kokosmatten und die Stadt lieferte uns Erde und sogar Stauden.

Vorsichtiges Anpflanzen
Wir hatten alle keine große Ahnung vom Gärtnern, pflanzten einfach alles ein, ein paar Gemüse dazwischen. Bei schönen Wetter trafen wir uns regelmäßig zum Grillen und ab und an war auch mal ein selbst geerntetes Gemüse im Topf, im ersten Jahr vor allem Rote Bete.

Wir waren ein kleiner Teil eines breiten Protestbündnisses gegen Vattenfall und wir hatten tatsächlich Erfolg: Der Energiekonzern musste schließlich aufgeben, die Trasse wurde nicht gebaut! Und unser Projekt schaffte es sogar in die Zeitung:
Hamburger Morgenpost vom 8. Juni 2012
Als unser kleiner Park im Zuge von Baumaßnahmen neu gestaltet werden sollte, beteiligten wir uns ziemlich aktiv am öffentlichen Planungsverfahren. Urban Gardening war in, wir bekamen noch mehr Hochbeete zugesprochen und mussten am Ende eher bremsen, weil wir gar nicht wussten, wie wir das mit unserer relativ kleinen Gruppe überhaupt bewirtschaften sollten.

Wir gingen weiterhin relativ entspannt an die Sache heran. Manches wuchs, manches nicht. Die ersten eigenen Kartoffeln waren ein Ereignis. So andächtig habe ich selten Kartoffeln verspeist. In
einem Jahr entwickelte eine Kürbispflanze einen fast erschreckenden Expansionsdrang und nahm nach und nach die ganze umliegende Wiese in Beschlag. Nicht immer konnten wir die Früchte unserer Arbeit ernten, manches wurde von Passanten geklaut. Teilweise wurden sogar Obststräucher, die die Stadt gepflanzt hatte, ausgegraben und mitgenommen. Unsere Beete stehen an einem öffentlich zugänglichen Platz. Der Vorteil ist, dass es eigentlich immer, wenn wir dort zugange sind, zu Gesprächen kommt. Viele Leute sagen uns, dass sie sich freuen, wenn sie unsere Beete sehen. Sie fragen nach Pflanzen, erzählen von den Gärten ihrer Großeltern in der Türkei oder in Russland und geben Gartentipps. Kinder bewundern die Hummeln und riechen an der Zitronenmelisse. Betrunkene Obdachlose versichern uns, dass sie auf die Beete aufpassen. Tatsächlich hat es bisher kaum Vandalismus gegeben.

Im letzten Jahr hat sich unsere Gruppe verändert. Einige der alten MitstreiterInnen sind weggezogen, neue Interessentinnen haben die Beete übernommen. Und jetzt müssen wir uns erst noch richtig kennenlernen. Der Samstag war schon mal ein guter Anfang.

Wer noch mehr wissen möchte, wird her fündig: Suttnerblog
(Da sind auch schöne Fotos von Pflanzen, Hummeln und Festen zu sehen.)

Mittwoch, 3. April 2019

Vierter Mottomonat 2019: Natur

Natur ist ein ziemlich großer Begriff. Was ich für diesen Monat damit meine: Ich will das Gärtnern vom letzten Monat weiter betreiben, aber auch über den eigenen Balkon und den eigenen Hochbeetrand hinaussehen. Es ist Frühling, alles sproßt und grünt, die Kirsche hinter dem Haus beginnt zu blühen, die Vögel zwitschern wie verrückt. Ich möchte mehr darüber wissen, wer da eigentlich zwitschert und was im Moment alles so wächst. Ich möchte Ausflüge machen, Bärlauch und frische Brennnesseln sammeln und diesen Neubeginn, der mich jedes Jahr wieder fasziniert, bewusst erleben.

Dass die Freude am Frühling und den ersten Blüten weltweit verbreitet ist, mag folgendes Foto belegen, das ich im April 2007 in einem Park in Peking gemacht habe.


Montag, 1. April 2019

MoMo3: Resümee

Ich habe mir das alles etwas anders vorgestellt, frei nach dem (angeblich?) chinesischen Sprichwort:
Wer einen Tag lang glücklich sein will, der betrinke sich.
Wer einen Monat lang glücklich sein will, der schlachte ein Schwein und esse es auf.
Wer ein Jahr glücklich sein will, der heirate.
Wer ein Leben lang glücklich sein will, der werde Gärtner. 
Ich kenne Menschen, die mir erzählen, dass Gartenarbeit sie glücklich macht und für sie die perfekte Entspannung ist. Mir ging es nicht so. Ich hatte Stress. Ich bin nachts aufgewacht und habe darüber nachgedacht, wo und wie ich Erde für die Hochbeete organisieren könnte, wann ich was anpflanzen muss, was zusammenpasst, ob ich schon zu spät dran bin... Anfangs habe ich Bücher gelesen und Videos für Hobbygärtner angesehen, das hat mich zwar teilweise inspiriert, aber auch verwirrt, so dass ich sie schließlich beiseite gelegt habe.

Ein paar Dinge habe ich natürlich auch auf die Reihe bekommen: Wir haben unser Hochbeet repariert, ich habe den Balkon aufgeräumt, mein Saatgut durchgesehen, Tomatenpflanzen, Basilikum und Paprika angesät. (Was daraus wird, ist noch unklar.) Und natürlich finde ich es faszinierend, wie aus so einem kleinen Samenkorn etwas wächst und sehe morgens nach dem Aufstehen als Erstes nach dem Minigewächshaus.

Dennoch: Es war der erste Mottomonat, der mich nicht so richtig glücklich gemacht hat. Vielleicht muss ich mir eingestehen, dass ich nicht die Pflanzenflüsterin und Gartenfee bin, die ich gerne wäre? Auch das kann ein Effekt von so einem Mottomonat sein.

Wenn ich meine Zweifel im Bekanntenkreis geäußert habe, bin ich meist auf Unverständnis gestoßen, manchmal unterlegt - so schien mir - mit einem Hauch von Aggression. An guten Ratschlägen mangelte es nicht: Du bist einfach zu dogmatisch. Du musst das lockerer angehen. Einfach ausprobieren. Wenn es nichts wird, wird es eben nichts. Wahrscheinlich willst du gar nicht gärtnern und weißt es nur noch nicht.
Das könnte in der Tat sein. Aber - und das verwundert nach dem bisher Geschriebenen vielleicht - so schnell will ich noch nicht aufgeben. Ich kann jetzt gar nicht aufhören, weil die Pflänzchen ja nun mal angefangen haben zu wachsen, der Frühling kommt, das Hochbeet muss bepflanzt werden. Auch das unterscheidet das Gärtnern von anderen Mottomonaten. Die Nähmaschine kann ich wegräumen, das Chinesischbuch beiseitelegen. Aber diese Pflanzen sind jetzt da und ich muss mich noch eine Weile um sie kümmern. Danach kommen sie dann hoffentlich alleine klar und meine Zuwendung kann sich auf regelmäßiges Gießen beschränken.

Mit anderen Worten: Der neue Mottomonat ist der alte Mottomonat. Jedenfalls teilweise.

Freitag, 29. März 2019

MoMo3: Geilwuchs

Man lernt ja immer wieder neue Wörter, zum Beispiel "vergeilen" oder "Geilwuchs". Nein, das ist nichts Tolles.

Auch der Schreibtisch muss meine Mottomonate mitmachen.
Aber er Reihe nach: Die Tomatensamen sind angekommen und ich habe sie am 22. März eingesät. Obwohl eine Freundin mir dringend abgeraten hat. Es sei schon viel zu spät, um Tomaten anzusäen. Die hätten gar keine Zeit mehr auszureifen, ich würde damit keine Freude haben. Selbst ihre Eltern, Meister des Tomatenanbaus, greifen auf fertige Setzlinge zurück. Aber manchmal bin ich starrköpfig.

Mal sehen, ob die kühlere Fensterbank hilft.
Die Tomaten haben dann erstaunlich schnell gekeimt, zumindest eine der beiden Sorten. Allerdings sind da nur so lange, dünne Stängelchen nach oben gewachsen. Das ist der besagte Geilwuchs. Ursache ist ein unpassendes Verhältnis von Wärme und Licht. In der Natur wissen die Pflanzen: Wenn es kalt ist, dann ist auch noch nicht genügend Licht für mich da, dann lasse ich das mal mit dem Keimen. Aber wenn man sie ansät und schön warm in ein Gewächshäuschen in die Nähe der Heizung stellt, haut man die Pflanze sozusagen übers Ohr. Sie kommt heraus und muss feststellen, dass das Licht für ihre Bedürfnisse überhaupt nicht ausreicht. In ihrer Panik lässt sie alle Vorsicht sausen, kümmert sich nicht mehr um Wurzeln und Stabilität und wächst möglichst rasch nach oben zum Licht. Irgendwann kippt sie dann um und stirbt ab.

Was tun? In einschlägigen Blogs wird empfohlen die gekeimten Pflanzen möglichst hell an ein Südfester zu stellen. Gute Idee, ein Südfenster hätte ich auch gern. Aber selbst das hätte in den letzten Tagen (Wochen?) in Hamburg wenig genützt. Die andere Alternative ist, die Pflanzen aus der Wärme herauszunehmen und an einen etwas kühleren Ort zu stellen. Dann passen Wärme und Licht wieder besser zusammen und sie verlangsamen ihr Wachstum. Einen Versuch ist es wert.

Das französische Wort für Vergeilung ist übrigens Etiolement und in der Landwirtschaft wird das - laut Wikipedia - teilweise auch bewusst eingesetzt, damit Pflanzen wie Spargel oder Bambussprossen nicht verholzen, sondern weich und biegsam und damit essbar bleiben.


Donnerstag, 21. März 2019

MoMo3: Bio-Balkon Kongress

Wie es der Zufall so will: Gerade bin ich ein bisschen gefrustet (vom kalten Wetter, meinen bisher nicht sehr erfolgreichen Anpflanzversuchen, dem Ausbleiben der Tomatensamenlieferung...), da erreicht mich der Hinweis auf einen kostenlosen Online-Bio-Balkon-Kongress. (Was es alles gibt!)

Dazu gehören tägliche Interviews zum Thema, ein kostenloses E-Book etc. Ich habe mich schon mal angemeldet, muss mir das aber selber erst noch alles ansehen. Da der Kongress gestern schon angefangen hat (er geht bis 31. März), hier schon mal der Link für alle, die es interessiert:
https://bio-balkon.de/kongress-2019/

Samstag, 16. März 2019

MoMo3: Grüner-Daumen-Zweifel

Dieser Mottomonat macht mich bisher nicht ganz so glücklich wie die ersten beiden. Dabei ist Gärtnern doch etwas Schönes, Lebendiges. Einerseits. Ich fühle mich aber gerade unsicher und überfordert von der Vielfalt der Möglichkeiten. Schon allein die ganzen Tomatensorten, die es gibt, rote, gelbe, grüne, große, kleine, längliche, runde, hoch wachsende, hängende....

Welche soll ich da auswählen? Ich bin schließlich nach dem Namen gegangen ("Matina", fast wie ich) und nach der Farbe, eine rote und eine gelbe Sorte.
Ist es nicht vielleicht schon zu spät für die Voranzucht? Meine Schwester meint, es sei sowieso Quatsch, Tomaten selber zu ziehen, ich soll mir doch einfach eine fertige Pflanze kaufen. Aber ich finde es so faszinierend, wenn aus einem kleinen unscheinbaren Samen tatsächlich eine Pflanze wird.
(Wenn... Es ist mir auch schon passiert, dass gar nichts gewachsen ist ... oder nur ein dünnes Stängelchen, das wieder eingegangen ist... oder dass die Anzuchttöpfe verschimmelt sind...)

Ich habe noch einiges an altem Saatgut herumliegen, Sellerie, Rote Bete, Baumkohl, Kräuter. ... Offensichtlich ist der Traum von einem wuchernden Gemüsegarten nicht neu. Sind diese Samen überhaupt noch keimfähig?

Probehalber habe ich Anfang der Woche aus meinen alten Beständen Paprika und Basilikum ausgesät. Während draußen im Regen auf der großen Straße die Autos vorbeifahren, bemühen sich im Mini-Gewächshaus ein paar kleine Samenkörner groß und stark zu werden. Das Basilikum zeigt auch schon ganz kleine Keime!

Beim Gärtnern ist man viel mehr als bei anderen Projekten von äußeren Faktoren abhängig. Die Pflanzen bestimmen, wann sie gepflanzt werden wollen, welchen Boden und welche Temperatur sie gerne hätten. Ich habe keine Macht darüber, ob der Sommer wieder so warm wird wie der letzte oder so verregnet wie der vorletzte. Aber vielleicht ist ja gerade das das Reizvolle daran.

Samstag, 9. März 2019

MoMo3: Bestandsaufnahme

Es ist kalt und regnerisch. Da kommt noch gar nicht so die richtige Gärtnerlaune bei mir auf. Ich habe erst einmal eine Bestandsaufnahme gemacht.


So sieht der Balkon im Moment aus. Rumstehende leere Töpfe, abgestorbene Pflanzen, altes Herbstlaub ... Aber immerhin fängt der Schnittlauch schon an zu sprießen.


Das Hochbeet ist auch in einem etwas ramponierten Zustand. Die Kokosmatten lösen sich auf, überall kommt die Erde raus. (Teilweise wurden sie auch von Vögeln als Nistmaterial verwendet.) Ein paar Grünkohlstängel sorgen wenigstens noch für ein bisschen Farbe... Und der Storchenschnabel unten.

Ich brauche dringend Inspiration!

Wie immer habe ich mir erst einmal ein paar Bücher in der Bibliothek besorgt und die ersten Gartenvideos angesehen. Jetzt weiß ich, wie man Basilikum zieht oder Tomaten "ausgeizt" und welche Kräuter Halbschatten und Wind vertragen. (Aber auch von Schädlingen und möglichem Pilzbefall war die Rede.)





Ich träume von einer Wand aus Tomaten, Bohnen und Gurken, von üppig-buschigen Kräutertöpfen und ständig nachwachsenden Zucchinis. Ob das dieses Jahr was wird?

Montag, 4. März 2019

Dritter Mottomonat 2019: Gärtnern

Im Moment sieht es zwar nicht mehr so nach Frühling aus wie die letzten Wochen, aber trotzdem wird es langsam wärmer, die Vögel zwitschern und die ersten Blumen haben sich aus der Erde gewagt. Passend zur Jahreszeit soll sich deshalb in diesem Monat alles ums Gärtnern drehen.

Dazu muss ich sagen: Ich habe nicht unbedingt einen grünen Daumen. Ich träume immer von einem Balkon voller Blumen, Kräuter und Gemüse, auf dem es bis in den Herbst hinein blüht und die Bienen und Schmetterling von weit her kommen, um sich an dieser Pracht zu laben. Faktisch bin ich eigentlich immer zu spät dran und dann kaufe ich irgendwann doch einfach ein paar fertige Kräutertöpfe, stelle sie auf den Balkon und säe noch ein bisschen gemischte Blumen, Marke "Bienenschmaus". Das ist dann schon okay, es gibt Schnittlauch und Basilikum zum Kochen und ein paar Bienen kommen auch vorbei. Aber mit meiner Vision hat es nicht viel zu tun. Vielleicht wird das ja dieses Jahr anders.

Und dann sind da noch diese Hochbeete, auf einer Wiese in der Nachbarschaft, die wir gemeinsam mit einigen Nachbar*innen als Urban Gardening-Projekt bewirtschaften. Da haben wir immerhin schon Spinat, Bohnen, Kürbisse und Kartoffeln geerntet. Aber im Moment sieht es da sehr winterlich-traurig aus. Die Beete sind ziemlich heruntergekommen und müssen dringend repartiert werden. Das alles kann gut ein bisschen Mottomonats-Energie gebrauchen.

Vor unserem Hochbeet, Sommer 2016

Freitag, 1. März 2019

MoMo2: Resümee

Ich glaube, dieser Weniger-Müll-Monat wird mein Leben und meinen Alltag dauerhaft verändern. Viel mehr als andere Mottomonate. Weil das Thema Müll ganz schnell an andere, grundsätzliche Themen rührt. Natürlich geht es dabei um Umwelt und globale Verantwortung. Aber auch um Verhaltensweisen, die wir alle von klein auf gelernt und verinnerlicht haben, Lebenseinstellungen, Kosum- und Freizeitverhalten. Wie viel will ich haben und warum eigentlich? Wie gehe ich mit Dingen um? Warum macht Shoppen Spaß?
Ich habe in diesem Monat viel dazu gelernt, über die Ökobilanz von Verpackungen, über Mikroplastik und Schadstoffe, aber auch, wie man Tofu selber macht und dass man seine Haare mit Roggenmehl waschen kann. Den Lebensmitteleinkauf habe ich auf fast müllfrei umgestellt und das Badezimmer entrümpelt. Dieser Entrümelungsprozess wir die nächsten Monate sicher weitergehen. Weil es sich einfach so gut und klar anfühlt.

Außerdem habe ich realisiert, dass es schon ganz viele Menschen gibt, die sich mit dem Thema beschäftigen und von deren Erfahrungen man profitieren kann. Auf einige Bücher und Filme habe ich im letzten Monat hingewiesen. Hier noch zwei Websiten mit vielen Tipps und Links, die ich hilfreich fand:
Smarticular - das Ideenportal für ein einfaches und nachhaltiges Leben
Utopia 

Mittwoch, 27. Februar 2019

MoMo2: Plastik um Kosmetik

Heute geht es nicht um Mikroplastik in Kosmetik, sondern um das Plastik drumherum, also die Verpackung, die Shampooflaschen und Cremetiegel, die Zahnpastatuben und Puderdosen und und und ....
Ich selbst habe bisher erst beim Shampoo verschiedene Alternativen ausprobiert:

Jupp nimmt einfach die alte Plastikflasche und füllt im Unverpacktladen neues Shampoo rein. Aber das war mir etwas zu wenig investigativ. Also habe ich mir (bei dm) eine Haarseife gekauft (das runde Ding unten links). Das funktionierte ganz gut, war mir aber immer noch nicht genug Herausforderung. Ich habe recherchiert und seit rund zwei Wochen wasche ich mir die Haare mit Roggenmehl: 1-2 Esslöffel Roggenmehl Type 1150 mit etwas Wasser zu einem Brei verrühren (siehe unten rechts) und dann in die Haare einmassieren. Anschließend spüle ich sie mit saurer Rinse (ein Esslöffel Apfelessig in einem halben Liter kaltem Wasser). Man kann die Haare danach noch einmal ausspülen, muss man aber nicht. Der Essiggeruch verfliegt beim Trocknen.
Zu meinem Erstaunen funktioniert das gut. Wenn sich das bestätigt, bleibe ich dabei. Die Haarseife nehme ich dann mit auf Reisen.

Zu anderen Alternativen kann ich - wie gesagt - aus eigener Erfahrung noch nicht viel beisteuern. Man findet aber auf den einschlägigen Blogs und in entsprechenden Büchern sehr viele praktische Tipps. Von Deo bis Zahncreme kann man anscheinend alles selbst machen. Ich werde meine - mikroplastikfreien - Kosmetikartikel noch aufbrauchen und dann jeweils überlegen, was ich weiter mache.

Dienstag, 26. Februar 2019

MoMo2: Zwei Filme und ein Vortrag

Ich fange mal mit dem Vortrag an. Am Sonntagnachmittag war ich auf einer Veranstaltung von Zero Waste Hamburg über - natürlich - Zero Waste (also Null Müll). Die Bloggerin Shia Su und ihr Mann Hanno waren eingeladen und erzählten, wie sie leben und wie sie es schaffen, dass ihr gemeinsamer jährlicher Restmüll in ein einziges Einmachglas passt.
"Ein Glas Müll pro Jahr klingt immer so unglaublich krass, aber die Wahrheit ist schlichtweg, dass es nichts weiter ist als die Summe vieler total kleiner und super einfacher Dinge. Es ist keine böse Magie und man braucht nicht mehr als Neugierde, Offenheit, Bock drauf und Nachsicht mit sich selbst." (Blog: wastelandrebel.com/de)
Dazu kommen im Jahr noch ungefähr 3 kg Altpapier, ein Dutzend Flaschen und Gläser, ca. 100 g Metall (Kronkorken, Flaschendeckel) und Biomüll, den sie in einer Wurmkiste kompostieren. Im Vortrag erzählten sie lebendig und humorvoll von Erfolgen und anfänglichen Schwierigkeiten und gaben viele praktische Tipps. Dabei betonten sie immer wieder, dass es ihnen keinesfalls um Verzicht geht, sondern dass dieser Lebensstil sie einfach glücklicher und zufriedener macht.

Mir hat das alles so gut gefallen, dass ich mir danach gleich noch das Buch von Shia Su gekauft habe: Zero Waste. Weniger Müll ist das neue Grün.


Am Abend habe ich mir dann noch den Film Die grüne Lüge (2018) angesehen, den der österreichische Regisseur Werner Boote mit der Journalistin Kathrin Hartmann gedreht hat. Die Industrie versucht zunehmend, sich und ihre Produkte als fair, nachhaltig und umweltfreundlich zu verkaufen. Doch was steckt wirklich dahinter? Sehr sehenswert!

Bei dieser Gelegenheit habe ich entdeckt, dass man Filme auch im Internet gegen eine geringe Gebühr leihen und ansehen kann. Und danach steht keine DVD bei mir herum, die ich wahrscheinlich nie wieder ansehe.
 

Daraufhin habe ich mir am nächsten Abend auch noch Plastic Planet (2009) von Werner Boote angesehen. Das ist der Film, der die Österreicherin Sandra Krautwaschl dazu gebracht hat, ihr Leben zu ändern (siehe Post vom 13.2.)

"Regisseur Werner Boote, dessen Großvater selbst Geschäftsführer eines Unternehmens war, in dem Plastik produziert wurde, will mehr wissen über den Stoff, der unser Leben so sehr prägt. ... Auf verschiedenen Stationen auf der ganzen Welt spricht er mit Industriellen, Wissenschaftlern und Betroffenen über die Faszination und Gefahren von Plastik." (www.plastic-planet.de)


Sonntag, 24. Februar 2019

MoMo2: Hausgemachter Tofu

Der Mottomonat führt wieder einmal auf unerwartete Wege: Da Tofu zu den Dingen gehört, auf die wir nicht verzichten wollen, die wir bisher aber nur in Plastikverpackung gefunden haben, kamen Jupp (mein Mann) und ich auf die Idee, doch einfach mal selber Tofu zu machen. Also kauften wir getrocknete Sojabohnen (aus Deutschland) im Unverpacktladen, weichten sie über Nacht ein und legten - nach einer Internetrecherche, versteht sich - los. Hier Sojabohnen in verschiedenen Stadien:

Alles Soja
Unten rechts gekochte Sojabohnen, aus denen man einen Bohneneintopf oder sonst etwas Leckeres kochen kann. Links im Glas ist Sojamilch. Dafür muss man die eingeweichten Bohnen mit Wasser pürieren, dann 10 Minuten kochen und die Flüssigkeit durch ein Tuch abgießen. Das, was dann im Tuch übrig bleibt, das sogenannte Okara (oben links) kann man auch zum Kochen verwenden. Wir haben versucht, vegane Bratlinge daraus zu machen, aber die sind uns auseinandergefallen. Geschmeckt hat es trotzdem.
Und oben rechts kann man unseren ersten selbstgemachten Tofu sehen. Die Konsistenz ist noch nicht ganz optimal, aber ansonsten war er schon recht tofu...
Das Prinzip ist eigentlich einfach: Man muss die Sojamilch auf ca. 75 Grad erhitzen, dann ein Gerinnungsmittel zugeben (in unserem Fall war das Apfelessig), das Ganze dann eine Weile stehen lassen (es wird so quarkartig) und anschließend die Masse in eine mit Tuch ausgelegte Form mit Löchern schütten und ein Gewicht draufstellen, damit das Wasser herausgepresst wird. Nach einer halben Stunde oder so ist der Tofu fertig. Genauere Anleitungen bitte im Internet suchen, wir müssen selbst erst noch etwas herumexperimentieren. Es hat auf jeden Fall viel Spaß gemacht und ich war wieder einmal überrascht, was man alles selbst machen kann.
Was wir auch noch ausprobieren wollen, ist Tofuhaut. Die haben wir in China kennen und lieben gelernt, hier gibt es sie nur getrocknet oder tiefgefroren in Asia-Supermärkten. Ich glaube, ich muss irgendwann einen Koch-Monat einlegen...

Mittwoch, 20. Februar 2019

MoMo2: Plastik in Kosmetik

Nach dem Haushalt kommt nun die Kosmetik an die Reihe.

Von Mikroplastik werden die meisten inzwischen schon gehört haben. Die Minikunststoffteilchen werden von der Kosmetikindustrie aus verschiedenen Gründen in die Produkte gemischt. Sie können Schleiftmittel in Peelings sein, sich als Silikone auf die Haut und ums Haar legen, die Konsistenz von Cremes und Lotionen verbessern... Das Problem ist, dass sie über den Abfluss in die Flüsse und ins Meer gelangen, dort von den Fischen gefressen werden - und letztlich über die Nahrungskette wieder zu uns zurückkommen. Laut Greenpeace kann schon einmal duschen bis zu 100.000 Plastikteilchen ins Meer schwemmen.

Aussortierte Produkte
Ich habe also recherchiert, hinter welchen komplizierten Bezeichnungen sich Kunststoff verbergen kann und dann mein Badezimmer durchforstet und alles aussortiert, was diese Bezeichnungen in der Inhaltsliste führt.

Um ehrlich zu sein: Bei den allermeisten Sachen war ich richtig erleichtert, sie endlich loswerden zu können. Viele stehen schon ewig bei mir rum, ohne dass ich sie benutze. Aber ich kann schlecht was wegwerfen, was ja "eigentlich" noch gut ist. Nur um den Puder tut es mir leid....


Wie kann man jetzt herausfinden, wo Mikroplastik drin ist, ohne Chemie studiert zu haben?
  • Bei zertifizierter Naturkosmetik ist man wohl auf der sicheren Seite.
  • Von Greenpeace gibt es eine Liste mit Kunststoffbezeichnungen, nach denen man die Inhaltsstoffe überprüfen kann: Greenpeace. Kurzinfo Plastik in Kosmetik
  • Der Bund für Umwelt und Naturschutz hat eine Negativliste mit Produkten herausgegeben, die Plastik enthalten. Sie sind  nach Anwendungsbereichen (Shampoos, Cremes etc.) geordnet: BUND Einkaufsratgeber.
  • Es gibt auch Apps, mit denen man den Strichcode von Produkten scannen kann und dann erfährt, ob sie Mikroplastik enthalten. Aber da ich zur bedrohten Minderheit der Immer-noch-kein-Smartphone-Besitzer gehöre, habe ich mich damit nicht weiter beschäftigt.
Viel Spaß beim Ausmisten!

Montag, 18. Februar 2019

MoMo2: Spülen mit Gurke

Zu den fünf Wunder-Hausmitteln kann ich mangels weiterer Testläufe noch nicht mehr schreiben. Wie gesagt, Putzen gehört nicht zu meinen Leidenschaften.

Luffa aegyptiaca (F. M. Blanco)
Aber eine neue 100%-Bio-Haushaltshilfe, die in der WG schon ein paar Wochen im Einsatz ist und sich bewährt hat, soll nun gewürdigt werden: die Luffagurke. Auch Schwammkürbis genannt. Manche kennen Sie vielleicht als Peeling-Schwamm im Kosmetikbereich. Wir benutzen sie als Spülschwamm.

Der herkömmliche Spülschwamm besteht aus Kunstfaser und sollte aus hygienischen Gründen jede Woche gewechselt werden. Man kann sich vorstellen, was da an Plastikmüll zusammenkommt. Sogenannte Ökö-Spülschwämme können zwar in der Waschmaschine gewaschen und mehrfach verwendet werden, haben aber in der Regel auch einen Kunststoffanteil. Die Luffagurke hingegen ist zu 100 Prozent Natur und kann am Ende eines langen Spüllebens auf dem Kompost entsorgt werden.

Ein Stück Luffagurke (aus dem Unverpacktladen) vor dem Kontakt mit Wasser. Die Zwiebel dient nur dem Größenvergleich.
Die Luffagurke nach dem Kontakt mit Wasser. Hier kann man ganz gut die Gurkenstruktur im Inneren erkennen. Aber für einen Haushaltsschwamm ist sie so viel zu groß.
Man kann sie in verschiedene Stücke scheiden und dann wie einen üblichen Schwamm verwenden. Die Haptik ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Für richtig angebrannte Töpfe muss man wohl noch einen Stahl-Topfkratzer oder so etwas haben. Alles andere geht gut.
Was die Hygiene betrifft: Nach allem, was ich inzwischen über Kunststoff-Spülschwämme als Bakterienschleudern gelesen habe, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Luffagurke da schlechter abschneidet. Eher im Gegenteil.

Perfekt wäre es natürlich, wenn man sich seinen Spülschwamm auch noch selber anbauen könnte. Im Internet wird von verschiedenen Versuchen berichtet. Da die Pflanze aber vorwiegend in tropischen Ländern wächst, ist es in Deutschland wohl nicht ganz so einfach.

Freitag, 15. Februar 2019

MoMo2: Die fünf Tausendsassas

Ich gestehe, Putzen gehört zu den Dingen, die ich am liebsten auf meine Not-to-do-Liste setzen würde. Aufräumen und Ausmisten ist was anderes, das kann Spaß machen und gut für die Seele sein. Aber Putzen... Naja. Im Zuge meines Weniger-Müll-Monats kommt aber natürlich auch der Haushalt auf den Prüfstand. Im Unverpackt-Laden gibt es Spülmittel, Waschmittel und andere Reinigungshelfer zum Abfüllen. Waschmittel kaufen wir ohnehin schon seit Jahren bei der Waschkampagne. Aber so einfach wollte ich es mir nicht machen, also habe ich mir das Buch Fünf Hausmittel ersetzen eine Drogerie (vom Ideenportal smarticular) besogt und die fünf Hausmittel gleich dazu:

Die fünf Wundermittel: Essig, Natron, Zitronensäure, Soda und Kernseife
Gerade Natron scheint ja ein richtiger Tausendsassa zu ein und wurde schon im alten Ägypten verwendet: Man kann damit nicht nur Kuchen backen und Sodbrennen bekämpfen, sondern auch die Waschmaschine reinigen, Geschirr spülen und eine Scheuerpaste herstellen. Oder eine Deocreme, je nachdem, was gerade ansteht.
Im Buch findet man für alles Rezepte, man erfährt, wie man WC-Reiniger-Tabs, Waschmittel oder Zahnpasta selber macht, Holzböden auffrischt, Schimmel beseitigt und nebenbei noch Laugenbrezeln backt. Das Buch hat es sogar in den Manufactum-Katalog ("Es gibt sie noch, die guten Dinge.") geschafft.
Ich bin erst einmal fasziniert. Wie praktikabel und wirksam das alles ist, muss ich nach und nach ausprobieren.
Ein Rezept hat jedenfalls schon funktioniert: Ich wollte eine Teekanne, die wir lange nicht benutzt haben und die innen schon ganz teefleckig-braun war, reinigen. Einfach ein Päckchen Backpulver in die Kanne geben (Natron wäre natürlich auch gegangen), mit heißem Wasser aufgießen, über Nacht stehen lassen. Und am nächsten Morgen sind die Flecken weg. Geht bestimmt auch bei Thermoskannen.

Mittwoch, 13. Februar 2019

MoMo2: Plastikfreies Familienleben

Spaß sollte es machen. Und wenn sich einer in der Familie davon zu sehr eingeschränkt gefühlt hätte, dann hätten sie das Experiment abgebrochen. Das betont Sandra Krautwaschl immer wieder in ihrem Buch Plastikfreie Zone - Wie meine Familie es schafft, fast ohne Kunststoff zu leben.

Alles fing mit einem Kinobesuch 2009 an. Der Dokumentarfilm Plastic Planet des österreichischen Regisseurs Werner Boote schockierte Sandra Krautwaschl so sehr, dass sie spontan beschloss, ein Experiment zu versuchen: Einen Monat komplett auf Plastik verzichten. Die Familie (Mann und drei Kinder zwischen sieben und dreizehn Jahren) war bereit mitzumachen. Werner Boote und sein Team unterstützten den Versuch und begleiteten ihn medial. Humorvoll beschreibt Krautwaschl, welche Herausforderungen damit auf alle zukamen und welche Prozesse ausgelöst wurden. Plastikfreie Alternativen mussten gefunden werden, was sich gerade am Anfang als sehr schwierig erwies (die Unverpackt-Läden waren noch nicht so richtig erfunden). Der kleine Sohn wollte unbedingt seine Playmobil-Ritterburg behalten (durfte er) und die Umgebung reagierte oft recht skeptisch oder abwehrend. Sie musste sich sogar als "Plastiktaliban" beschimpfen lassen. Doch die "Not" machte auch erfinderisch und schweißte die Familie zusammen. Als der Monat um war, machten sie einfach weiter und mit der Zeit war es kein Experiment mehr, sondern eben der persönliche Lebensstil. Krautwaschl beschreibt, wie dadurch ihr komsumkritisches und polititsches Bewusstsein geschärft wurde, wie sie immer wieder in Gefahr geriet, missionarisch zu werden, und wie sie manchmal fast verzweifelte bei dem Gedanken, so ein kleines, persönliches Projekt könnte vielleicht gar nichts bewirken.
"Natürlich hadere ich bisweilen damit, dass ich nicht mehr tun, nicht die ganze Welt oder zumindest Teile davon zu retten vermag, aber ich habe gelernt, dass jeder kleine Schritt bedeutsam ist. Für mich selbst, für meine Kinder, für die Hoffnung auf Veränderung und für die Motivation, weitere kleine Schritte zu gehen. Mehr kann ich als einzelner Mensch nicht tun. Allerdings auch nicht weniger."
Ihre Erfahrungen schrieb sie auch im Blog "Kein Heim für Plastik" nieder, den sie Ende letzten Jahres wieder aktiviert hat. Seit 2015 ist sie für die Grünen im streirischen Landtag aktiv und schreibt mittlerweile auch einen Politiblog (Politik selber machen). Die persönlichen Veränderungen durch das Experiment scheinen ziemlich nachhaltig gewesen zu sein.

Dienstag, 12. Februar 2019

MoMo2:Zwischenresümee - Müll und Lebensmittel

Was die Müllvermeidung beim Lebensmittelkauf betrifft, bin ich schon ganz zufrieden.
  • Gemüse und Obst kann ich lose auf dem Markt oder im Bioladen kaufen.
  • Joghurt und Milch reduziere ich und kaufe sie bei Bedarf in Mehrweggläsern/flaschen. (Oder wäre der regionale Milchanbieter im Tetrapak doch besser?)
  • Getränke sind für mich sowieso relativ unproblematisch, da ich fast nur Tee (lose) und Leitungswasser trinke. Ich habe längere Zeit in Ländern gelebt, in denen das Leitungswasser stark gechlort war und einfach nur eklig schmeckte. Für mich ist es immer noch ein Riesenluxus, dass ich hier nur den Hahn aufdrehen muss und es kommt gutes Wasser raus. Ich verstehe gar nicht, warum ich Wasser in Flaschen kaufen, schleppen und entsorgen sollte.
  • Backwaren kann ich auch lose in der Bäckerei kaufen. Aber in letzter Zeit backe ich Brot öfter selbst (seit ich ein supereinfaches Rezept gefunden habe). 
  • Das meiste andere (Haferflocken, Reis, Mehl, Bohnen, Linsen, Nudeln, Gewürze, ....) kaufe ich jetzt (wieder) im Unverpacktladen.
Problematisch bleiben einige Dinge, die ich für mein tägliches Müsli brauche: Erdnussmus und Sesammus (Einweggläser), geschroteter Leinsamen und Weizenkleie (habe ich im Unverpackt-Laden nicht gefunden) und ansonsten vor allem Tofu. Für den habe ich spätestens seit China eine Leidenschaft, aber ich kenne ihn hier nur in Plastikverpackung. Hat vielleicht jemand einen Tipp?

Im nächsten Schritt geht es jetzt an den restlichen Haushalt: Waschen, Putzen, Spülen etc.

Montag, 11. Februar 2019

MoMo2: Unverpackt einkaufen

Ich lese gerade das Buch Ohne Wenn und Abfall von Milena Glimbovski. Sie hat 2014, mit Anfang 20 (!), gemeinsam mit einer Freundin in Berlin den ersten Unverpacktladen namens Original Unverpackt in Deutschland eröffnet. "Wir ... hatten weder von Lebensmitteln noch von BWL eine Ahnung, geschweige denn von Supermärkten". Im Buch beschreibt sie, wie es ihnen trotzdem gelingt, ihre Idee umzusetzen, erzählt von Business-Plänen, Herstellersuche, Crowdfunding, Anfängerfehlern, Glücksmomenten und Rückschlägen bis hin zu einem persönlichen Zusammenbruch aus schlichter Überarbeitung und Überforderung. Mir persönlich fehlt das Unternehmer*innen-Gen. Ich kann mich freiberuflich über Wasser halten und mit wenig Geld auskommen. Aber allein der Gedanke, einen Kredit aufzunehmen, lässt mich nicht mehr ruhig schlafen. Um so dankbarer bin ich, wenn andere dieses Gen für eine gute Idee einsetzen und etwas auf die Beine stellen. Inzwischen läuft Original Unverpackt gut und es sind noch ein Onlineshop und ein Magazin hinzugekommen (mehr).

Vor allem aber hat sich die Idee in den letzten fünf Jahren rasant verbreitet. Mittlerweile gibt es fast in jeder größeren Stadt einen Laden, in dem man unverpackt einkaufen kann (Liste).

Der nächstgelegene für mich in Hamburg ist Stückgut. Darüber habe ich vor knapp zwei Jahren schon einmal geschrieben (alter Post). Ich habe eine Weile dort eingekauft, aber es dann doch wieder gelassen. Warum? Tja. Aus Bequemlichkeit ... immer diese ganzen Glasflaschen und Behältnisse mit sich herumschleppen ... ich kaufe sowieso nicht gerne ein und dann auch noch zusätzlich in ein Extrageschäft ... es ist zu teuer ...

Unser Vorratsregal
Aber eigentlich ist das alles Quatsch. Ja, es ist ein bisschen unbequemer. Man muss den Einkauf besser planen und Gläser, Dosen, Tüten selbst mitbringen. Aber es macht auch ziemlich Spaß, zu Hause dann alles einzuräumen und keinen Müll zu haben. Was die Preise betrifft, so bin ich mir nicht einmal sicher, ob es wirklich teurer ist als im Bioladen. Auf jeden Fall ruiniert es mich nicht, dort einzukaufen. 
Im Moment bin ich durch den Mottomonat jedenfalls wieder sehr motiviert und hoffe, dass diese Begeisterung auch über den Februar hinaus anhält.





Samstag, 9. Februar 2019

MoMo2: Guter und schlechter Müll

In den letzten Tagen habe ich stundenlang die Vor- und Nachteile verschiedener Verpackungsarten recherchiert. Anlass war die stolze Ankündigung des Biosupermarkts meines Vertrauens, bei einer Tomatensauce durch die Umstellung von Glas auf Verbundkarton 63% CO2 einsparen zu können. Dabei hatte ich mir doch gerade vorgenommen, alles möglichst nur noch im Glas zu kaufen.

Das Ergebnis meiner Recherche: Tatsächlich haben Einwegverpackungen aus Glas die schlechteste Ökobilanz von allen Verpackungsarten. Das liegt vor allem daran, dass Glas sehr schwer ist und deshalb beim Transport mehr Treibstoff verbraucht. Außerdem kann es zwar gut und beliebig oft recycelt werden, benötigt für das Einschmelzen aber sehr viel Energie. Bei Mehrweggläsern (Joghurt, Milch, Bier, Getränke) sieht die Ökobilanz schon wesentlich besser aus. Glas kann bis zu 50 mal wieder befüllt werden, Mehrweg PET-Flaschen nur etwa halb mal so oft. Allerdings muss man auch hier die Transportwege berücksichtigen. Glasflaschen sind vor allem dann sinnvoll, wenn man Produkte aus der Region kauft, also z.B. regionales Bier oder Mineralwasser. Laut dem Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg ist eine Mehrweg-Glasflasche umweltfreundlicher als ein Getränkekarton, sobald sie weniger als 200 km transportiert und mehr als 15 mal benutzt wird. Ein Vorteil von Glas, der nicht in der Ökobilanz auftaucht ist, dass es als einziges Verpackungsmaterial mit Sicherheit keine chemischen Reaktionen mit dem Inhalt eingeht, dass also keine unerwünschten Stoffe in die Lebensmittel gelangen.

Und wie sieht es mit dem Verbundkarton aus (auch unter dem Firmennamen Tetra Pak bekannt)? Der besteht zum größten Teil (51-75%) aus Karton, der Rest ist Kunststoff, manchmal ist noch etwas Aluminium dabei. Vom Bundesumweltministerium wurde er als "ökologisch vorteilhafte Verpackung" eingestuft und von der Pfandpflicht befreit. Man kann ihn fachgercht recyceln, allerdings schwanken die Angaben zur Recyclingquote zwischen 36% und 76%. Auch ist in den letzten Jahren der Plastikanteil gestiegen, vor allem durch die Kunststoffausgießer. Aber dennoch hat die Entscheidung des Supermarkts, bei der Tomatensauce umzusteigen, vermutlich einiges für sich.

Übrigens ist auch die Entscheidung, sein Gemüse in eine Papiertüte zu packen statt in einen Plastikbeutel erst dann ökologisch sinnvoll, wenn man die Papiertüte mehrfach benutzt.

Auf den ersten Blick wirkt das alles schwierig und verwirrend, aber wenn man eine Weile darüber nachdenkt, ist es letzten Endes doch wieder einfach.
Faustregel 1: Lieber Mehrweg als Einweg
Faustregel 2: Lieber regional als global
Und am wichtigsten Faustregel 3: Den "guten" Müll gibt es nicht. Das Allerbeste ist, so wenig Müll/Verpackung wie möglich zu kaufen.

Es ist wie bei der Diskussion um Elektroautos. Sie stoßen weniger CO2 aus, stinken weniger und sind leiser. Aber auch sie verstopfen Straßen und Plätze und auch sie verbrauchen Energie, die irgendwo herkommen muss. Eigentlich müsste die Diskussion darum gehen, wie man Autos reduzieren und andere bequeme Arten von Mobilität ermöglichen kann.

So, das war jetzt mal ein sehr theoretischer Post. Aber irgendwo muss das ganze Angelesene ja wieder hin.

Donnerstag, 7. Februar 2019

MoMo2: Die Wahl zwischen Pest und Cholera

Ich gebe zu, das ist ein bisschen übertrieben. Aber so sieht die typische Biogemüse-Abteilung eines normalen Supermarktes aus:

Eingeschweißte Gurken, Brokkoli in Folie, Champignons im Plastikkorb mit Plastikhülle...
Wer bewusst und nachhaltig einkaufen will, hat die Wahl zwischen Biogemüse mit viel Plastik oder unverpacktem Gemüse, dafür aber aus konventioneller Landwirtschaft.

Grund für diese zweifelhafte Alternative ist eine EU-Verordnung, nach der Biogemüse und konventionell angebautes Gemüse deutlich unterscheidbar sein müssen. Um Plastik zu sparen (!) kennzeichnen also Lieferanten und Supermärkte ihr Bio-Gemüse, das einen kleineren Teil des Angebots ausmacht, mit Aufklebern auf exzessiver Plastikumwickelung. Das Biogemüse soll damit auch vor dem möglichen Kontakt mit Pestiziden, die vielleicht noch am anderen Gemüse haften, geschützt werden. Und es soll frischer wirken oder länger frisch bleiben, obwohl das Plastik meiner Wahrnehmung nach eher den gegenteiligen Effekt hat.
Dass es auch anders geht, zeigt etwa das Beispiel von REWE. Die Firma hat angekündigt, ab April in zunächst rund 630 Filialen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland den weitestgehenden Verbrauch auf Plastikverpackungen im Bereich Bio-Obst und Bio-Gemüse zu testen. Alternativen sind Banderolen, Aufkleber (wie bei Bananen) und "Laserlogos" in der Schale. Man rechnet damit, dass damit jährlich rund 55.000 Kilograumm Kunststoff eingespart werden könnten. Wenn das Pilotprojekt erfolgreich verläuft, soll es ausgeweitet werden. Dann werden sicher auch bald andere Supermarktketten nachziehen.
Bis es soweit ist, bleibt nur der Weg in den Bioladen oder den Biosupermarkt, der Einkauf auf dem Wochenmarkt oder im regionalen Unverpacktladen. (Darüber demnächst mehr).
Eine bequeme Alternative ist auch noch die wöchentlich ins Haus gebrachte Gemüsekiste vom Biolieferanten. Je nach Geschmack kann man dabei "à la carte" bestellen oder sich überraschen lassen. Eine gute Möglichkeit, neue Gemüsesorten kennenzulernen.