"Was machen Sie beruflich?"


Das berufliche Leben als Patchwork, entstanden aus Neigungen, Begabungen und - dem Zufall. Einige "Grundfarben" tauchen immer wieder auf und halten alles zusammen. Mein besonderes Interesse gilt: Sprache(n); anderen Menschen und ihren Lebensgeschichten; alternativen Lebensentwürfen jenseits von Konsum und Hektik; fremden Kulturen (insbesondere China) und den reizvollen Unwägbarkeiten interkultureller Begegnungen.

Mittwoch, 18. September 2019

MoMo9: Gott der Barbaren


Stephan Thome: Gott der Barbaren. Roman. Berlin: Suhrkamp 2018.
"Wenn ich unter allem, was ich über Ihre Zivilisation gelernt habe, eine bewundernswerte Einsicht finde, dann diese: dass in unserer Welt nichts ein Gegenteil besitzt, das nicht zugleich es selbst ist." 
Den Satz äußert Lord Elgin, Sonderbotschafter der englischen Königin, gegenüber einer Chinesin, die kein Wort seiner Sprache versteht. Er könnte als Motto über diesem großartigen Roman stehen, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts, vor allem in China, spielt. Die Kaiserdynastie ist schwer angeschlagen: Im Süden erobern die "langhaarigen Rebellen" eine Stadt nach der anderen. Angeführt werden sie von einem Mann, der durch Missionare mit der christlichen Lehre in Berührung gekommen ist und nach einem Traum glaubt, er sei der jüngere Bruder von Jesus und Gott selbst habe ihn auserwählt, mit dem Schwert das Reich zu erobern. Dieser Taiping-Aufstand, einer der größten Bürgerkriege der Weltgeschichte, dauerte von 1851-1864 und kostete etwa 30 Millionen Menschen das Leben. 
Als der Roman einsetzt, haben die Rebellen bereits Nanjing besetzt und zur Hauptstadt ihres "Himmlischen Reichs des Großen Friedens" gemacht. Die "ausländischen Barbaren", Engländer und Franzosen, nutzen die Schwäche des Kaiserreichs, um unter einem nichtigen Vorwand den zweiten Opiumkrieg (1856-1860) vom Zaun zu brechen und sich mit Gewalt Zugang zur Hauptstadt und zum freien Handel zu erzwingen. 
Der Roman greift die Komplexität der Gemengelage aus ständig wechselnden Perspektiven auf. Zwei der Hauptpersonen sind historische Figuren: Zum einen der besagte Lord Elgin, nach China gesandt, um - notfalls mit Gewalt - einen Vertrag mit dem Kaiserhaus zu schließen. Er ist sich der Unrechtmäßigkeit dieses Krieges bewusst, fragt sich immer wieder, was er hier eigentlich zu suchen hat, und ist auf der anderen Seite doch überzeugt, dass England China dem Fortschritt öffnet. Die zweite historische Figur ist Zeng Guofeng, General der Hunan Armee, die als einzige die Rebellen im Süden noch besiegen kann. Eigentlich ein Gelehrter, bewandert in den klassischen Schriften, war es sein Traum ein ruhiges, kontemplatives Leben in seiner Heimat zu führen. Pflichterfüllung gegenüber dem Kaiser hat ihn stattdessen auf das Schlachtfeld gesetzt. Doch die Stärke seiner Armee macht den Hof gleichzeitig misstrauisch. 
Die dritte Hauptperson ist eine erfundene Figur: Philipp Johann Neumann, deutscher Missionar und ehemaliger Mitstreiter in der gescheiterten Revolution von 1848. Er ist auf der Suche nach etwas Großem, an das er glauben und für das er sich einsetzen kann. In China merkt er bald, dass er nicht zum Missionar berufen ist. Aber was ist mit den Aufständischen im Süden? Wollen sie nicht eine bessere Welt aufbauen? Unter größten Mühen gelingt es ihm, in die "Himmlische Hauptstadt" zu kommen, doch im Laufe der Zeit verliert er nicht nur eine Hand, sondern auch seinen Glauben an die große Idee und an die Integrität der Rebellen. Diese drei Personen (und noch einige mehr) eröffnen im Laufe der Romans eine vielschichtige Sichtweise auf die Konflikte und die Rolle der einzelnen Parteien. 
Doch die Größe des Romans liegt darin, dass die historische Situation den Ausgangspunkt für grundlegende philosophische Fragen bildet: Was macht der Krieg mit den Menschen? Warum wird man schuldig, ohne es zu wollen? Wie können große Ideen und der Wunsch nach einer besseren Welt zur Basis für grauenhafte Verbrechen werden? Ist das Gegenteil wirklich immer schon enthalten?

Freitag, 13. September 2019

MoMo9: Schwierige Mutter-Tochter-Beziehung


Amy Tan: Das Tuschezeichen. München: Goldmann, 2003

Das Buch ist im Grunde noch ein Verbindungsstück zum letzten Mottomonat: Eine dramatische Mischung aus Familiengeschichte und China.
Wie oft hat sich Ruth Young als Kind für ihre Mutter Luling geschämt, die nach all den Jahren in Amerika immer noch gebrochen Englisch spricht, jeden Cent zweimal umdreht, ständig klagt, sich vor bösen Geistern fürchtet und die versucht, auch ihre Tochter in das Netz aus Aberglauben einzuspinnen, in dem sie selbst lebt. Ruth hat sich scheinbar befreit, lebt mit ihrem Freund und dessen Töchtern zusammen und arbeitet selbständig als ghost writerin (!). Mit ihrer Mutter hat sie nur noch losen Kontakt, doch als Luling an Demenz erkrankt, bricht die künstliche Entfremdung zusammen und Ruth hat den dringenden Wunsch, mehr über ihre Mutter zu erfahren. Endlich liest sie das Tagebuch, das ihr Luling schon von längerem anvertraut hat, und taucht in die Welt ihrer chinesischen Vorfahren ein, in dunkle Familiengeheimnisse und tragische Erlebnisse. Und sie erfährt von dem Fluch, der auf der Familie lasten soll und vor dem sich Luling ihr Leben lang gefürchtet hat.
Die amerikanische Bestsellerautorin Amy Tan, selbst Tochter chinesischer Einwanderer, beschäftigt sich in ihren Bücher häufig mit dem Zusammenprall chinesischer und amerikanischer Kultur und dem schwierigen Verhältnis von Müttern und Töchtern. Sie erzählt die Beziehung von Ruth und Luling einfühlsam und psychologisch plausibel und baut gleichzeitig eine Spannung auf, die einen mitreißt und immer weiterlesen lässt.
Nur das Ende ist etwas arg "happy" und versöhnlich geraten.

Samstag, 7. September 2019

MoMo9: Chinakinder

Jörg Endriss / Sonja Maass: Chinakinder. Moderne Rebellen in einer alten Welt. Conbook, 2017

Nach dem nostalgischen Rückblick auf die Altpekinger Kultur bringt uns dieses Buch wieder in die Jetztzeit. Dreißig junge Menschen aus den unterschiedlichsten Berufen und Gesellschaftsschichten kommen hier zu Wort und erzählen von ihren Problemen und Träumen. Der Punk mit den Tatoos, der die Sex Pistols mag und seinen Spaß haben will; ein junger Wanderarbeiter, der vom harten Leben auf den Baustellen erzählt und wie schwer es ist, auf dem Land eine Frau zu finden. Es gibt die junge Frau ohne Papier, die endlich ein legales Mitglied der Gesellschaft sein möchte, Schwule, die um ihre Identität kämpfen, fleißige Studierende und Aussteiger, die Ökogemüse anbauen oder ihre Kinder zu Hause unterrichten, um sie vor dem chinesischen Schulsystem zu bewahren. Neben Festlandchina kommen auch junge Leute aus Hongkong und Taiwan zu Wort. In einer kurzen Einführung erzählen die Autoren, wie sie ihre jeweiligen Gesprächspartner kennengelernt haben und geben Infos über den gesellschaftlichen Hintergrund, der für die persönliche Geschichten eine Rolle spielt. 16 Fotoseiten machen die Erzählungen auch visuell erfahrbar. Das alles ist informativ, kurzweilig und es zeigt ein vielseitiges, buntes China, das so in unseren Medien in der Regel gar nicht auftaucht und kaum wahrgenommen wird. "Aus diesen Mosaikteilchen", so hoffen die Autoren, "ergibt sich am Ende ein Bild der Generation, die China in den kommenden 30 Jahren prägen wird." Sehr empfehlenswert!

Dienstag, 3. September 2019

MoMo9: Liebeserklärung an Peking


Hans-Wilm Schütte: Literarische Streifzüge durch Peking. Gossenberg: Ostasien Verlag, 2016 (Reihe Gelbe Erde 3)

Während der ersten Woche unserer Reise wohnen wir im historischen Stadtzentrum von Peking. Und dafür habe ich einen Reiseführer der besonderen Art im Gepäck. Er führt uns durch Peking, zu Klöstern und Tempeln, in Parks und Teehäuser, durch alte Gassen und an den Häusern berühmter Literaten vorbei. Vor allem aber führt er uns durch die wechselvolle Geschichte dieser Stadt, die als machtvolles Zentrum eines großen Reiches die politische und geistige Elite des Landes versammelte und auch ausländische Besucher und Besucherinnen in ihren Bann zog – oder abstieß. Erzählt wird diese Geschichte anhand literarischer Texte über Peking, wobei der Begriff Literatur weit gefasst ist und sowohl autobiographische Texte und Reisebeschreibungen als auch Romane, Gedichte und Kabarett-Texte umfasst. Die älteste Beschreibung stammt von Marco Polo aus dem 13. Jahrhundert, die neueste aus der Jetztzeit. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als Peking nach der nationalen Erhebung der 4. Mai-Bewegung 1919 den Aufbruch in die Moderne probte und zum kulturellen Zentrum der Avantgarde wurde. Neben der Architektur geht es um die Sagen und Mythen der Stadt, vor allem aber um ihre Bewohner, um das Leben in den Gassen, die Händler und Handwerker, ihre Feste und Freizeitvergnügungen, die Tee- und Badehäuser und natürlich die kulinarischen Genüsse.
Das Buch ist ein nostalgischer Spaziergang durch vergangene Zeiten, eine Liebeserklärung an eine Stadt, die so nicht mehr existiert. Wie die einzigartige, imposante Stadtmauer, die geschleift wurde, um Platz für eine moderne, wachsende Stadt zu machen, für Schütte „ein Ereignis in einer langen Serie gezielter Kulturvernichtung“, für die er vor allem den Maoismus verantwortlich macht.
Das Buch macht trotzdem Lust, nach Peking zu reisen und – darin blätternd – dem vielleicht doch noch vorhandenen genius loci der Stadt nachzuspüren.

Sonntag, 1. September 2019

Neunter Mottomonat 2019: China

Den ganzen September über werde ich mit Jupp in China sein. Wir waren sieben Jahre nicht mehr dort und sind schon sehr gespannt (und ein bisschen bang), was sich alles verändert hat. Von Freunden, Freundinnen und Bekannten hört man ja einiges, aber jetzt können wir uns selbst einen Eindruck verschaffen. Wir freuen uns darauf, alte Freunde wiederzusehen, auf das chinesische Essen, auf unsere alten, vertrauten Lieblingsecken in Peking (wenn es sie noch gibt) und auf neue Eindrücke beim Reisen. Das Motto dieses Monats kann also nur China sein, China mit allen Sinnen.

Wasserkalligraphie im Park, Foto von 2012
Chinesisch-Deutsche Freundschaft

Hallo Ma Dina (mein chin. Name)




















Leider kann ich von dort aus meinen Blog nicht betreiben, es wird also keine jeweils aktuellen Fotos von unseren Abenteuern geben. Aber ich habe ein bisschen vorgearbeitet und Rezensionen von interessanten Büchern, die ich dieses Jahr über China gelesen habe, vorbereitet. Außerdem einen ersten Artikel über einen Deutschland-Chinesen. (Daraus soll noch eine kleine Serie werden). Es lohnt sich also auch im September, ab und zu mal reinzuschauen. Die Fotos kommen dann später.

Natürlich verdirbt diese (Flug)reise unsere Ökobilanz des ganzen Jahres. So viel Plastik können wir gar nicht einsparen, dass wir da noch auf einen vernünftigen ökologischen Fußabdruck kommen. Ich rechtfertige mich innerlich damit, dass China für uns eine besondere (auch berufliche) Bedeutung hat und dass es schwer ist, Beziehungen ganz ohne persönlichen Kontakt über lange Zeit aufrecht zu halten. Aber es bleibt ambivalent. Vielleicht haben wir bei unserer nächsten Reise genug Zeit (und Geld), um die Eisenbahn zu nehmen. Die Fahrt von Hannover nach Peking dauert ungefähr eine Woche.

Samstag, 31. August 2019

MoMo8: Resümee

Der Mottomonat "Familienbesuch" war super. Ich bin nicht viel zum Schreiben gekommen, auch ein paar andere Sachen sind liegen geblieben, aber es war toll, meine Schwestern jeweils eine Woche bei mir zu haben. Vertrautheit, anregende Gespräche, gemeinsam Yoga im Park oder auf dem Steg, Museumsbesuche, zusammen basteln, Spaziergänge... Im Grunde sind die beiden für mich wie beste Freundinnen. Das ist bei Schwestern nicht zwangsläufig so, ich weiß. Da haben wir richtig Glück gehabt.

Es war auch spannend, meine beiden Nichten mal ein bisschen näher mitzukriegen.

Und der Ausflug nach Krakow war etwas ganz Besonderes. Auch dass wir unserem Cousin nach so vielen Jahren wieder begegnet sind. Familie ist schon etwas Merkwürdiges. Da kann man jahrelang, jahrzehntelang nichts mehr miteinander zu tun haben, und doch gibt es dieses dünne (aber zähe) Band der Verwandtschaft, an dem man plötzlich wieder anknüpfen kann.

Der nächste Mottomonat geht in eine ganz andere Richtung: Auf nach China!

Freitag, 23. August 2019

MoMo9: Schwester, Schwager, Schwäne

Auch meine jüngste Schwester lebt leider nicht in Hamburg, sondern - im Moment - in Bayern. Der Vorteil ist, dass Besuche dann meist ein bisschen länger dauern, damit sich die lange Anfahrt auch lohnt, und man sich richtig Zeit füreinander nehmen kann.

Mein erster Besuch in Krakow, mit zwei Jahren.
Unsere Eltern mit den Schwänen, 1973
Das besondere Highlight war dieses Mal ein Ausflug in unsere Kindheitserinnerungen nach Krakow am See in Mecklenburg. Unsere Großeltern bauten da Ende der 1950er Jahre ein kleines Sommerhäuschen. Als Kinder haben wir dort unsere schönsten Sommerferien verbracht. Direkt vom Haus führt ein Holzsteg zum See. Dort habe ich schwimmen gelernt. Abends kamen die Schwäne mit ihren Jungen vorbei und wir bettelten Oma an, uns noch ein Stück Brot zu geben, damit wir sie füttern konnten. Es gab ein Ruderboot, mit dem wir Ausflüge machten. In meiner Erinnerung scheint immer die Sonne, das Leben spielte sich draußen ab, Verwandte und Freunde kamen zu Besuch und das DDR-Brot schmeckte köstlich.

Das Haus gehört jetzt meinem Cousin. Wir sind erst kürzlich wieder in Kontakt gekommen und er lud uns ein, ein Wochenende in Krakow zu verbringen.







Das Häuschen am See (links), ca. 1960.
Es ist natürlich ein gewisses Risiko, alte Erinnerungen auffrischen zu wollen. Aber Krakow war einfach so toll wie früher. Das Haus riecht wie damals und der Steg fühlt sich unter den nackten Füßen noch genauso an. Es gibt kein Ruderboot mehr und kein DDR-Brot, aber Opas selbstgemachte Korbstühle sind noch da und die alte Hollywoodschaukel. Am Ende sind sogar die Schwäne mit ihren Jungen vorbeigekommen.
Mein Schwager war auch ohne Kindheitserinnerungen von Krakow begeistert.



Das Häuschen von der anderen Seite, 2019

Mit Opa auf der Schaukel, 1965













Mit meiner Schwester, 54 Jahre später.
Sonnenaufgang am See

Freitag, 9. August 2019

MoMo8: Schwester mit Nichten

Meine Schwester lebt mir ihrer Familie in München, wir sehen uns also nicht allzu oft. Umso schöner, dass sie jetzt mal eine Woche mit ihren Töchtern bei mir war!
Fürs Posten blieb keine Zeit, aber für vieles andere: Ratschen, Sport, Frühstücken im Café, Museumsbesuch, Kreativität, das eine oder andere Glas Wein, Flohmarkt und nicht zu vergessen: Ratzupaltuff.

Taiji im Park
Wir haben uns tatsächlich aufgerafft, (fast) jeden Morgen in den Park zu gehen und dort Sport zu machen. Meine Schwester zeigte mir neue Yogaübungen und ich führte meine frisch erworbenen ersten Taiji-Schritte vor.
Der Park ist übrigens nicht nur so idyllisch, wie ich ihn vor einiger Zeit beschrieben habe (siehe). Er ist auch Nachtquartier für viele Obdachlose. Und am Sonntag, wenn die Müllarbeiter frei haben, liegen die Abfälle von Grillpartys und anderen Feiern um die hoffnungslos verstopften Mülleimer herum und es riecht nach ausgelaufenem Alkohol.
Franzbrötchen mit Kürbiskernen
Wenn wir voller Energie vom Sport zurückkamen, schliefen die Nichten noch tief und fest und waren kaum zum Aufstehen zu bewegen, außer.... wir hatten Franzbrötchen zum Frühstück eingekauft. Die gibt es zwar mittlerweile auch in München, aber das Original in Hamburg schmeckt natürlich unvergleichlich viel besser.

Kreatives Chaos






Natürlich ließ ich die Familie auch gleich an meinen neu erworbenen Kenntnissen zur Herstellung von Kleisterpapier teilhaben. Wir machten uns tolle Papiere und Tagebücher.










Interessant war auch der Besuch im Museum für Kunst und Gewerbe. Dort gibt es momentan eine spannende Ausstellung zu "Social Design" (mehr). Unterschiedlichste Projekte werden vorgestellt, die dazu beitragen, die Welt besser zu machen. Es macht Mut zu sehen, wie viele Ideen es gibt und wie viel Engagement Menschen aufbringen. Ein Gegengewicht zu den täglichen Schreckensmeldungen aus den Nachrichten.

Wer zuletzt haut, muss ziehen
Wer Marc-Uwe Kling und das kommunistische Känguru, mit dem er zusammenlebt, kennt und liebt, wird auch das Kartenspiel "Halt mal kurz" der beiden lieben. Gespielt wird natürlich mit unfairen Mitteln. Zwischen Schnick Schnack Schnuck und Nazis hauen kann man den Kommunismus (oder Kapitalismus) einführen, eine Vollversammlung einberufen oder einfach einem anderen die Hälfte seiner Karten geben. Nicht zu vergessen die Not-to-do-Liste und die verhasste Karte Ratzupaltuff. Aber das Känguru kann das alles viel besser selbst erklären. (Spielregeln)


Kurzum, eine richtig schöne Woche!  
Eis-Pause - nach dem Einkauf im Unverpacktladen

Donnerstag, 1. August 2019

Achter Mottomonat 2019: Familienbesuch

Mit meinen Schwestern beim "Hofphotographen"
Im August haben sich meine beiden Schwestern jeweils für eine Woche mit den Töchtern bzw. dem Mann angesagt. Wir wollen auch einen Cousin besuchen und ein anderer kommt vielleicht auf einen Städtetrip nach Hamburg. Ich muss außerdem noch ein paar Artikel fertigstellen und meine Chinareise im September vorbereiten.
Wenn ich mir jetzt irgendein Motto vornehmen würde, hätte ich das Gefühl, gar keine Zeit für das neue Thema zu haben, und wäre unzufrieden. Wenn ich aber den Familienbesuch zum Motto mache, dann kann ich mich richtig auf die gemeinsame Zeit freuen und das Zusammensein genießen. Ich verpasse dann ja nichts, sondern bin mitten in meinem Mottomonat.

Ich wundere mich manchmal, dass solche Wendungen im Kopf wirklich einen Unterschied machen. Aber es ist so. Und auch das macht die Mottomonate spannend.

Dienstag, 30. Juli 2019

MoMo7: Resümee

Der Mottomonat "Basteln" war sehr schön! Ich hatte ganz vergessen, wie viel Spaß es mir macht, mit Farben, Papier, Kleister etc. zu hantieren. Es ist sinnlich und befriedigend etwas mit den Händen zu machen und am Ende ein greifbares Ergebnis vor sich zu haben.

Der Schwerpunkt lag in diesem Monat eindeutig auf der Arbeit mit Papier: bemalen, Hefte binden, einen Ordner binden, Servietten kleben... Ich habe ganz neue Techniken und Werkzeuge kennengelernt. Von alleine wäre ich zum Beispiel nie auf die Idee gekommen mit Rasierschaum zu malen. Und es war toll, gleich am Monatsanfang gemeinsam mit Jupp und Elvira zu basteln. Das ist auf eine andere Art inspirierend als Youtube-Videos oder Bücher. Ich freue mich, dass ich mir meine Tagebücher jetzt selbst binden kann! (Das passt dann auch wieder zum Wunsch aus dem zweiten Mottmonat, mehr selbst zu machen und weniger zu kaufen.)

Zu kurz gekommen sind: Marionetten bauen, Schmuck herstellen, Papiere falten, die Wohnung dekorieren, Fundstücke upcyceln und so weiter. Das muss dann auf einen anderen Mottomonat warten. Ich kann mir gut vorstellen, in Zukunft jedes Jahr einen Bastelmonat einzulegen, so wie ich das für das Nähen mache.

Freitag, 26. Juli 2019

MoMo7: Tagebücher und Notizhefte selber machen

Da ich ein eher praktisch veranlagter Mensch bin, will ich nicht einfach nur Kleister- oder Rasierschaumbilder vor mich hin produzieren - so viel Spaß das auch macht - , sondern damit etwas gestalten, das ich dann auch benutzen kann. Ich bin eine eifrige Tagebuchschreiberin, auch für diverse Projekte und die Mottomonatshefte brauche ich immer Notizbücher, also lag es nahe, aus den Bildern Umschläge für ganz besondere Notizhefte zu machen.

Hier kam mir das Wochenede bei Elvira (siehe) sehr zugute. Ich hatte vorher weder von Falzbein noch von Prickelnadel gehört und ich wäre nie auf die Idee gekommen, einen Faden durch Wachs zu ziehen.
Hier das Zubehör: Die Papierschneidemaschine habe ich schon vor langem mal gekauft und ziemlich selten benutzt, aber jetzt hatte sie ihren großen Auftritt. Man kann die Papiere aber auch mit einem Cutter oder einer Schere zuscheiden.

Für den Innenteil habe ich Recycling-Kopierpapier genommen. Buntes Papier kann man auch nehmen oder alte Blöcke verwerten.




Von links nach rechts: Falzbein (um die Papiere gut zu falten), Cutter (zum Schneiden, dazu ist dann auch eine Schneidematte und ein Schneidelineal sinnvoll), Prickelnadel (um die Löcher vorzubohren, durch die geheftet wird), stabiler Faden zum Heften (ich habe noch altes Stickgarn gefunden), eine Kerze (durch die man den Faden mehrmals zieht, dadurch ist er stabiler und der Knoten geht nicht auf) und - optional - habe ich mir noch einen Eckenrunder gegönnt, weil das bei Notizheften einfach schöner finde (Bastelbedarf, ca. 8 Euro).

Mein Format war meistens Din A5. Ich musste die Blätter (20 Stück pro Heft) also nur falten und ineinander legen, dann den Umschlag passend zuschneiden, Löcher bohren (5 Stück) und nähen. Und natürlich die Ecken abrunden.

Und das ist das Ergebnis. Ich finde die Hefte sehr schön und freue mich, dass ich mir jetzt meine eigenen Tagebücher gestalten kann. Außerdem sind das auch besondere Geschenke.


Dienstag, 23. Juli 2019

MoMo7: Bilder mit Rasierschaum

Als ich im Internet danach suchte, wie man möglichst einfach marmoriertes Papier herstellen kann, bin ich auf eine Technik mit Rasierschaum (!???) gestoßen. Das wollte ich unbedingt mal ausprobieren:

Man sprüht zuerst reichlich Rasierschaum in eine Schüssel oder auf einen Teller, streicht ihn einigermaßen glatt und tropft dann Farbe drauf. Im Internet nehmen sie oft Stempelfarbe, ich hatte noch ein paar alte Tinten, die ich verwendet habe. Angeblich kann man auch Acrylfarbe nehmen.






Dann zieht man ein Schaschlikstäbchen (oder einen Pinselstiel etc.) kreuz und quer durch die Farbe. (Im Beispiel hier habe ich nur weinrote Tinte benutzt.)









Anschließend legt man ein Blatt Papier auf die Farbe und drückt es vorsichtig an. Ich dachte, das Papier muss saugfähig sein, deshalb habe ich Aquarellpapier benutzt, aber anderes Papier geht vielleicht auch. Da ich eine größere Fläche wollte, habe ich das Papier gefaltet, es vorsichtig abgezogen und mit der anderen Seite noch mal auf die Farbe gedrückt.




So sieht das Papier aus, wenn man es abgezogen hat. Voller Schaum natürlich. Jetzt kommt der spannendste Moment: Man streift den Schaum mit einem Lineal ab (am einfachsten geht ein Geodreieck). Wenn man Stempelfarbe oder Tinte benutzt hat, kann man das sofort machen. Bei Acrylfarbe sollte man eine Weile warten, damit die Farbe Zeit hat einzuziehen.





Und so sieht dann das fertige Papier aus. Ich war ziemlich begeistert.













Hier noch ein paar Beispiele:


Das ist kein Aquarell- , sondern rauhes Malpapier. Geht auch.