"Was machen Sie beruflich?"


Das berufliche Leben als Patchwork, entstanden aus Neigungen, Begabungen und - dem Zufall. Einige "Grundfarben" tauchen immer wieder auf und halten alles zusammen. Mein besonderes Interesse gilt: Sprache(n); anderen Menschen und ihren Lebensgeschichten; alternativen Lebensentwürfen jenseits von Konsum und Hektik; fremden Kulturen (insbesondere China) und den reizvollen Unwägbarkeiten interkultureller Begegnungen.

Freitag, 23. August 2019

MoMo9: Schwester, Schwager, Schwäne

Auch meine jüngste Schwester lebt leider nicht in Hamburg, sondern - im Moment - in Bayern. Der Vorteil ist, dass Besuche dann meist ein bisschen länger dauern, damit sich die lange Anfahrt auch lohnt, und man sich richtig Zeit füreinander nehmen kann.

Mein erster Besuch in Krakow, mit zwei Jahren.
Unsere Eltern mit den Schwänen, 1973
Das besondere Highlight war dieses Mal ein Ausflug in unsere Kindheitserinnerungen nach Krakow am See in Mecklenburg. Unsere Großeltern bauten da Ende der 1950er Jahre ein kleines Sommerhäuschen. Als Kinder haben wir dort unsere schönsten Sommerferien verbracht. Direkt vom Haus führt ein Holzsteg zum See. Dort habe ich schwimmen gelernt. Abends kamen die Schwäne mit ihren Jungen vorbei und wir bettelten Oma an, uns noch ein Stück Brot zu geben, damit wir sie füttern konnten. Es gab ein Ruderboot, mit dem wir Ausflüge machten. In meiner Erinnerung scheint immer die Sonne, das Leben spielte sich draußen ab, Verwandte und Freunde kamen zu Besuch und das DDR-Brot schmeckte köstlich.

Das Haus gehört jetzt meinem Cousin. Wir sind erst kürzlich wieder in Kontakt gekommen und er lud uns ein, ein Wochenende in Krakow zu verbringen.







Das Häuschen am See (links), ca. 1960.
Es ist natürlich ein gewisses Risiko, alte Erinnerungen auffrischen zu wollen. Aber Krakow war einfach so toll wie früher. Das Haus riecht wie damals und der Steg fühlt sich unter den nackten Füßen noch genauso an. Es gibt kein Ruderboot mehr und kein DDR-Brot, aber Opas selbstgemachte Korbstühle sind noch da und die alte Hollywoodschaukel. Am Ende sind sogar die Schwäne mit ihren Jungen vorbeigekommen.
Mein Schwager war auch ohne Kindheitserinnerungen von Krakow begeistert.



Das Häuschen von der anderen Seite, 2019

Mit Opa auf der Schaukel, 1965













Mit meiner Schwester, 54 Jahre später.
Sonnenaufgang am See

Freitag, 9. August 2019

MoMo8: Schwester mit Nichten

Meine Schwester lebt mir ihrer Familie in München, wir sehen uns also nicht allzu oft. Umso schöner, dass sie jetzt mal eine Woche mit ihren Töchtern bei mir war!
Fürs Posten blieb keine Zeit, aber für vieles andere: Ratschen, Sport, Frühstücken im Café, Museumsbesuch, Kreativität, das eine oder andere Glas Wein, Flohmarkt und nicht zu vergessen: Ratzupaltuff.

Taiji im Park
Wir haben uns tatsächlich aufgerafft, (fast) jeden Morgen in den Park zu gehen und dort Sport zu machen. Meine Schwester zeigte mir neue Yogaübungen und ich führte meine frisch erworbenen ersten Taiji-Schritte vor.
Der Park ist übrigens nicht nur so idyllisch, wie ich ihn vor einiger Zeit beschrieben habe (siehe). Er ist auch Nachtquartier für viele Obdachlose. Und am Sonntag, wenn die Müllarbeiter frei haben, liegen die Abfälle von Grillpartys und anderen Feiern um die hoffnungslos verstopften Mülleimer herum und es riecht nach ausgelaufenem Alkohol.
Franzbrötchen mit Kürbiskernen
Wenn wir voller Energie vom Sport zurückkamen, schliefen die Nichten noch tief und fest und waren kaum zum Aufstehen zu bewegen, außer.... wir hatten Franzbrötchen zum Frühstück eingekauft. Die gibt es zwar mittlerweile auch in München, aber das Original in Hamburg schmeckt natürlich unvergleichlich viel besser.

Kreatives Chaos






Natürlich ließ ich die Familie auch gleich an meinen neu erworbenen Kenntnissen zur Herstellung von Kleisterpapier teilhaben. Wir machten uns tolle Papiere und Tagebücher.










Interessant war auch der Besuch im Museum für Kunst und Gewerbe. Dort gibt es momentan eine spannende Ausstellung zu "Social Design" (mehr). Unterschiedlichste Projekte werden vorgestellt, die dazu beitragen, die Welt besser zu machen. Es macht Mut zu sehen, wie viele Ideen es gibt und wie viel Engagement Menschen aufbringen. Ein Gegengewicht zu den täglichen Schreckensmeldungen aus den Nachrichten.

Wer zuletzt haut, muss ziehen
Wer Marc-Uwe Kling und das kommunistische Känguru, mit dem er zusammenlebt, kennt und liebt, wird auch das Kartenspiel "Halt mal kurz" der beiden lieben. Gespielt wird natürlich mit unfairen Mitteln. Zwischen Schnick Schnack Schnuck und Nazis hauen kann man den Kommunismus (oder Kapitalismus) einführen, eine Vollversammlung einberufen oder einfach einem anderen die Hälfte seiner Karten geben. Nicht zu vergessen die Not-to-do-Liste und die verhasste Karte Ratzupaltuff. Aber das Känguru kann das alles viel besser selbst erklären. (Spielregeln)


Kurzum, eine richtig schöne Woche!  
Eis-Pause - nach dem Einkauf im Unverpacktladen

Donnerstag, 1. August 2019

Achter Mottomonat 2019: Familienbesuch

Mit meinen Schwestern beim "Hofphotographen"
Im August haben sich meine beiden Schwestern jeweils für eine Woche mit den Töchtern bzw. dem Mann angesagt. Wir wollen auch einen Cousin besuchen und ein anderer kommt vielleicht auf einen Städtetrip nach Hamburg. Ich muss außerdem noch ein paar Artikel fertigstellen und meine Chinareise im September vorbereiten.
Wenn ich mir jetzt irgendein Motto vornehmen würde, hätte ich das Gefühl, gar keine Zeit für das neue Thema zu haben, und wäre unzufrieden. Wenn ich aber den Familienbesuch zum Motto mache, dann kann ich mich richtig auf die gemeinsame Zeit freuen und das Zusammensein genießen. Ich verpasse dann ja nichts, sondern bin mitten in meinem Mottomonat.

Ich wundere mich manchmal, dass solche Wendungen im Kopf wirklich einen Unterschied machen. Aber es ist so. Und auch das macht die Mottomonate spannend.

Dienstag, 30. Juli 2019

MoMo7: Resümee

Der Mottomonat "Basteln" war sehr schön! Ich hatte ganz vergessen, wie viel Spaß es mir macht, mit Farben, Papier, Kleister etc. zu hantieren. Es ist sinnlich und befriedigend etwas mit den Händen zu machen und am Ende ein greifbares Ergebnis vor sich zu haben.

Der Schwerpunkt lag in diesem Monat eindeutig auf der Arbeit mit Papier: bemalen, Hefte binden, einen Ordner binden, Servietten kleben... Ich habe ganz neue Techniken und Werkzeuge kennengelernt. Von alleine wäre ich zum Beispiel nie auf die Idee gekommen mit Rasierschaum zu malen. Und es war toll, gleich am Monatsanfang gemeinsam mit Jupp und Elvira zu basteln. Das ist auf eine andere Art inspirierend als Youtube-Videos oder Bücher. Ich freue mich, dass ich mir meine Tagebücher jetzt selbst binden kann! (Das passt dann auch wieder zum Wunsch aus dem zweiten Mottmonat, mehr selbst zu machen und weniger zu kaufen.)

Zu kurz gekommen sind: Marionetten bauen, Schmuck herstellen, Papiere falten, die Wohnung dekorieren, Fundstücke upcyceln und so weiter. Das muss dann auf einen anderen Mottomonat warten. Ich kann mir gut vorstellen, in Zukunft jedes Jahr einen Bastelmonat einzulegen, so wie ich das für das Nähen mache.

Freitag, 26. Juli 2019

MoMo7: Tagebücher und Notizhefte selber machen

Da ich ein eher praktisch veranlagter Mensch bin, will ich nicht einfach nur Kleister- oder Rasierschaumbilder vor mich hin produzieren - so viel Spaß das auch macht - , sondern damit etwas gestalten, das ich dann auch benutzen kann. Ich bin eine eifrige Tagebuchschreiberin, auch für diverse Projekte und die Mottomonatshefte brauche ich immer Notizbücher, also lag es nahe, aus den Bildern Umschläge für ganz besondere Notizhefte zu machen.

Hier kam mir das Wochenede bei Elvira (siehe) sehr zugute. Ich hatte vorher weder von Falzbein noch von Prickelnadel gehört und ich wäre nie auf die Idee gekommen, einen Faden durch Wachs zu ziehen.
Hier das Zubehör: Die Papierschneidemaschine habe ich schon vor langem mal gekauft und ziemlich selten benutzt, aber jetzt hatte sie ihren großen Auftritt. Man kann die Papiere aber auch mit einem Cutter oder einer Schere zuscheiden.

Für den Innenteil habe ich Recycling-Kopierpapier genommen. Buntes Papier kann man auch nehmen oder alte Blöcke verwerten.




Von links nach rechts: Falzbein (um die Papiere gut zu falten), Cutter (zum Schneiden, dazu ist dann auch eine Schneidematte und ein Schneidelineal sinnvoll), Prickelnadel (um die Löcher vorzubohren, durch die geheftet wird), stabiler Faden zum Heften (ich habe noch altes Stickgarn gefunden), eine Kerze (durch die man den Faden mehrmals zieht, dadurch ist er stabiler und der Knoten geht nicht auf) und - optional - habe ich mir noch einen Eckenrunder gegönnt, weil das bei Notizheften einfach schöner finde (Bastelbedarf, ca. 8 Euro).

Mein Format war meistens Din A5. Ich musste die Blätter (20 Stück pro Heft) also nur falten und ineinander legen, dann den Umschlag passend zuschneiden, Löcher bohren (5 Stück) und nähen. Und natürlich die Ecken abrunden.

Und das ist das Ergebnis. Ich finde die Hefte sehr schön und freue mich, dass ich mir jetzt meine eigenen Tagebücher gestalten kann. Außerdem sind das auch besondere Geschenke.


Dienstag, 23. Juli 2019

MoMo7: Bilder mit Rasierschaum

Als ich im Internet danach suchte, wie man möglichst einfach marmoriertes Papier herstellen kann, bin ich auf eine Technik mit Rasierschaum (!???) gestoßen. Das wollte ich unbedingt mal ausprobieren:

Man sprüht zuerst reichlich Rasierschaum in eine Schüssel oder auf einen Teller, streicht ihn einigermaßen glatt und tropft dann Farbe drauf. Im Internet nehmen sie oft Stempelfarbe, ich hatte noch ein paar alte Tinten, die ich verwendet habe. Angeblich kann man auch Acrylfarbe nehmen.






Dann zieht man ein Schaschlikstäbchen (oder einen Pinselstiel etc.) kreuz und quer durch die Farbe. (Im Beispiel hier habe ich nur weinrote Tinte benutzt.)









Anschließend legt man ein Blatt Papier auf die Farbe und drückt es vorsichtig an. Ich dachte, das Papier muss saugfähig sein, deshalb habe ich Aquarellpapier benutzt, aber anderes Papier geht vielleicht auch. Da ich eine größere Fläche wollte, habe ich das Papier gefaltet, es vorsichtig abgezogen und mit der anderen Seite noch mal auf die Farbe gedrückt.




So sieht das Papier aus, wenn man es abgezogen hat. Voller Schaum natürlich. Jetzt kommt der spannendste Moment: Man streift den Schaum mit einem Lineal ab (am einfachsten geht ein Geodreieck). Wenn man Stempelfarbe oder Tinte benutzt hat, kann man das sofort machen. Bei Acrylfarbe sollte man eine Weile warten, damit die Farbe Zeit hat einzuziehen.





Und so sieht dann das fertige Papier aus. Ich war ziemlich begeistert.













Hier noch ein paar Beispiele:


Das ist kein Aquarell- , sondern rauhes Malpapier. Geht auch.


Freitag, 19. Juli 2019

MoMo7: Kleisterpapier

Mein Zimmer hat sich mittlerweile in eine Bastelstube verwandelt. Plötzlich kommen Dinge wieder ans Licht, die jahrelang vergessen in diversen Schubladn schlummerten, alte Plakafarben, Aquarellblöcke, Tintenfässer...

Diese Woche habe ich zum ersten Mal Kleisterpapiere hergestellt. Ich habe dafür farbiges Papier genommen, Kopierpapier und Fotokarton. Man kann aber auch weißes Papier nehmen und sich dann den Hintergrund selbst so bemalen, wie man ihn haben will.
Also erst einmal Tapetenkleister anrühren und auf den Untergrund auftragen. (Ich hatte ganz vergessen, wie viel Spaß es macht, Kleister zu verpinseln!). Danach weiteren Kleister mit einer wasserlöslichen Farbe anrühren (Plaka, Acryl, Pigmente ...) und eine Farbschicht aufpinseln. Jetzt kommt der kreative Teil: Man kann die Farbschicht mit allen möglichen Werkzeugen bearbeiten (Spachtel, Schaschlikstäbchen, Kamm, Zahnbürste, Finger, Glasdeckel...). Dadurch wird der andersfarbige Hintergrund teilweise freigelegt und es entstehen interessante Muster. Man kann Ton in Ton arbeiten, also zum Beispiel dunkelblau auf hellblau, oder mit starken Konstrasten, wie rot-grün, schwarz-weiß. Hier ein paar Beispiele von letzter Woche:

Dunkel- auf Hellblau, Schaschlikstäbchen und zerknülltes Papier
Weiß auf Schwarz, Spachtel und Schaschlikstäbchen
Rot auf Lila, verschiedene Dosendeckel
Grün auf Rot, Walze und Spachtel
Rot auf Gelb, Finger und Pinselstiel