"Was machen Sie beruflich?"


Das berufliche Leben als Patchwork, entstanden aus Neigungen, Begabungen und - dem Zufall. Einige "Grundfarben" tauchen immer wieder auf und halten alles zusammen. Mein besonderes Interesse gilt: Sprache(n); anderen Menschen und ihren Lebensgeschichten; alternativen Lebensentwürfen jenseits von Konsum und Hektik; fremden Kulturen (insbesondere China) und den reizvollen Unwägbarkeiten interkultureller Begegnungen.

Mittwoch, 4. Dezember 2019

Zwölfter Mottomonat 2019: Weihnachten

Ein Weihnachtsmonat im Dezember ist zwar nicht besonders originell, aber zeitgemäß. Ich bin nicht religiös, aber ich mag Weihnachten. Ich freue mich darauf, meinen Vater und meine Schwestern (+ Schwager und Nichten) zu treffen, Plätzchen und Stollen zu backen, gemütlich zu ratschen, dabei Tee zu trinken, auf dem Sofa rumzuhängen und zum hundersten Mal "Drei Nüsse für Aschenbrödel" zu sehen. (Aus "Der kleine Lord" bin ich inzwischen ausgestiegen.) Stressig ist Weihnachten für mich nicht, weil ich nur wenigen Leuten etwas schenke und das macht mir Spaß. Am tollsten finde ich die Woche zwischen Weihnachten und Silvester, die "Zeit zwischen den Jahren". Kaum jemand arbeitet, es gibt keine geschäftlichen Mails oder Anrufe, vieles ist geschlossen, ein kollektives Abtauchen. Zeit, um das Jahr noch mal zu überdenken, Pläne für das nächste zu fassen...
Am Sonntag war erster Advent, da habe ich schon mal die grundlegende - und natürlich nachhaltige - Weihnachtsdeko ausgepackt: Der Adventskranz samt Engeln ist selbst gebastelt und wird jedes Jahr wiederverwendet. Dieses Jahr habe ich sogar  die Kerzen teilweise aus alten Wachsresten gegossen.




Und statt dem Adventskalender mit Schokolade gibt es in der WG nun schon im zweiten Jahr den 24-gute-Taten-Adventskalender. Mit einer Spende von 24 Euro sponsort man konkrete Projekte auf der ganzen Welt. Dafür bekommt man einen Papp-Baum und kann jeden Tag ein Türchen öffnen und nachlesen, was mit dem Geld passiert ist. (Genauere Infos zu den Projekten gibt es dann im Netz). Macht ein gutes Gefühl! Und ist auch ein schönes Geschenk.

Montag, 2. Dezember 2019

MoMo11: Resümee "Glück"

"Glück" ist ein weites Feld, das wurde mir im letzten Monat klar, ein Feld, das ich nicht mal ansatzweise erschöpfend beackert habe. Alle Disziplinen haben ihre Vorstellung vom Glück, die Philosophie, die Theologie und zunehmend auch die Ökonomie. Immerhin habe ich auf der Suche Wilhelm Schmid und sein Konzept vom "Glück der Fülle" entdeckt, das auch die negativen Aspekte des Lebens einschließt. Es hat mich an Vorstellungen von Daoisten erinnert, die schon vor 2500 Jahren wussten, dass Gegensätze sich bedingen und dass die eine Seite ohne die andere nicht zu haben ist:
Wer sich zur Bejahung bekennt und nicht von der Verneinung weiß, wer sich zur Ordnung bekennt und nicht von Verwirrung weiß, der hat noch nicht die Gesetze des Himmels und der Erde und die Verhältnisse der Welt durchschaut. ... Es ist klar, dass das nicht geht. Und nun doch ohne Aufhören so weiter zu reden, das ist entweder ein Zeichen von Torheit oder von Betrug. (Zhuangzi)
Dann gibt es natürlich die ganze Ratgeberliteratur zum Glück. Ich hätte gerne noch mehr von den Tipps für ein glückliches Leben getestet. (Das wäre mal ein Jahresprojekt: Sich durch die Ratgeber lesen und jeden Monat ein anderes Rezept ausprobieren.)
Ich habe gebastelt (Glück des Selbermachens), aufgeräumt (Glück der Ordnung) und ich habe mir (fast) jeden Tag aufgeschrieben, was mich an diesem Tag am glücklichsten gemacht hat. Am Ende des Monats habe ich mir die Aufzeichnungen durchgelesen und festgestellt, dass die meisten Glücksmomente mit anderen Menschen zu tun hatten, Besuch von Freund*innen, ein schönes Gespräch, ein kuscheliger Abend, ein Kompliment... Weitere Glücksmomente hatte ich in der Natur beim Spazierengehen und beim Malen und Basteln.
Das hat mich auf die Idee gebracht, in Zukunft ein Glückstagebuch zu führen. Ich glaube, es kann helfen, mir darüber klar zu werden, was - jenseits aller Ratgeberliteratur - die Dinge sind, die ich brauche, um mich glücklich zu fühlen. Außerdem lenkt so ein Tagebuch den Fokus auf die positiven Erlebnisse des Tages und das löst ein warmes Gefühl der Dankbarkeit aus.

Freitag, 29. November 2019

Klimademo in Hamburg 29.11.2019


An diesem Freitag hatte man die Wahl: Shoppen, was die Rabatte am Black Friday hergeben, oder auf der Klimademo gegen Ressourcenausbeutung und Kapitalismus demonstrieren. Auch in Hamburg haben sich ziemlich viele Leute für die zweite Variante entschieden, wobei die Zahlen mal wieder erheblich schwanken, von 30.000 (Polizei) bis 60.000 (Veranstalter). Es war sonnig und kalt, die Stimmung sehr friedlich. Viele junge Leute waren da, schließlich hatte ja auch "Fridays for Future" dazu aufgerufen, aber insgesamt war es durchaus altersgemischt. Weniger Parteien und Verbände als sonst üblich, dafür viele phantasievolle, selbstgebastelte Plakate. Über 150 Länder weltweit sollen sich am Klimastreik beteiligt haben, hoffentlich ein wichtiges Signal für die Weltklimakonferenz in Madrid (2. - 13. Dezember). Pessimismus sei letzten Endes nur Faulheit, sagte der Polarforscher Dirk Notz auf der Abschlusskundgebung in Hamburg. Wir hätten keine Zeit dafür. Und wenn man sieht, was "Fridays for Future" in relativ kurzer Zeit weltweit auf die Beine gestellt hat, dann macht das auch wirklich Hoffnung. Hier noch ein paar Impressionen aus Hamburg:













Donnerstag, 28. November 2019

MoMo11: Macht Selbermachen glücklich?

Vor kurzem habe ich eine Fernsehsendung über sozialwissenschaftliche Experimente gesehen. In einer Anordnung sollten die Versuchspersonen ein quietschgelbes Regal zusammenbauen und anschließend notieren, wie viel Geld sie bereit wären, für das Regal zu bezahlen. Anschließend wurde eine neutrale Gruppe dasselbe gefragt. Das Ergebnis: Die Personen, die das Regal gebaut hatten, waren in jedem Fall bereit, mehr dafür auszugeben und verteidigten auch Mängel, die sie beim Zusammenbauen vermurkst hatten. ("Gibt dem Regal eine individuelle Note.")

Individuelle Note
Das ist einer der Gründe, warum ich glaube, dass Selbermachen (oder Di-Ei-Wei, DIY = Do-it-yourself, wie es heutzutage heißt) ziemlich oft glücklich macht: Man entwickelt dabei eine Beziehung ("Resonanz") zu dem hergestellten Gegenstand, ob es nun die selbstgebackenen Plätzchen, der selbstgebaute Schreibtisch, die selbstgenähte Hose oder die handgefertigten Tagebücher sind. Man hat eine kleine gemeinsame Geschichte, hat sozusagen was zusammen erlebt.

Aber es gibt natürlich auch noch andere Gründe:

Montag, 25. November 2019

MoMo11: Das Glück der Fülle

Auf der Suche, nein, nicht nach dem Glück, sondern nach Büchern über das Glück, bin ich auf ein schmales Bändchen des Philosophen Wilhelm Schmid gestoßen, das mir gut gefallen hat.

Schmid unterscheidet verschiedene "Glücke". Das ist zunächst das Zufallsglück (engl. luck, frz. fortune). Der Lottogewinn, die unverhoffte Begegnung, das unerwartete Angebot. Das Zufallsglück kann nicht geplant werden, der Mensch kann nur versuchen, offen dafür zu sein und "das Schmetterlingsnetz bereithalten, in dem ein Zufall sich verfangen kann".

Dann gibt es das Wohlfühlglück (engl. happiness, frz. bonheur). Gesund sein, sich wohl fühlen, Spaß und Erfolg haben, Lust empfinden, Abenteuer erleben, also all die Dinge zur Verfügung haben, die als positiv und erstrebenswert gelten. Anders als das Zufallsglück kann man für das Wohlfühlglück einiges tun, es ist "machbar". Doch es ist nicht von Dauer, das klingt schon im französischen Bonheur, der "guten Stunde" an. Auch vom exquisitesten Essen wird man irgendwann satt, auch der tollste Sex ist irgendwann zu Ende und der Zauber des Neuanfangs verfliegt und weicht der Routine. "Dass das Leben Höhen und Tiefen kennt..., weiß auch der moderne Mensch, aber in seinen Augen kommt eigentlich nur den Höhen ein Recht auf Existenz zu, die Tiefen haben es verwirkt, ihnen droht die Höchststrafe der Moderne, die Abschaffung und Entsorgung."

Dem setzt Schmid das Glück der Fülle entgegen, das die grundsätzliche Polarität des Lebens mit heiterer Gelassenheit akzeptiert. "Nicht nur Gelingen, auch Misslingen; nicht nur Erfolg, auch Misserfolg; nicht nur Lust, auch Schmerz; nicht nur Gesundheit, auch Krankheit; nicht nur Fröhlichsein, auch Traurigsein; nur nur Zufriedensein, auch Unzufriedensein. Nicht nur erfüllte, sondern auch leere Tage..." Das erfüllte Leben sei dann wie das Atmen zwischen beiden Polen. "Die gesamte Weite der Erfahrungen zwischen Gegensätzen vermittelt erst den Eindruck, wirklich zu leben und das Leben voll und ganz zu spüren." Anders als Zufalls- und Wohlfühlglück ist das Glück der Fülle von Dauer, da es nicht nur eine Gelegenheit oder ein Moment ist, sondern eine grundsätzliche Haltung dem Leben gegenüber.

Doch eigentlich, so Schmid, geht es bei der ganzen hektischen Suche nach dem Glück um etwas anderes.

Mittwoch, 20. November 2019

MoMo11: Glück und Gene

Gibt es so etwas wie Glückskinder? Menschen, die schon mit einer besonderen Veranlagung für das Glück auf die Welt kommen? Es scheint so. Tatsächlich halten Wissenschaftler 30 - 50 Prozent unseres persönlichen Glückslevels - oder sagen wir: unseres "subjektiven Wohlbefindens" - für angeboren, den Rest machen Lebensumstände (ca. 40 Prozent) und der Zufall aus. Untersucht hat man das an eineiigen Zwillingen, die kurz nach der Geburt getrennt wurden. Man stellte fest, dass ihr subjektives Glücksempfinden sich - anders als bei genetisch weiter entfernten Personen - kaum voneinander unterschied, obwohl sie in ganz anderen Umständen aufgewachsen waren.

Bei den genetischen Voraussetzungen spielen die Anzahl der Glücksbotenstoffe (Dopamin, Serotonin, Endorphin, Noradrenalin, Oxytocin) eine Rolle und Unterschiede in den Rezeptoren, die diese Botenstoffe aufnehmen und verarbeiten. Außerdem werden angeborene Persönlichkeitsmerkmale dazu gezählt, die kaum veränderbar sind. So scheinen vor allem fünf Eigenschaften positiv mit Glücksempfinden zu korrelieren: emotionale Stabilität, Extrovertiertheit, Offenheit gegenüber neuen Erfahrungen, Verträglichkeit im Umgang mit anderen und Gewissenhaftigkeit.

Das kann man ungerecht finden. Ist es auch. Aber andererseits haben so auch Menschen, denen Liebe, Sicherheit oder Reichtum nicht in die Wiege gelegt wurden, eine Chance auf Glück.
Es ist wie mit der Gesundheit. Auch da spielen die Gene eine nicht unerhebliche Rolle, aber unser Lebensstil ist ebenfalls von Bedeutung. Und das ist auch hier die gute Nachricht: Mindestens die Hälfte unseres Glücksgefühls können wir selbst beeinflussen und entwickeln. Jeder ist also sozusagen seines halben Glückes Schmied.

Sonntag, 17. November 2019

MoMo11: But beautiful - der Film zum Glück

Passend zu meinem Monatsmotto "Glück" ist letzten Donnerstag der neue Film von Erich Wagenhofer in die Kinos gekommen. In seinen letzten Dokumentarfilmen hat er sich mit der Lebensmittelindustrie, Finanzsystemen und Bildungsvorstellungen auseinandergesetzt. Für diesen Film hat er sich auf die Suche nach Menschen gemacht, die in ihrem Wunsch nach einem guten, gelungenen, eben glücklichen Leben neue Wege beschreiten. "Frauen ohne Schulbildung, die Solaranlagen für Dörfer auf der ganzen Welt bauen. Permakultur-Visionäre auf La Palma, die Ödland in neues Grün verwandeln. Ein Förster, der die gesündesten Häuser der Welt entwickelt. Ein geistliches Oberhaupt mit Schalk und essentiellen Botschaften und seine tibetische Schwester, mit großem Herzen für die Jugend. Ein junges Jazztrio, ein etablierter Pianist, eine beseelte kolumbianische Sängern, die uns den Klang der Schönheit vermitteln", heißt es im Flyer zum Film.
Ein Film zudem mit großartigen Landschaftsbildern, der inspiriert und Lust auf Veränderungen im eigenen Leben macht. Ich wünsche mir mehr solcher Filme!