"Was machen Sie beruflich?"


Das berufliche Leben als Patchwork, entstanden aus Neigungen, Begabungen und - dem Zufall. Einige "Grundfarben" tauchen immer wieder auf und halten alles zusammen. Mein besonderes Interesse gilt: Sprache(n); anderen Menschen und ihren Lebensgeschichten; alternativen Lebensentwürfen jenseits von Konsum und Hektik; fremden Kulturen (insbesondere China) und den reizvollen Unwägbarkeiten interkultureller Begegnungen.

Sonntag, 17. November 2019

MoMo11: But beautiful - der Film zum Glück

Passend zu meinem Monatsmotto "Glück" ist letzten Donnerstag der neue Film von Erich Wagenhofer in die Kinos gekommen. In seinen letzten Dokumentarfilmen hat er sich mit der Lebensmittelindustrie, Finanzsystemen und Bildungsvorstellungen auseinandergesetzt. Für diesen Film hat er sich auf die Suche nach Menschen gemacht, die in ihrem Wunsch nach einem guten, gelungenen, eben glücklichen Leben neue Wege beschreiten. "Frauen ohne Schulbildung, die Solaranlagen für Dörfer auf der ganzen Welt bauen. Permakultur-Visionäre auf La Palma, die Ödland in neues Grün verwandeln. Ein Förster, der die gesündesten Häuser der Welt entwickelt. Ein geistliches Oberhaupt mit Schalk und essentiellen Botschaften und seine tibetische Schwester, mit großem Herzen für die Jugend. Ein junges Jazztrio, ein etablierter Pianist, eine beseelte kolumbianische Sängern, die uns den Klang der Schönheit vermitteln", heißt es im Flyer zum Film.
Ein Film zudem mit großartigen Landschaftsbildern, der inspiriert und Lust auf Veränderungen im eigenen Leben macht. Ich wünsche mir mehr solcher Filme!

Dienstag, 12. November 2019

MoMo11: Macht Ausmisten glücklich?

Vor einiger Zeit habe ich auf einer Veranstaltung eine Frau getroffen, die erzählte, dass sie ihren ganzen Besitz auf 500 Dinge reduziert hat (und dazu gehören auch Teller, Löffel, Socken...). Sie hat mehrere Monate dafür gebraucht. Das Ganze lag schon ein Jahr zurück und sie war immer noch überrascht, wie positiv sich dieses Reduzieren auf ihr Leben ausgewirkt hat. Seitdem habe sie mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leichtigkeit...
Wir dürfen bleiben!
Damit liegt sie voll im Trend. Recherchiert man im Netz zu "Glück und Aufräumen" finden sich viele Ratgeber. Von "Ballast abwerfen", "Platz für die wesentlichen Dinge des Lebens", "loslassen" und "durchatmen" ist die Rede. Wie sehr das Thema den Nerv der Zeit trifft, kann man auch an der erstaunlichen Karriere der "Ordnungspäpstin" Marie Kondo sehen, einer 35jährigen US-Japanerin, die 2011 ihr erstes Buch über ihre Ordnungsmethoden veröffentlichte und damit einen Weltbestseller landete. Mittlerweiler bildet sie international BeraterInnen aus, die nach ihrer "KonMari-Methode" arbeiten, hat eine Doku-Serie bei Netflix und wurde vom Time Magazin 2015 zu einer der hundert einflussreichsten Personen weltweit gekürt. Wenn es nach ihr geht, sollte man nur Dinge behalten, die einen glücklich machen, alles andere kann weg.

Der Trend zeigt vor allem, dass wir in einer Überflussgesellschaft leben, zu viel konsumieren und dass uns das nicht glücklich macht. Natürlich kann es befreiend sein auszumisten, trotzdem glaube ich persönlich nicht an einen extrem minimalistischen Einrichtungsstil. Warum?

Mittwoch, 6. November 2019

MoMo11: Zahlenwirrwarr im Glücksatlas

Noch einmal zum Thema Glücksatlas Deutschland 2019. Es hat mir keine Ruhe gelassen, dass ich auf andere Zahlen komme, als die, die in der Pressemitteilung stehen und die natürlich auch von allen Medien verbreitet werden. Ich habe mir deshalb heute noch einmal die Zahlen der einzelnen Regionen von 2018 genau angesehen und sie mit 2019 verglichen. Demnach stimmt es gar nicht, dass die Deutschen so zufrieden sind wie noch nie, sie sind sogar minimal unzufriedener als vor einem Jahr und der Abstand zwischen West und Ost ist keineswegs auf einem historischen Tiefstand, sondern hat sich so gut wie nicht verändert. Warum schreiben dann alle etwas anderes? Mache ich irgendeinen Denkfehler?
Hier meine Daten zum Nachprüfen:
Qelle Zahlen 2019: Infografiken 19 Regionen. aus: Deutsche Post Glücksatlas 2019
Quelle Zahlen 2018: Reinhard Schlinkert / Bernd Raffelhüschen: Deutsche Post Glücksatlas 2018, S. 30



Regionen
2019
2018
Differenz
1
Schleswig-Holstein
7,44
7,44
0
2
Hessen
7,31
7,27
+0,04
3
Hamburg
7,27
7,36
-0,09
4
Franken
7,27
7,26
+0,01
5
Bayern-Süd
7,26
7,22
+0,04
6
Nordrhein/Köln
7,23
7,24
-0,01
7
Baden
7,21
7,23
-0,02
8
Rheinl.-Pfalz/Saarland
7,21
7,23
-0,02
9
Württemberg
7,21
7,16
+0,05
10
Niedersachsen/Hannover
7,19
7,19
0
11
Niedersachsen/Nordsee
7,18
7,20
-0,02
12
Nordrhein/Düsseldorf
7,15
7,16
-0,01
13
Westfalen
7,12
7,13
-0,01
14
Thüringen
7,09
7,03
+0,06
15
Sachsen
6,98
6,91
+0,07
16
Berlin
6,93
6,94
-0,01
17
Sachsen-Anhalt
6,92
6,88
+0,04
18
Mecklenb.-Vorpommern
6,87
6,96
-0,09
19
Brandenburg
6,76
6,84
-0,08


Durchschnitt ges.(19)
Durchschnitt West (13)
Durchschnitt Ost (6)
135,6
7,14
7,23
6,93
135,65
7,14
7,24
6,93

Dienstag, 5. November 2019

MoMo11: Machen Schafe glücklich?

Wie es der Zufall so will, ist gerade heute der Glücksatlas für Deutschland 2019 vorgestellt worden. Seit neun Jahren gibt die Deutsche Post (Warum die Post??) jährlich diese Studie in Auftrag. Und dabei hat man festgestellt, dass die Menschen in Deutschland so zufrieden sind wie noch nie. Auf einer Skala von 1 (ganz mies) bis 10 (super) liegt der Durchschnittswert jetzt bei 7,14. Spitzenreiter ist, wie schon in den letzten Jahren, Schleswig-Holstein (7,44), gefolgt von Hessen und Hamburg, das Schlusslicht bildet wieder Brandenburg mit 6,76. Alle sechs ostdeutschen Regionen (inkl. Berlin) liegen unter dem Durchschnitt auf den letzten Plätzen. Aber angeblich nähern sich der Westen und der Osten immer weiter an und unterscheiden sich nur noch um 0,17 Punkte. Nach meiner Rechnung sind es zwar 0,3, aber ich will keine Spielverderberin sein. (Wer selber nachrechnen oder wissen möchte, wie es um seine Region bestellt ist, kann sich hier die Info-Grafiken herunterladen.)

Das wirft jetzt eine Reihe von Fragen auf?
  1. Wenn die Deutschen so zufrieden sind, warum hat dann die AfD solche Wahlerfolge?
  2. Wie ist Glück in dieser Studie überhaupt definiert und wie wird es gemessen?
  3. Und warum Schleswig-Holstein? Machen Schafe glücklich?

Sonntag, 3. November 2019

Elfter Mottomonat 2019: Glück

Jawohl, das Thema dieses Monats ist "Glück". Allen schlechten Nachrichten aus der Welt zum Trotz und gerade im kalten, grauen Monat November, der nicht unbedingt den Ruf hat, an der Ausschüttung von Glückshormonen entscheidend beteiligt zu sein.
Im Sommer vor acht Jahren hatte ich schon einmal die Idee, mich intensiver mit dem Glück zu befassen. Ich begann einen Blog mit dem Titel "Glücksversuch", den ich aber nach drei Beiträgen bis heute wieder ruhen ließ.
"Was ist Glück?", fragte ich mich dort. "Ein intensiver Moment? Die Abwesenheit von Schmerz? Etwas, das von außen über mich kommt? Oder hängt es von mir selbst ab, wie glücklich ich werden kann? Gehört das Glück zu einem gelungenen Leben? Und was macht mich wirklich glücklich? Ein Versuch, dem Glück auf die Spur zu kommen. So konkret wie möglich, so theoretisch wie nötig."

Nun will ich diesen Fragen wenigstens einen Monat lang wieder nachgehen.
He comitido el peor de los pecados que un hombre puede cometer, no he sido feliz.
Ich habe die schlimmste Sünde begangen, die ein Mensch begehen kann, ich war nicht glücklich.
Jorge Luis Borges (1899-1986), argentinischer Schriftsteller

Freitag, 1. November 2019

MoMo10: Resümee "China-Buch"

Das Motto dieses Monats war im Grunde eine Notlösung. Ich dachte, dass ich sowieso zu nichts anderem komme, wenn ich mich mit dem China-Buch beschäftige, also mache ich aus der Not eine Tugend.

Ich habe viel dabei gelernt, u.a. habe ich mich beschäftigt mit
- Schönheitsoperationen weltweit
- der antiken Vier-Elemente-Lehre
- chinesischen Sprichwörtern
- Toilettenrevolutionen
- der Wirkungsweise von Whitener-Cremes
- Hightec-Toiletten
- Gedichten über den Taishan
- Rassismus bei Kant ....

Das Recherchieren und Schreiben hat mir Spaß gemacht. Trotzdem habe ich gemerkt, dass es problematisch ist, Berufliches und Mottomonate miteinander zu verquicken. Es nimmt den Mottomonaten viel von ihrer Selbstbestimmtheit und Leichtigkeit. Also werde ich meine Themen dafür in Zukunft wieder anders auswählen und darauf achten, dass auch in beruflich angespannteren Zeiten Raum dafür bleibt.

Dienstag, 29. Oktober 2019

Deutschland-Chinesen 2: Qiu Fazu

Hier der zweite Teil meiner Reihe über Chinesen, die eine besondere Beziehung zu Deutschland hatten. In diesem Fall ist es auch noch eine berührende deutsch-chinesische Liebesgeschichte.

Autobiographie (2011)
Qiu Fazu hat viele Beinamen: "chinesischer Wunderarzt", "Schindler des Ostens", "Vater der chinesischen Chirurgie", "Brückenbauer" - und alle haben ihre Berechtigung. Geboren 1914 als jüngstes von sieben Kindern einer christlichen Familie in Hangzhou, gelingt es ihm, dank ausgezeichneter Noten, mit 18 Jahren an der medizinischen Fakultät der renommierten Tongji-Universität in Shanghai angenommen zu werden. Da diese auf die 1907 von dem Arzt Erich Paulun gegründete "Deutsche Medizinschule für Chinesen" zurückgeht, ist der deutsche Einfluss dort sehr stark. Die meisten Dozenten kommen aus Deutschland und alle Studierenden müssen die deutsche Sprache lernen. Nach dem Vorklinikum geht Qiu 1937 nach Deutschland und schreibt sich an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München ein. Ihm gefällt, dass das Studium "keine sture Paukerei", sondern praxisorientiert ist. Zwei Jahre später macht er seinen Doktor, entscheidet sich für die Fachrichtung Chirurgie und bewirbt sich am Lehrkrankenhaus der LMU in Schwabing. Der Chefarzt der Chirurgie macht ihn bald zu seinem persönlichen Assistenten und schützt ihn vor Anfeindungen, denen er als Asiate ausgesetzt ist. So fordert etwa ein Kollege, Mitglied der SS, die Krankenhausleitung auf, Qiu das Untersuchen deutscher Patienten zu verbieten, kommt damit jedoch nicht durch.