"Was machen Sie beruflich?"


Das berufliche Leben als Patchwork, entstanden aus Neigungen, Begabungen und - dem Zufall. Einige "Grundfarben" tauchen immer wieder auf und halten alles zusammen. Mein besonderes Interesse gilt: Sprache(n); anderen Menschen und ihren Lebensgeschichten; alternativen Lebensentwürfen jenseits von Konsum und Hektik; fremden Kulturen (insbesondere China) und den reizvollen Unwägbarkeiten interkultureller Begegnungen.

Dienstag, 23. Juli 2019

MoMo7: Bilder mit Rasierschaum

Als ich im Internet danach suchte, wie man möglichst einfach marmoriertes Papier herstellen kann, bin ich auf eine Technik mit Rasierschaum (!???) gestoßen. Das wollte ich unbedingt mal ausprobieren:

Man sprüht zuerst reichlich Rasierschaum in eine Schüssel oder auf einen Teller, streicht ihn einigermaßen glatt und tropft dann Farbe drauf. Im Internet nehmen sie oft Stempelfarbe, ich hatte noch ein paar alte Tinten, die ich verwendet habe. Angeblich kann man auch Acrylfarbe nehmen.






Dann zieht man ein Schaschlikstäbchen (oder einen Pinselstiel etc.) kreuz und quer durch die Farbe. (Im Beispiel hier habe ich nur weinrote Tinte benutzt.)









Anschließend legt man ein Blatt Papier auf die Farbe und drückt es vorsichtig an. Ich dachte, das Papier muss saugfähig sein, deshalb habe ich Aquarellpapier benutzt, aber anderes Papier geht vielleicht auch. Da ich eine größere Fläche wollte, habe ich das Papier gefaltet, es vorsichtig abgezogen und mit der anderen Seite noch mal auf die Farbe gedrückt.




So sieht das Papier aus, wenn man es abgezogen hat. Voller Schaum natürlich. Jetzt kommt der spannendste Moment: Man streift den Schaum mit einem Lineal ab (am einfachsten geht ein Geodreieck). Wenn man Stempelfarbe oder Tinte benutzt hat, kann man das sofort machen. Bei Acrylfarbe sollte man eine Weile warten, damit die Farbe Zeit hat einzuziehen.





Und so sieht dann das fertige Papier aus. Ich war ziemlich begeistert.













Hier noch ein paar Beispiele:


Das ist kein Aquarell- , sondern rauhes Malpapier. Geht auch.


Freitag, 19. Juli 2019

MoMo7: Kleisterpapier

Mein Zimmer hat sich mittlerweile in eine Bastelstube verwandelt. Plötzlich kommen Dinge wieder ans Licht, die jahrelang vergessen in diversen Schubladn schlummerten, alte Plakafarben, Aquarellblöcke, Tintenfässer...

Diese Woche habe ich zum ersten Mal Kleisterpapiere hergestellt. Ich habe dafür farbiges Papier genommen, Kopierpapier und Fotokarton. Man kann aber auch weißes Papier nehmen und sich dann den Hintergrund selbst so bemalen, wie man ihn haben will.
Also erst einmal Tapetenkleister anrühren und auf den Untergrund auftragen. (Ich hatte ganz vergessen, wie viel Spaß es macht, Kleister zu verpinseln!). Danach weiteren Kleister mit einer wasserlöslichen Farbe anrühren (Plaka, Acryl, Pigmente ...) und eine Farbschicht aufpinseln. Jetzt kommt der kreative Teil: Man kann die Farbschicht mit allen möglichen Werkzeugen bearbeiten (Spachtel, Schaschlikstäbchen, Kamm, Zahnbürste, Finger, Glasdeckel...). Dadurch wird der andersfarbige Hintergrund teilweise freigelegt und es entstehen interessante Muster. Man kann Ton in Ton arbeiten, also zum Beispiel dunkelblau auf hellblau, oder mit starken Konstrasten, wie rot-grün, schwarz-weiß. Hier ein paar Beispiele von letzter Woche:

Dunkel- auf Hellblau, Schaschlikstäbchen und zerknülltes Papier
Weiß auf Schwarz, Spachtel und Schaschlikstäbchen
Rot auf Lila, verschiedene Dosendeckel
Grün auf Rot, Walze und Spachtel
Rot auf Gelb, Finger und Pinselstiel

Sonntag, 14. Juli 2019

MoMo7: Servietten - nicht nur zum Mundabwischen

Letzte Woche habe ich endlich meine gesammelten Servietten vor mir ausgebreitet und mich in der "Serviettentechnik" versucht.
Eigentlich ist es ganz einfach: Man zieht den dünnen, bedruckten Teil der Serviette ab, reißt ihn - je nach Motiv und Unterlage - in größere oder kleinere Stücke und klebt diese mit einem speziellen Leim und Pinsel auf eine Unterlage.
Im Internet gibt es viele Anleitungen und Anregungen dafür, deshalb muss ich das hier nicht weiter ausführen. So wird jedenfalls recht schnell aus einer weißen Pappschachtel eine hübsche Geschenkverpackung. Oder aus einem billigen Plastikteil ein romantisches Rosendöschen.

Man kann damit auch sehr viel aufwändigere Dinge herstellen, Möbel verzieren, Vasen gestalten etc. Für mich war das jetzt ein erster Versuch. Ich finde, es ist eine sehr angenehme, beruhigende Tätigkeit. Ich sitze da, pinsele vor mich hin, kann dabei Radio hören und Tee trinken... Und fast nebenher entsteht etwas Hübsches, über das ich mich freue.
Ich werde sicher in Zukunft überall nach schönen und interessanten Servietten Ausschau halten!


Hier meine gesammelten "Werke" von dieser Woche. Ich habe mit verschiedenen Untergründen experimentiert, Pappe, Plastik, Metall. Besonders stolz bin ich auf das blaue Döschen in der Mitte. Es ist aus dem unteren Teil einer Plastikflasche entstanden. Die Serviette war eigentlich ziemlich hässlich, mit blauen Weihnachtskugeln. Aber durch geschicktes Reißen und Kleben sind nur schöne Blautöne geblieben.

Mittwoch, 10. Juli 2019

MoMo7: Buchbinden und Frottieren

Das war ein richtig schönes Wochenende bei Elvira in ihrem "Atelier zum See"! Draußen war es kühl und regnerisch. Dafür schnitten, falzten, kleisterten und frottierten wir drinnen umso begeisterter vor uns hin, nur unterbrochen von gelegentlichem Kochen, Ratschen und Katzen streicheln.
Wir hatten uns für ein Buchbindeprojekt entschieden: Eine Art Sammelordner, in den man mit Hilfe von Gummibändern andere Hefte (zum Beispiel von den Mottomonaten) einhängen kann. Mir war gar nicht klar, wie viele verschiedene Arten es gibt, Bücher zu binden. Hier nur ein paar Beispiele, die uns Elvira zeigte:


Und so sahen unsere Sammelordner dann aus:


Am zweiten Nachmittag/Abend zeigte uns Jupp dann, welche Möglichkeiten die Frottagetechnik bietet, die er oft für seine Bilder benutzt. Dabei frottiert er einen geeigneten Untergrund mit Wachsstiften und koloriert anschließend das Bild mit Wasserfarben.
Beispiel mit einem Blatt: Durch die (leicht verschobene) Frottage mit weißem und schwarzem Wachs entsteht ein dreidimensionaler Eindruck.

Donnerstag, 4. Juli 2019

Siebter Mottomonat 2019: Basteln

Basteln? Ich gebe zu, ich kann mir auch noch nicht so richtig was darunter vorstellen. Abgesehen davon, dass ich schon seit Monaten Servietten sammle, weil ich mal "Serviettentechnik" ausprobieren wollte. Aber wir fahren am Freitag zu einer Freundin aufs Land nach Schleswig-Holstein. Sie malt, druckt, bindet Bücher, stellt Papiere her, macht ganz viele tolle Sachen .... und hat uns zu einem kreativen Wochenende in ihr Haus eingeladen. Es ist die Freundin, von der ich ein Bild für den Neujahrs-Post verwendet habe (siehe).
Ich dachte, wenn der Monat schon so anfängt, dann mache ich damit auch gleich weiter.

Mottomonate sind so, wie wenn man im Radio eine Frequenz einstellt: Sobald man die Frequenz gefunden hat, hört das ganze Rauschen auf und man kann etwas hören und verstehen. Und sobald man sich für ein Motto entschieden hat, kommen plötzlich von überall her Ideen und Anregungen, die sonst im allgemeinen Grundrauschen untergehen. Im Moment bin ich noch dabei, den Sender einzustellen.

Hier noch zwei Bilder von früheren "Basteleien". Eine Weile habe ich mit Begeisterung Marionetten gemacht, meistens Frauenfiguren. Das ist schon viele Jahre her, aber ich bewahre immer noch in einer Schachtel unter dem Bett verschiedenes Zubehör auf. Und bisher widersteht diese Schachtel hartnäckig allen Aufräumaktionen.

Saxophonspielerin
Else

Dienstag, 2. Juli 2019

MoMo6: Resümee

Der Monat mit dem Motto "Körper und Bewegung" war auf jeden Fall sehr bewegt: wandern, schwimmen, trimmen... 
Ich habe auch tatsächlich mein altes Fahrrad wieder aus dem Keller geholt, einen neuen Sattel gekauft und das Licht reparieren lassen. Der Fahrradmonteur war beeindruckt: "Das Rad ist ja ein echter Oldtimer! Das hat bestimmt schon 80 Jahre auf dem Buckel." Das kann schon sein, es ist das alte Fahrrad von meiner Mutter. Inzwischen habe ich auch schon die erste Fahrradtour hinter mir und der neue Sattel hat sich bewährt.
Und ich habe letzte Woche meine erste Taijiquan-Probestunde genommen. Eine Freundin hat mich mitgeschnackt und es hat mir gut gefallen. Die Gruppe ist klein und die Lehrerin wirkt sympathisch und kompetent. Sie macht schon seit vielen Jahren Taiji und hat eines der ersten Taiji-Studios in Hamburg eröffnet. (mehr) Viel mehr kann ich nach einem Mal noch nicht sagen. Ende des Monats ist Sommerpause, danach bin ich weg. So richtig einsteigen werde ich also wohl erst im Oktober.

Zu kurz gekommen ist im letzten Monat auf jeden Fall der Wellness-Aspekt. Keine Massagen, keine Sauna, kein Hamam... aber es war ja auch sehr heiß.

Sonntag, 30. Juni 2019

MoMo6: Kurzer Abriss meiner sportlichen Laufbahn


Mit etwa zwei Jahren
Ich habe versucht, Kinderfotos zu finden, die mich bei einer sportlichen Aktivität zeigen, aber die Ausbeute war gering. Was nicht nur darin liegt, dass man damals noch nicht alles fotografiert hat.
In meiner Familie wurde Sport weder abgelehnt noch gefördert, er spielte einfach keine Rolle. Meine Eltern fanden ihr Leben wohl auch ohne sportliche Betätigung anstrengend oder ausgefüllt genug.


Die berühmte Reckstange, rechts: ich mit zehn Jahren
Als Kinder liefen meine Schwester und ich im Sommer nach dem Essen schnell aus dem Haus zu den anderen Kindern aus der Nachbarschaft. Wir spielten Ball und Fangen, später auch Tischtennis, und kamen mit grasgrünen Füßen zurück. Es gab eine Reckstange, an der wir Kunststücke übten. Wir wollten eine Zirkusvorstellung für die Eltern geben, aber daraus wurde nie etwas. Reck war denn auch das einzige Gerät, an dem ich im Sportunterricht einigermaßen glänzen konnte. Alles andere fand ich furchtbar. Ich hatte Angst vor den Geräten, Angst zu versagen, Angst mir weh zu tun, Angst ausgelacht zu werden. Vor den Bundesjugendspielen hatte ich Albträume und stellte mir vor, wie ich mich vor all den Zuschauern blamieren würde. Später, während der Pubertät, sehe ich mich in der Erinnerung vor allem auf einem Sofa oder Liegestuhl sitzen, Kekse essend und in ein Buch vertieft.

Selbst das Wandern entdeckte ich erst mit Mitte zwanzig. Ich studierte damals in Saarbrücken, das Elsass und Lothringen lagen nahe, ich ließ mich von Freunden zu kleinen Touren überreden. Seitdem habe ich viele schöne Wanderungen gemacht. Die schönsten dauerten mehrere Tage, einmal an der Tigersprungschlucht in Südchina und fünf Tage in den Rhodopen in Bulgarien. Beim Wandern genieße ich das Gefühl von Stärke und Kraft, aber das Entscheidende ist die Natur. Der würzige Duft im Wald, die Blumenwiesen, die grandiosen Ausblicke von den Gipfeln.

Später kam Tanzen dazu, viele Jahre habe ich intensiv Tango getanzt, später auch Swing. Aber das hatte für mich nichts mit Sport zu tun. Es war die Freude an der Musik, an der gemeinsamen Bewegung mit einem anderen Menschen. Tanzen hat mir den Weg zu anderen Kulturen, Sprachen und Welten geöffnet.
Auch Yoga habe ich irgendwann mit Mitte 20 mal angefangen und viele Jahre später, nach der Rückkehr aus China, wieder aufgegriffen. Inzwischen habe ich mir aus Kursen, Büchern, und Videos ein eigenes Programm zusammengestellt, das ich ziemlich regelmäßig durchführe.

Während ich das schreibe, stelle ich fest, dass alles, was ich längerfristig an "Sport" gemacht habe und mache, für mich etwas haben muss, was über die bloße Bewegung hinausgeht. So wie es mir beim Wandern um die Natur geht oder beim Tanzen um Musik und andere Kulturen, so gefällt mir an Yoga und auch an Taijiquan, dass diese Bewegungen schon vor langer Zeit entwickelt wurden und dass dahinter eine Philsophie steckt.
Deshalb konnte ich mich wohl auch nie mit Fitnessstudios und Sportgeräten anfreunden. Als Reha-maßnahme, aus Gesundheitsgründen, kann das sinnvoll sein, aber ich stelle es mir langweilig vor. Ich verstehe auch nicht, warum Menschen mit einem Mountainbike halsbrecherisch Berge herunterrasen oder 24 Stunden bzw. 100 Kilometer am Stück laufen wollen. Olympiaden, Rad- oder Skirennen und dergleichen interessieren mich ebenfalls nicht. Für mich hat Sport nichts mit Wettkampf und Leistungsvergleich zu tun und schon gar nicht mit nationaler Ehre, sondern mit persönlicher Weiterentwicklung - nicht nur auf körperlicher Ebene.