"Was machen Sie beruflich?"


Das berufliche Leben als Patchwork, entstanden aus Neigungen, Begabungen und - dem Zufall. Einige "Grundfarben" tauchen immer wieder auf und halten alles zusammen. Mein besonderes Interesse gilt: Sprache(n); anderen Menschen und ihren Lebensgeschichten; alternativen Lebensentwürfen jenseits von Konsum und Hektik; fremden Kulturen (insbesondere China) und den reizvollen Unwägbarkeiten interkultureller Begegnungen.

Sonntag, 5. August 2018

Tingeltangel

In Hamburg, Dammtor, am 1. August 2018
Unser diesjähriger Urlaubsplan: Wir tingeln einen Monat durch Deutschland, besuchen Freunde und Verwandte und machen dabei Straßenmusik.

Morgen geht es los und wir sind schon ziemlich aufgeregt. Wir haben zwar ein bisschen in Hamburg geübt, aber dann wirklich unterwegs zu sein, ist doch noch mal was anderes. Auf jeden Fall eher Mutprobe als Erholungsurlaub.


Der (bisherige) Reiseplan: Hamburg - Hannover - Köln - Saarbrücken - München - Spessart - Berlin - Hamburg.

Mittwoch, 18. Juli 2018

Eine Lange Nacht über Franziska zu Reventlow


Der Titel für die Lange Nacht über die Schriftstellerin Franziska zu Reventlow ist ein verkürztes Zitat aus einem Tagebucheintrag von 1901: "Ich bin so reich und doch fehlt mir so viel." Der Satz fasst ein Leben zwischen überschäumender Lebenslust und tiefer Melancholie, unbändigem Freiheitsverlangen und Verlorenheit, vielen Beziehungen und wiederkehrenden Einsamkeitsgefühlen zusammen.
Für die Sendung habe ich mit der Urenkelin Andrea del Bondio, der Reventlow-Biografin Gunna Wendt und dem "Literarischen Spaziergänger" Dr. Dirk Heißerer gesprochen, der mir die Schwabinger Bohème näher brachte. Die Literaturwissenschaftlerin Dr. Kristina Kargl erzählte mir von einem bisher unbekannten Essay Reventlows, den sie mit einem Kollegen im Juni 2018 unter dem Titel "'Die Kehrseite des deutschen Wunders' - Franziska zu Reventlow und der Erste Weltkrieg" herausgebracht hat. Der Volk-Verlag ermöglichte mir schon vorab einen Blick in den Text, so dass ich in der Sendung daraus zitieren kann. Der Essay zeigt, dass Reventlow durchaus auch politsch dachte und eine der wenigen Personen war, die sich nicht vom deutschen Hurra-Patriotismus zu Beginn des Ersten Weltkrieges anstecken ließen.

Sendetermine:
28. Juli, Freitag/Samstagnacht: 00:05-3:00 Uhr, Deutschlandfunk Kultur
28./29. Juli, Samstag/Sonntagnacht: 23:05-2:00, Deutschlandfunk

Wer keine Nachteule ist, kann sich die Sendung anschließend noch eine Woche in der Mediathek anhören: https://www.deutschlandfunk.de/lange-nacht.703.de.html
Über die App des Deutschlandfunks kann man die Sendung auch herunterladen.

Viel Vergnügen beim Hören!

Freitag, 6. Juli 2018

EU-Flüchtlingspolitik

Aus aktuellem Anlass muss ich dieses Bild (ein Foto von einem Wandgemälde in Lissabon) leider noch einmal posten.


Anders als Seehofer und Co. habe ich 2015 nicht in erster Linie als Jahr der großen "Flüchtlings-Krise" im Gedächtnis. Ich erinnere mich vielmehr an eine überwältigende Hilfsbereitschaft. Es war, als ob viele Menschen nur darauf gewartet hätten, ihre Zeit, ihre Energie und auch ihr Geld sinnvoll einzusetzen. So viele wollten helfen, gaben Sprachunterricht, übernahmen Patenschaften, organisierten Kleiderspenden... Nicht zuletzt, weil es ihnen auch selbst gut tat. Es war ein schönes Gefühl, in einem Land zu leben, in dem Menschen Mitgefühl zeigen und nicht nur an sich denken. Und jetzt?

Montag, 29. Januar 2018

Die Lange Nacht der China-Deutschen am 3./4. Februar 2018

Aus dem Februar-Programmheft des Deutschlandfunk
Es war eine ganze Menge Arbeit für meine Kollegin Hilke Veth und mich, aber es hat auch viel Spaß gemacht und war oft sehr interessant: viele Treffen, Recherche in Archiven, spannende Gespräche und Interviews in verschiedenen Städten ...

Nun ist es bald soweit:
Am 3./4. Februar 2018 wird die Lange Nacht der China-Deutschen im Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur gesendet.
Die genauen Sendetermine: 
Die Nacht von Freitag auf Samstag (3.2.): 0:00 bis 3:00 (Deutschlandfunk Kultur)
Die Nacht von Samstag auf Sonntag (3./4.2.): 23:00 bis 2:00 (Deutschlandfunk)

Wer kein Nachtmensch ist, kann die Sendung noch eine Woche lang unter http://www.deutschlandfunk.de/lange-nacht.703.de.html nachhören.

Für die Sendung haben wir mit vielen Zeitzeugen gesprochen, unter anderem mit der Missionarstochter und späteren Missionslehrerin Berta Kleimenhagen, mit Wera Schönfeld, die als junge Frau das aufregende Leben in Shanghai genossen hat, aber auch mit Anita Günther, deren Großvater in Tangshan die erste Kloschüssel in China produziert hat. Sie und andere kommen in der Sendung zu Wort, außerdem China-Deutsche mit ihren Aufzeichungen und zeitgenössische Dokumente. Auf diese Weise entsteht - so hoffen wir - ein Kaleidoskop von Stimmen, das die wechselvolle Geschichte der Deutschen in China von der Mitte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts lebendig werden lässt.

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Mondfest

Heute ist das chinesische Mittherbst- oder Mondfest. In China war es mein Lieblingsfest. Im Idealfall sitzt man nachts mit der Familie oder Freunden in einem Park und betrachtet den Vollmond, der sich im Wasser spiegelt ...

Wochen vorher gab es in allen Supermärkten aufwändig verzierte Schachteln mit Mondkuchen. In Bussen, auf der Straße, überall trugen Leute diese Schachteln mit sich herum, die sie entweder geschenkt bekommen hatten oder selbst verschenken wollten. Gefüllt waren die Kuchen meistens (viel zu) süß, dazwischen oft ein salziges Eigelb. Aber es gab auch Varianten mit Fleisch oder modernere mit Eiscreme. Um ehrlich zu sein: Ich mochte am liebsten die Schachteln.

Trotzdem habe ich dieses Jahr zum ersten Mal versucht, selbst Mondkuchen zu backen. Zu meinem eigenen Erstaunen ist das machbar. Rezepte findet man im Internet. Als Füllung habe ich selbstgemachte rote Bohnenpaste verwendet. Hier ein paar Fotos von der Produktion und dem Ergebnis:

Zuerst wickelt man den Teig um die Füllung. Dann  presst man die so entstandene Kugel in eine Mondkuchenform.


Und dann bäckt man sie.

Sie waren so lecker, dass sie leider schon vor dem Mondfest gegessen waren. Aber zum Glück haben wir von chinesischen Freunden Mondkuchen geschenkt bekommen. In einer aufwändigen Verpackung ....


Freitag, 25. August 2017

Sommer - Sonne - Straßenmusik

Viel Sommer hatten wir dieses Jahr nicht in Hamburg. Aber Jupp und ich haben einen der wenigen Sonnentage genutzt, um uns mit Gitarre und Chalumeau auf die Straße zu wagen. Ein Passant machte dabei dieses Foto und hat es uns netterweise zugeschickt.


Montag, 5. Juni 2017

Berta Kleimenhagen

Berta Kleimenhagen, Febr. 2017
Im Februar 2017 hatte ich die Möglichkeit, in Stuttgart ein Gespräch mit Berta Kleimenhagen zu führen. Eigentlich hatte sie nach ihrem 100sten Geburtstag im November 2016 keine Interviews mehr geben wollen, aber sie ließ sich zum Glück dann doch überreden. Es waren zwei sehr interessante und anregende Tage für mich.
1916 in Changsha, in der Provinz Hunan, als Tochter des Missionarsehepaars Steybe geboren, lernt Berta als Kind ein China kennen, dass von gesellschaftlichen Umwälzungen und Naturkatastrophen geprägt und erschüttert wird. "Als Missionarstochter kannte ich von klein auf Bürgerkriege, Bedrohungen durch Räuber, Überschwemmungen, Hungersnöte
Berta Kleimenhagen mit Schulkindern 1949
und Seuchen." Als Älteste von fünf Geschwistern geht sie mit 13 Jahren allein nach Deutschland, um dort die Schule zu beenden. 1937, drei Wochen vor dem Ausbruch des Chinesisch-Japanischen Krieges, ist sie wieder in China. Sie unterstützt ihre Eltern, die sich um die chinesischen Flüchtlinge kümmern, die aus den Ostprovinzen strömen, begleitet ihre Mutter zu Bibelstunden und verteilt mit dem Vater Traktate. Schließlich kommt von der Mission die Anfrage, ob sie nicht bereit wäre, die Kinder der Missionare zu unterrichten. Mit viel Engagement widmet sie sich der neuen Aufgabe und bleibt auch in China, als ihre Eltern 1941 das Land verlassen. Immer wieder wird die kleine Schar der Schulkinder mit ihrer Lehrerin in den Kriegswirren vertrieben, immer wieder baut sie eine kleine Schule auf und ist den Kindern Halt und Elternersatz. Einige Jahre nach dem Ende des Krieges muss aber auch sie schließlich China verlassen. Später wird Berta Sekretärin und Sozialarbeiterin in Tübingen und Berlin. Sie reist in der ganzen Welt umher, immer wach und interessiert. Schon 1979 besucht sie mit ihren Schwestern auch wieder China und freut sich, dass sie sich immer noch im Hunan-Dialekt verständigen kann.

Es ist ein spannendes Leben, von dem mir Berta Kleimenhagen erzählt, und ich freue mich, dass ich sie kennenlernen durfte.
Mehr über sie im Artikel "Ich war immer zufrieden mit dem, was gerade war." im neuen StuDeO-INFO (>Artikel)