"Was machen Sie beruflich?"


Das berufliche Leben als Patchwork, entstanden aus Neigungen, Begabungen und - dem Zufall. Einige "Grundfarben" tauchen immer wieder auf und halten alles zusammen. Mein besonderes Interesse gilt: Sprache(n); anderen Menschen und ihren Lebensgeschichten; alternativen Lebensentwürfen jenseits von Konsum und Hektik; fremden Kulturen (insbesondere China) und den reizvollen Unwägbarkeiten interkultureller Begegnungen.

Mittwoch, 18. Februar 2026

Das Jahr des Feuerpferdes hat begonnen

Gestern wurde in China und in anderen Gegenden der Welt Neujahr gefeiert. Das Jahr des Pferdes hat begonnen. Das Pferd gilt als starkes, selbstsicheres, impulsives Tier. Ein Pferdejahr ist ein "aufregendes, lebhaftes Jahr. Das Leben ist hektisch und mit Abenteuern durchsetzt." In einem Pferdejahr sollte man zwar "all die verrückten Dinge tun, von denen man sonst nur träumt", aber auch darauf achten, sich nicht allzu sehr zu verausgaben. Zumal dieses Jahr auch noch das Feuer-Pferd dran ist, was die Tendenzen des Pferdes verstärkt. Und außerhalb des Privaten? "Industrie, Produktion und die Weltwirtschaft erleben einen Aufschwung, und in Politik und Diplomatie herrscht manchmal eine etwas gereizte Stimmung, aber die gute Laune hat das Übergewicht." Wir werden sehen. 
(Alle Zitate: Theorora Lau: Chinesische Astrologie. April 2000) 
 
Auf jeden Fall haben wir dieses Jahr getan, was wir konnten, um das Glück zu beschwören. In einem Laden in Berlin (sehr empfehlenswert: Yang Chinas Kultur) haben wir uns die typischen Spruchbänder kalligraphieren lassen, wie sie auch in China an der Haus- oder Wohnungstür angebracht werden. "Mögen Glück und Wünsche in Erfüllung gehen, möge das große Los hereinspaziert kommen." (links) "Mögen Frieden und Freude einkehren. Möge das Segensglück anklopfen" (rechts). So die Übersetzung des Kalligrafen. Ich hätte es etwas weniger poetisch übersetzt, aber es geht auf jeden Fall um Glück bei allen Unternehmungen. 
 
Und natürlich ist das Essen wichtig. Wir haben einige Nachbarn und Nachbarinnen zum chinesischen Feuertopf eingeladen und hatten einen sehr schönen Abend mit ihnen.  
Die aufregenden Zeiten gehen noch bis zum 6. Februar 2027. Dann beginnt das Jahr der Ziege, das ein bisschen entspannter zu werden verspricht.

Dienstag, 20. Januar 2026

Bücher im Januar (1)

Seit 1999 bin ich Mitglied in einer Lesegruppe bzw. einem Literaturkreis oder wie immer man das nennen will. Die Zusammensetzung hat sich zwischendurch geändert, aber seit vielen Jahren sind wir eine stabile Gruppe von acht Frauen. Wir treffen uns einmal im Monat reihum, es gibt zunächst ein köstliches Abendessen, wir quatschen über alles Mögliche, und dann reden wir über das Buch, das wir im Monat vorher ausgewählt haben. Unsere Kriterien: Das Buch ist ein Roman, wurde von einer Frau geschrieben und ist schon als Taschenbuch oder gebraucht erhältlich. 

Im Januar war endlich Antichristie von Mithu Sanyal an der Reihe. 

"Die Geschichte unserer Welt wurde immer wieder geändert.  Dafür musste ich nicht in die Vergangenheit reisen. Alles, was ich tun musste, war, die Geschichten zu ändern, die wir uns darüber erzählen." 

Ein unglaubliches Buch! Zeitreise, Krimimalgeschichte, Medienspektakel, historischer Roman, Essay, Familiengeschichte, Popkultur, alles drin und alles gehört zusammen. 

Die Drehbuchautorin Durga, Tochter eines indischen Vaters und einer deutschen Mutter reist nach London, wo sie in einem diversen Team an einer postkolonialen Variante einer Agatha-Christie-Verfilmung mitwirken soll. Dageben gibt es Widerstand, Demonstrationen vor dem Bürogebäude. Und dann stirbt auch noch die Queen, während Durga noch mit dem überraschenden Tod ihrer Mutter zu kämpfen hat. Plötzlich findet sie sich jedoch auch als junger indischer Mann im London zu Beginn des 20. Jahrhunderts wieder, im India House, wo sich damals die indischen Revolutionäre treffen, um die Unabhängigkeit Indiens zu planen. Wie kann richtiger Widerstand in einer falschen Welt aussehen, das ist hier die Frage. Gewaltfreiheit oder blutige Revolution? Wird man seinen Feinden ähnlich, wenn man zu den gleichen Mitteln greift wie sie? Die Frage wird nicht wirklich beantwortet, so viel sei hier verraten, sondern in ihrer ganzen Komplexität ausgebreitet, was ich großartig finde. Man sollte Sachen nicht einfacher machen, als sie sind. Ich habe in diesem Buch sehr viel über den englischen Kolonialismus, die indische Unabhängigkeitsbewegung und den Konflikt zwischen Moslems und Hindus gelernt. Schon weil ich ständig nachgegoogelt habe, um das alles besser zu verstehen. Aber das Buch ist gleichzeitig auch sehr witzig, vor allem in den Dialogen im Filmteam, und berührend, wenn es um etwa um die schwierige Beziehung zwischen Durga und ihrer Mutter geht. 

In der Lesegruppe waren die Reaktionen gemischt. Den meisten hat es gefallen, aber zwei haben nach einem Drittel aufgegeben. Das Buch war ihnen zu vielschichtig, thematisch zu überladen, zu viele unbekannte Namen, sie konnten keine Empathie für jemanden empfinden, was das Weiterlesen erleichtert hätte. In vielen Rezensionen wird das Buch ähnlich bewertet. Ich habe eine Weile gebraucht, um reinzukommen. Aber dann war es ein großes intellektuelles Vergnügen und ich habe mich jeden Tag aufs Weiterlesen gefreut. Große Empfehlung!!

Mithu Sanyal: Antichristie. Hanser Verlag, 544 Seiten. 

 

Dienstag, 13. Januar 2026

Winterzauber und dritte PRÜF-Demo in Hamburg

Bevor der ganze Schnee weggetaut ist, muss ich das Winterwetter in diesem Jahr noch einmal würdigen. Ja, es gab Schnee! In Hamburg! Und zwar richtig viel und er verwandelte sich auch nicht schon am nächsten Tag in Matsch, sondern blieb über eine Woche und verzauberte die ganze Umgebung.


Im nahe gelegenen Park wurden überall Schneemenschen gebaut. 

Das ist doch etwas sehr Schönes am Menschen, dachte ich bei mir: Diese Grundkreativität, die zum Vorschein kommt, sobald sich eine Gelegenheit bietet. Auch wenn alle wissen, dass die Kunstwerke schon bald wieder getaut sein werden. Oder den nächsten Kindergartenanstum nicht überstehen.

Alle schienen gute Laune zu haben. Von den Grabsteinen (der Park ist ein aufgelassener Friedhof) wurden Mini-Schanzen gebaut, auf denen Kinder juchzend Schlitten fuhren.


 


PRÜF-Demo am 10. Januar

Auch die dritte PRÜF-Demo in Hamburg (mehr) stand noch unter dem Zeichen des Schnees. Trotz des winterlichen Wetters waren wieder rund 5000 Menschen gekommen. 
 
Als wir nach etwa einer Stunde aufgefordert wurden, Schneemenschen zu bauen, war ich erst etwas ungnädig. Der Boden war festgetrampelt und ich wollte endlich losgehen, um meine kalten Füße wieder warm zu bekommen. Aber viele beteiligten sich offensichtlich mit viel Spaß an der Aktion. Am Ende sollen - laut Hamburger Abendblatt - fast 1000 Schneemenschen auf dem Platz zurückgeblieben sein. 
Als Mahnung an die Hamburger Bürgerschaft, die diese Woche am Mittwoch auf Antrag der regierenden SPD/Grünen über die Unterstützung eines AfD-Verbotsverfahrens debattiert und abstimmt.