"Was machen Sie beruflich?"


Das berufliche Leben als Patchwork, entstanden aus Neigungen, Begabungen und - dem Zufall. Einige "Grundfarben" tauchen immer wieder auf und halten alles zusammen. Mein besonderes Interesse gilt: Sprache(n); anderen Menschen und ihren Lebensgeschichten; alternativen Lebensentwürfen jenseits von Konsum und Hektik; fremden Kulturen (insbesondere China) und den reizvollen Unwägbarkeiten interkultureller Begegnungen.

Dienstag, 14. April 2026

Vortrag bei der Patriotischen Gesellschaft von 1765

Am 7. April hatten Hilke und ich mal wieder eine Lesung in Hamburg. Eigentlich war es keine Lesung, sondern ein Vortrag über "Begegnungen mit der Welt" am Beispiel der Frauen aus unserem Buch. Anhand verschiedener Faktoren (Dauer und Ort des Aufenthalts, Gründe für das Leben in Fremde, Zugangsmöglichkeiten etc.) machten wir uns darüber Gedanken, wie und wodurch interkulturelle Begegnungen gelingen können (oder eben nicht). 

Eingeladen hatte uns der "Arbeitskreis Interkulturelles Leben" der Patriotischen Gesellschaft von 1765. Der Name wirkt heute erst einmal befremdlich, es handelt sich jedoch nach eigenen Angaben um die älteste zivilgesellschaftliche Organisation im deutschsprachigen Raum und mit "Patriotismus" sei vor allem "die uneigennützige Beförderung des Gemeinwesens" gemeint gewesen (Wikipedia) (mehr). So führte die Patriotische Gesellschaft den Blitzableiter und Kartoffelanbau in Hamburg ein, gründete 1778 die erste Sparkasse in Europa, die Hamburger Öffentlichen Bücherhallen und unterstützte den Bau des Museums für Kunst und Gewerbe in der Hansestadt. Auch heute ist der Verein in vielen sozialen und städtischen Bereichen tätig, Schwerpunkte sind Denkmalschutz und Stadtentwicklung, aber es gibt auch Vorträge zu Klimaschutz und Energieversorgung, und ein Familienstipendium, das begabte Kinder aus sozial benachteiligten Stadtvierteln in ihrer Bildung unterstützt. Und eben den "Arbeitskreis Interkulturelles Leben". 

Unser Vortrag war gut besucht, darüber freuten wir uns. Die Diskussion verlief dann nicht ganz so, wie wir uns das vorstellt hatten. Wir hatten darüber reden wollen, wie interkulturelle Begegnungen gelingen können, auch heute, hatten deshalb auch immer wieder persönliche Erfahrungen in den Vortrag integriert. Und gehofft, dass das Publikum ebenfalls eigene Erfahrungen einbringt. Aber das Gespräch blieb dann doch eher auf unser Buch bezogen oder wendete sich ganz anderen Themen zu, wie der Situation der Frau in China. Worüber man natürlich auch viel sagen kann, allerdings in einem anderen Kontext.

Aber so ist das bei Lesungen oder Vorträgen, man hat es nie ganz in der Hand, was ankommt und wie sich die Diskussion entwickelt. Das macht es ja auch spannend. Gut fand ich am Ende die Frage des Moderators, ob es im Publikum Chinesen und Chinesinnen gebe, die in Hamburg lebten und vernetzt seien. Er war überrascht, dass es eine ganze Reihe von Vereinen gibt, und bot einen künftigen Austausch an.

Anschließend gab es noch Getränke und wir lernten zwei interessante Frau von der Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Verständigung e.V. kennen. Isabelle Hansen, die Frau links auf dem Foto, organisiert gerade eine Autorallye von Hamburg nach Shanghai, die letzten Sonntag startete. 66 Tage durch Europa, den Kaukasus, Zentralasien und China! Passend zu 40 Jahre Städtepartnerschaft Hamburg - Shanghai. 

 

Samstag, 28. März 2026

Der März: Lesung in München / PRÜF-Demo in Hamburg / Salon

Man soll den Monat ja nicht vor dem Ende loben. Aber ich fange trotzdem schon mal damit an, sonst komme ich nicht mehr hinterher. Also: Wieder ein spannender, abwechslungsreicher Monat. Hier ein paar Ausschnitte und Eindrücke:

Lesung im Buchpalast in München am 10. März

In Erwartung der Gäste

Letztes Jahr, als wir im Konfuzius-Institut in München eingeladen waren, haben Hilke und ich die wunderbare Buchhandlung "Buchpalast" in München Haidhausen besucht (siehe) und damals spontan abgemacht, dass wir da doch auch einmal lesen könnten. Am 10. März dieses Jahres war es dann soweit. 

Die kleine Buchhandlung war voll, gute Stimmung, was nicht zuletzt dem Engagement und der Herzlichkeit der Buchhändlerinnen zu verdanken ist. Danach gab es Prosecco und was zu knabbern. Zeit, noch ein bisschen ins Gespräch zu kommen ... eine alte Dame erzählte, dass sie in den 1980er Jahren mit ihrem Mann drei Jahre in Peking gelebt hat ... zwei junge Mädels waren ganz aufgeregt, weil sie in ein paar Monaten für ein Austauschjahr nach China gehen ... Solche Gespräche nach Lesungen mag ich immer sehr. 

Wer die Gelegenheit hat, sollte sich den Buchpalast mal ansehen und ein bisschen mit den Buchhändlerinnen plaudern.  (Kirchenstr. 5 / München) 

 
 

Fünfte PRÜF-Demo in Hamburg am 14. März

 
Im Februar konnte ich leider nicht dabei sein, aber im März wieder. Das Wetter war nicht besonders, trotzdem waren erneut ca. 5000 Menschen da, um dafür einzutreten, dass rechtsextreme Parteien vom Bundesverfassungsgericht überprüft werden sollten. (mehr).
 
Wie immer ein schönes Event mit Musik (dieses Mal die Indie-Rockband Madsen aus dem Wendland) und gemeinsamem Singen bekannter Lieder mit neuen, zum Thema passenden Texten :-) (Beispiele hier
 
Im November 25 fing alles in Hamburg an. Nächstes Mal, am 11. April 26 (demonstriert wird einmal im Monat am zweiten Samstag), sind es schon 10 Landeshauptstädte, die mitmachen! 

Salon zum Thema "Schule und Bildung" am 21. März

 

Rote Punkte: Frauen / Blaue Punkte Männer
 
Auch hier werden Gäste erwartet.
Im März fand auch unser erster Salon 2026 statt, dieses Mal zum Thema "Schule und Bildung". Zu Gast war der Autor, Journalist und Filmemacher Reinhard Kahl - aufmerksamen Leser*innen dieses Blogs bereits aus dem Wendland bekannt. Es beschäftigt ihn seit vielen Jahren, wie Lernen besser gelingen könnte. Und wie Schulen aussehen müssten, in denen die Freude am Lernen entstehen kann und erhalten bleibt. 

Beim Salon zeigte er Ausschnitte aus seinem neuen Film "Der Lernvirus vom Bodensee", erster Teil einer geplanten Trilogie über Schulen, in denen mit neuen Methoden experimentiert wird. Im Zentrum steht die Selbstorganisation der Schüler*innen, die hier Lernpartner*innen heißen. Die Lehrenden werden im Gegenzug zu Lernbegleiter*innen. Phasen des selbständigen Lernens wechseln mit kurzen Input-Phasen, Theorie mit praktischen Anwendungen. Wir hatten für dieses Thema viele Lehrkräfte aus unserem Bekanntenkreise eingeladen, so dass sich spannende Gespräche darüber ergaben, wie umsetzbar die Ideen im realen Schulalltag sind, was vielleicht schon dort Einzug gehalten hat, auch welche Rolle digitale Medien dabei spielen.  


Reinhard Kahl (Quelle)
 

Mittwoch, 18. Februar 2026

Das Jahr des Feuerpferdes hat begonnen

Gestern wurde in China und in anderen Gegenden der Welt Neujahr gefeiert. Das Jahr des Pferdes hat begonnen. Das Pferd gilt als starkes, selbstsicheres, impulsives Tier. Ein Pferdejahr ist ein "aufregendes, lebhaftes Jahr. Das Leben ist hektisch und mit Abenteuern durchsetzt." In einem Pferdejahr sollte man zwar "all die verrückten Dinge tun, von denen man sonst nur träumt", aber auch darauf achten, sich nicht allzu sehr zu verausgaben. Zumal dieses Jahr auch noch das Feuer-Pferd dran ist, was die Tendenzen des Pferdes verstärkt. Und außerhalb des Privaten? "Industrie, Produktion und die Weltwirtschaft erleben einen Aufschwung, und in Politik und Diplomatie herrscht manchmal eine etwas gereizte Stimmung, aber die gute Laune hat das Übergewicht." Wir werden sehen. 
(Alle Zitate: Theorora Lau: Chinesische Astrologie. April 2000) 
 
Auf jeden Fall haben wir dieses Jahr getan, was wir konnten, um das Glück zu beschwören. In einem Laden in Berlin (sehr empfehlenswert: Yang Chinas Kultur) haben wir uns die typischen Spruchbänder kalligraphieren lassen, wie sie auch in China an der Haus- oder Wohnungstür angebracht werden. "Mögen Glück und Wünsche in Erfüllung gehen, möge das große Los hereinspaziert kommen." (links) "Mögen Frieden und Freude einkehren. Möge das Segensglück anklopfen" (rechts). So die Übersetzung des Kalligrafen. Ich hätte es etwas weniger poetisch übersetzt, aber es geht auf jeden Fall um Glück bei allen Unternehmungen. 
 
Und natürlich ist das Essen wichtig. Wir haben einige Nachbarn und Nachbarinnen zum chinesischen Feuertopf eingeladen und hatten einen sehr schönen Abend mit ihnen.  
Die aufregenden Zeiten gehen noch bis zum 6. Februar 2027. Dann beginnt das Jahr der Ziege, das ein bisschen entspannter zu werden verspricht.

Dienstag, 20. Januar 2026

Bücher im Januar (1)

Seit 1999 bin ich Mitglied in einer Lesegruppe bzw. einem Literaturkreis oder wie immer man das nennen will. Die Zusammensetzung hat sich zwischendurch geändert, aber seit vielen Jahren sind wir eine stabile Gruppe von acht Frauen. Wir treffen uns einmal im Monat reihum, es gibt zunächst ein köstliches Abendessen, wir quatschen über alles Mögliche, und dann reden wir über das Buch, das wir im Monat vorher ausgewählt haben. Unsere Kriterien: Das Buch ist ein Roman, wurde von einer Frau geschrieben und ist schon als Taschenbuch oder gebraucht erhältlich. 

Im Januar war endlich Antichristie von Mithu Sanyal an der Reihe. 

"Die Geschichte unserer Welt wurde immer wieder geändert.  Dafür musste ich nicht in die Vergangenheit reisen. Alles, was ich tun musste, war, die Geschichten zu ändern, die wir uns darüber erzählen." 

Ein unglaubliches Buch! Zeitreise, Krimimalgeschichte, Medienspektakel, historischer Roman, Essay, Familiengeschichte, Popkultur, alles drin und alles gehört zusammen. 

Die Drehbuchautorin Durga, Tochter eines indischen Vaters und einer deutschen Mutter reist nach London, wo sie in einem diversen Team an einer postkolonialen Variante einer Agatha-Christie-Verfilmung mitwirken soll. Dageben gibt es Widerstand, Demonstrationen vor dem Bürogebäude. Und dann stirbt auch noch die Queen, während Durga noch mit dem überraschenden Tod ihrer Mutter zu kämpfen hat. Plötzlich findet sie sich jedoch auch als junger indischer Mann im London zu Beginn des 20. Jahrhunderts wieder, im India House, wo sich damals die indischen Revolutionäre treffen, um die Unabhängigkeit Indiens zu planen. Wie kann richtiger Widerstand in einer falschen Welt aussehen, das ist hier die Frage. Gewaltfreiheit oder blutige Revolution? Wird man seinen Feinden ähnlich, wenn man zu den gleichen Mitteln greift wie sie? Die Frage wird nicht wirklich beantwortet, so viel sei hier verraten, sondern in ihrer ganzen Komplexität ausgebreitet, was ich großartig finde. Man sollte Sachen nicht einfacher machen, als sie sind. Ich habe in diesem Buch sehr viel über den englischen Kolonialismus, die indische Unabhängigkeitsbewegung und den Konflikt zwischen Moslems und Hindus gelernt. Schon weil ich ständig nachgegoogelt habe, um das alles besser zu verstehen. Aber das Buch ist gleichzeitig auch sehr witzig, vor allem in den Dialogen im Filmteam, und berührend, wenn es um etwa um die schwierige Beziehung zwischen Durga und ihrer Mutter geht. 

In der Lesegruppe waren die Reaktionen gemischt. Den meisten hat es gefallen, aber zwei haben nach einem Drittel aufgegeben. Das Buch war ihnen zu vielschichtig, thematisch zu überladen, zu viele unbekannte Namen, sie konnten keine Empathie für jemanden empfinden, was das Weiterlesen erleichtert hätte. In vielen Rezensionen wird das Buch ähnlich bewertet. Ich habe eine Weile gebraucht, um reinzukommen. Aber dann war es ein großes intellektuelles Vergnügen und ich habe mich jeden Tag aufs Weiterlesen gefreut. Große Empfehlung!!

Mithu Sanyal: Antichristie. Hanser Verlag, 544 Seiten. 

 

Dienstag, 13. Januar 2026

Winterzauber und dritte PRÜF-Demo in Hamburg

Bevor der ganze Schnee weggetaut ist, muss ich das Winterwetter in diesem Jahr noch einmal würdigen. Ja, es gab Schnee! In Hamburg! Und zwar richtig viel und er verwandelte sich auch nicht schon am nächsten Tag in Matsch, sondern blieb über eine Woche und verzauberte die ganze Umgebung.


Im nahe gelegenen Park wurden überall Schneemenschen gebaut. 

Das ist doch etwas sehr Schönes am Menschen, dachte ich bei mir: Diese Grundkreativität, die zum Vorschein kommt, sobald sich eine Gelegenheit bietet. Auch wenn alle wissen, dass die Kunstwerke schon bald wieder getaut sein werden. Oder den nächsten Kindergartenanstum nicht überstehen.

Alle schienen gute Laune zu haben. Von den Grabsteinen (der Park ist ein aufgelassener Friedhof) wurden Mini-Schanzen gebaut, auf denen Kinder juchzend Schlitten fuhren.


 


PRÜF-Demo am 10. Januar

Auch die dritte PRÜF-Demo in Hamburg (mehr) stand noch unter dem Zeichen des Schnees. Trotz des winterlichen Wetters waren wieder rund 5000 Menschen gekommen. 
 
Als wir nach etwa einer Stunde aufgefordert wurden, Schneemenschen zu bauen, war ich erst etwas ungnädig. Der Boden war festgetrampelt und ich wollte endlich losgehen, um meine kalten Füße wieder warm zu bekommen. Aber viele beteiligten sich offensichtlich mit viel Spaß an der Aktion. Am Ende sollen - laut Hamburger Abendblatt - fast 1000 Schneemenschen auf dem Platz zurückgeblieben sein. 
Als Mahnung an die Hamburger Bürgerschaft, die diese Woche am Mittwoch auf Antrag der regierenden SPD/Grünen über die Unterstützung eines AfD-Verbotsverfahrens debattiert und abstimmt.