

Die Initiative hat eine einzige Forderung:
"Alle Parteien, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall oder gesichert rechtsextrem eingestuft werden, sollen durch das Bundesverfassungsgericht überprüft werden."
Um das zu erreichen, wird jeden zweiten Samstag im Monat demonstriert. Ziel ist es, Druck auf die Landesregierungen auszuüben, damit sie im Bundesrat einen Antrag auf Prüfung durch das Bundesverfassungsgericht einreichen. Bisher sind drei Bundesländer dafür, einige müssen also noch überzeugt werden, unter anderem Hamburg. Die erste Demo fand am 8. November in Hamburg statt, im Dezember wurde auch schon in München demonstriert und im Januar ist dann auch Düsseldorf mit dabei.
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| Nico Semsrott auf der Demo in HH |
Weitere Infos hier.
Ich finde die Idee jedenfalls überzeugend und habe mir schon alle Demo-Termine für nächstes Jahr in meinen Kalender eingetragen.
Abgesehen davon ist es auch ein interessantes soziales Experiment. Wird es gelingen, die Initiative auszuweiten? Werden die Demos größer werden? Und in immer mehr Landeshauptstädten stattfinden? Und werden die Leute einen langen Atem haben?
Wir hatten uns vor der Reise ziemlich Stress gemacht, ob wir uns noch in China zurecht finden würden (siehe letzter Post) oder ob China zu modern für uns geworden wäre. Von selbstfahrenden Taxis in Peking und Roboter-Polizisten in Guangzhou war die Rede gewesen. Das mag es alles geben, wir haben es aber nicht gesehen. Wir sahen Taxis, die man wie früher herbeiwinken konnte (auch wenn die meisten eine App dafür benutzen) und selbst mit Bargeld kann man noch bezahlen. Auch wenn das kaum mehr jemand macht. Die meisten benutzen WeChat oder Alipay. Auch wir und es hat problemlos funktioniert. Tatsächlich ist Reisen in China heute viel einfacher als vor 20 Jahren, als wir noch dort lebten. Damals war es immer unglaublich anstrengend, Zugfahrkarten zu besorgen. Auch die Hotelsuche war ein Glücksspiel, vor allem, wenn man nachts irgendwo ankam und keine Orientierung hatte. Jetzt konnten wir alles bequem im Voraus per Handy buchen (wir benutzten trip.com) und es hat super funktioniert. Und Gaode bzw. Amap war ein guter Ersatz für Googlemaps.
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| Wolkenkratzer bei der Arbeit, Guangzhou |
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| Bahnhofswartehalle in Nanjing |
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| Neue Altstadt in Datong |
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| Alte Altstadt in Pingyao |
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| Guangzhou |
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| Multikulti in Guangzhou |
Aber es gibt nicht nur Städte, sondern auch wunderschöne Landschaften in China. Wir haben den Hengshan in Shanxi bestiegen, einen heiligen daoistischen Gebirgszug, und waren ganz verzaubert von den Bergen und Schluchten um das Dorf Dehang, das von der Gruppe der Miao bewohnt wird.
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| Auf dem Hengshan |
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| Dehang |
Also insgesamt eine sehr schöne und interessante Reise. Und es gibt so viele Dinge, die wir noch nicht gesehen und besucht haben.... Hoffentlich verlängert die chinesische Regierung die Visumsfreiheit für Deutschland (30 Tage) noch ein paar Jahre!
Jetzt wartet das nächste Abenteuer: Heute fliegen Jupp und ich für vier Wochen nach China.
Wir waren dort zuletzt 2019, vor der Pandemie. In einem Land, das sich so rasant entwickelt, ist das eine lange Zeit. Damals konnte man noch mit Bargeld bezahlen und ein Taxi auf der Straße mit der Hand heranwinken. Das soll, wenn man Berichten und Erlebnisvideos glauben darf, alles nicht mehr möglich sein. Wir haben uns also viele Apps heruntergeladen, die angeblich unbedingt nötig sind, um zu bezahlen, um ein Taxi zu rufen, um Züge zu buchen, um sich zurechtzufinden (Google Maps funktioniert oft nicht) etc. Mal sehen, ob wir jetzt ausreichend gerüstet sind. Aber irgendwie werden wir schon klar kommen.
Auf jeden Fall freuen wir uns, ein paar alte Freunde in Beijing zu besuchen, heilige daostische Berge zu besteigen, neue Städte zu erkunden (Nanjing, Guangzhou), vielleicht dort Tango zu tanzen, die neuen Hochgeschwindigkeitszüge auszuprobieren, kalte Nudeln (liang pi) zu essen... Noch ist das meiste nicht geplant, nur der Hinflug (nach Beijing), der Rückflug (von Guangzhou) und die Unterkunft für die ersten fünf Tage stehen fest.
Nach der Reise werde ich erzählen, wie es uns ergangen ist.
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| Unsere "Kursbibliothek" |
Mitte Juli bis Anfang August haben Jupp und ich wie letztes Jahr während der Schülerakademie China einen Kurs zur chinesischen Philosophie (und ihre Relevanz für die heutige Zeit) geleitet. Standort war auch dieses Mal Coesfeld (bei Münster) und die Jugendlichen (16 bis 19 Jahre alt) kamen aus ganz Deutschland dorthin. Außer der Philosophie gab es noch Kurse zu Chinas Wirtschaftssystem, Geopolitik und Wirtschaft in Greater China, Chinabilder und China vor 1000 Jahren (Song Dynastie).
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| Konfuzius als Moderator |
Wieder waren wir beeindruckt, wie motiviert und vielfältig talentiert die jungen Leute waren, wie engagiert sie sich an der Gruppenarbeit und den Diskussionen beteiligten. Am letzten "bunten Abend", den die Teilnehmenden selbst gestalteten, führte ein Jugendlicher aus unserem Kurs als Konfuzius verkleidet durch das Programm (siehe Foto).
Auch im Team (Kursleitung und Organisationsleitung) waren wieder spannende Leute. Wir waren, neben einer Chinesischlehrerin, bei weitem die Ältesten, "Großmutter und Großvater des Kurses", wie es eine Teilnehmerin charmant ausdrückte. Aber ich glaube, durch unsere Lebenserfahrung konnten wir eine Perspektive von Gelassenheit einbringen, die der Gesamtatmosphäre gut getan hat.
Man kann nur hoffen, dass dieses Projekt weitergeht und die Finanzierung irgendwann dauerhaft gesichert ist.
Vielleicht ist unser Konzept nicht bei allen aufgegangen, aber zumindest einige haben uns später gesagt, dass sie es spannend fanden. Das hat uns sehr gefreut.
Anschließend gab es ein sehr leckeres chinesisches Essen, zu dem auch Hilke und ich eingeladen waren.
Jetzt können wir etwas gelassener auf die nächste Schullesung blicken, die im Juli im Christianeum stattfindet, einem altehrwürdigen Gymnasium in Hamburg-Othmarschen. Da wird dann als Begleitprogramm auch unsere Berliner Ausstellung für einige Wochen gezeigt.
Jupp und ich waren auch dieses Jahr zu Gast auf der Kulturellen Landpartie im Wendland, wobei Jupp nicht nur Gast, sondern auch Mitwirkender war. Unsere Basis war wieder Brünkendorf im Nordosten der Region. Der Journalist und Filmemacher (und sonst noch so einiges) Reinhard Kahl lud auf seinem Anwesen erneut zu Scheunengesprächen ein. Und Jupp verzauberte Scheune und Außenbereich mit seinen Lichtobjekten.

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| Ulrike Herrmann |
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| Patrick auf seiner Eisenbahn |
Qigong, Akupunktur, TCM - auch in diesem Umfeld interessiert man sich anscheinend für die Geschichte der Deutschen in China.
Im Mai hielten Hilke und ich unsere erste Online-Lesung aus unserem Buch "Ausgerechnet zu den Chinesen..." für die Medizinische Gesellschaft für Qigong Yangsheng. Wir waren gespannt, ob unser Konzept auch online funktioniert und es scheint geklappt zu haben. Zumindest haben wir von den Teilnehmenden (immerhin um die 50 Personen!) viele positive Rückmeldungen bekommen. Ein paar Tage später, am 28. Mai, konnte ich einen ähnlichen Vortrag vor Leuten halten, die an der Internationalen Akupunkturwoche in Bad Kissingen, veranstaltet von der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur, teilnahmen. Da gab es zahlenmäßig weniger, aber mindestens genauso interessierte Zuhörer*innen.
Ermöglicht wurde beides von einer sehr engagierten Ärztin aus Halle, die wir bei der Vernissage unserer Ausstellung im Oktober 2024 im Konfuzius-Institut in Berlin kennengelernt hatten.
Ich finde es immer sehr schön, wenn es bei Veranstaltungen anschließend noch die Möglichkeit gibt, etwas zu trinken, zu essen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Manchmal tauscht man Mail-Adressen oder Telefonnummern aus. Meistens verläuft das dann im Sande, aber ab und zu kommt Wochen, Monate später plötzlich eine Mail, eine Anfrage, wie in diesem Fall. Ich mag das Gefühl, es könnte eigentlich immer ein kleines Wunder passieren.
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| Innenstadt Bad Kissingen |
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| Marcia bei den Vorbereitungen |
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| Eine Hommage an den Vollmond |
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| Spirituelle Intervention im Flur |
Auch im März (am Freitag, dem 14.) gab es eine schöne Veranstaltung zu unserem Buch "Ausgerechnet zu den Chinesen...", dieses Mal am Konfuzius-Institut in München.
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| Das Team des Buchpalasts |
Am Vormittag statteten Hilke und ich aber zunächst einmal dem "Buchpalast" einen Besuch ab. Diese Buchhandlung in München-Haidhausen wurde letztes Jahr in der Kategorie "Beste Buchhandlung" mit dem Deutschen Buchhandelspreis ausgezeichnet. Unter anderem nehmen sie sich dort jedes halbe Jahr einen kleinen, unabhängigen Verlag vor, den sie vorstellen und fördern möchten. In diesem halben Jahr war es AvivA und so stießen sie auch auf unser Buch und Katrin Rüger, einen der beiden Inhaberinnen, veröffentlichte eine begeisterte Rezension auf der Website (mehr). Grund genug, dort mal vorbeizuschauen. Der Empfang war sehr freundlich, es wurde auch gleich ein kleines Filmchen für die Instagram-Seite gedreht (mehr). Und wir haben beschlossen, dort nächstes Jahr eine Lesung zu machen.
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| Mit Hilke im Buchpalast |
Katrin Rüger kam dann auch abends zur Lesung im Konfuzius-Institut. Dort waren etwa 25 weitere Gäste (Ich vergesse in der Aufregung immer das Zählen, kann also nur schätzen :-), 13 weitere waren online dazugeschaltet, so dass auch meine Schwester, die gerade im Krankenhaus liegen musste, über Youtube-Livestream dabei sein konnte. Hilke und ich haben dieses Mal stärker versucht, die deutsch-chinesische Geschichte bis zur Gründung der Volksrepublik zu erzählen und auf dieser Zeitreise einige von den Frauen aus unserem Buch vorzustellen. Dadurch wird der Kontext deutlicher. Und wir denken auch, dass diese Geschichte bis heute in den Beziehungen zwischen Deutschland und China eine Rolle spielt, aber trotzdem wenig bekannt ist. Nach der Lesung gab es Brezen, Obst und Wein und man konnte noch plaudern und ein bisschen netzwerken.
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| Foto: Renate Jährling |
"Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist, weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!"
An diese Gedichtzeile von Bertolt Brecht aus seinem Gedicht "An die Nachgeborenen", das er in den 1930er Jahren geschrieben hat, musste ich in letzter Zeit öfter denken, wenn ich mich für etwas interessierte oder begeisterte, wenn ich etwas in meinem persönlichen Leben wichtig nahm, das nichts mit Wahlkampf und Weltpolitik zu tun hatte.
Aber ja: Wir alle haben das Recht, unser Leben gut zu gestalten, uns zu freuen, über Bäume zu reden (bzw. über Schneeglöckchen und Krokusse). Nicht nur, aber auch, um Kraft für Widerstand zu haben, wenn es nötig ist.
In diesem Sinne schreibe ich jetzt über drei schöne "Events" aus den letzten Wochen:
Festveranstaltung: Finissage und Konzert in Berlin
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| Dr. Ye Ruirui an der Guzheng |
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| Hilke Veth und ich |
Die Finissage unserer Ausstellung "Begegnungen mit der Fremde. Deutschsprachige Abenteuerinnen in China im 19. und 20. Jahrhundert" am 27. Januar im Konfuzius-Institut Berlin war mit etwa 70 Gästen gut besucht, obwohl die Berliner Verkehrsbetrieben ausgerechnet an diesem Montag streikten und wir schon Schlimmes befürchtet hatten.
Hilke und ich lasen von jeder der 17 vorgestellten Frauen ein Zitat vor und zeigten so die Bandbreite der Haltungen zu China und die allmählichen Veränderungen. Kombiniert war die Finissage mit einem Konzert zum chinesischen Neujahr. Die großartige Guzheng-Spielerin Ye Ruirui spielte neuere Kompositionen, die von alten Gedichten inspiriert waren. Frau Prof. Pan Lu, die chinesische Direktorin des Instituts, rezitierte die Gedichte auf Chinesisch und in deutscher Übersetzung, so dass die Zuhörer*nnen sich in die Stimmung der Musik einfühlen konnten. Nach dem Konzert gab es Baozi und Gespräche. Ein schöner Abschluss!
Tai Chi Workshop auf Sylt
Lichter-Salon
Unser erster Salon im neuen Jahr, mitten in der dunklen Jahreszeit, hatte "Licht" zum Thema. Jupp hatte viele neue Lichtobjekte hergestellt, die wir zusammen mit früheren in der ganzen Wohung ausstellten. Dazu erzählte Jupp, wie die Idee zu diesen Werken entstanden ist, wie er sie herstellt und wie vieles davon dem Zufall zu verdanken ist und nicht geplant war. Etwa 20 Leute waren da, aßen, tranken Tee, unterhielten sich, lernten sich kennen. Und im Grunde ist es ja gerade in diesen Zeiten wichtig, sich zu treffen und miteinander zu reden. Über Kunst oder Bäume, den Zufall, oder auch Politik
Einige Impressionen: