"Was machen Sie beruflich?"


Das berufliche Leben als Patchwork, entstanden aus Neigungen, Begabungen und - dem Zufall. Einige "Grundfarben" tauchen immer wieder auf und halten alles zusammen. Mein besonderes Interesse gilt: Sprache(n); anderen Menschen und ihren Lebensgeschichten; alternativen Lebensentwürfen jenseits von Konsum und Hektik; fremden Kulturen (insbesondere China) und den reizvollen Unwägbarkeiten interkultureller Begegnungen.

Dienstag, 5. November 2019

MoMo11: Machen Schafe glücklich?

Wie es der Zufall so will, ist gerade heute der Glücksatlas für Deutschland 2019 vorgestellt worden. Seit neun Jahren gibt die Deutsche Post (Warum die Post??) jährlich diese Studie in Auftrag. Und dabei hat man festgestellt, dass die Menschen in Deutschland so zufrieden sind wie noch nie. Auf einer Skala von 1 (ganz mies) bis 10 (super) liegt der Durchschnittswert jetzt bei 7,14. Spitzenreiter ist, wie schon in den letzten Jahren, Schleswig-Holstein (7,44), gefolgt von Hessen und Hamburg, das Schlusslicht bildet wieder Brandenburg mit 6,76. Alle sechs ostdeutschen Regionen (inkl. Berlin) liegen unter dem Durchschnitt auf den letzten Plätzen. Aber angeblich nähern sich der Westen und der Osten immer weiter an und unterscheiden sich nur noch um 0,17 Punkte. Nach meiner Rechnung sind es zwar 0,3, aber ich will keine Spielverderberin sein. (Wer selber nachrechnen oder wissen möchte, wie es um seine Region bestellt ist, kann sich hier die Info-Grafiken herunterladen.)

Das wirft jetzt eine Reihe von Fragen auf?
  1. Wenn die Deutschen so zufrieden sind, warum hat dann die AfD solche Wahlerfolge?
  2. Wie ist Glück in dieser Studie überhaupt definiert und wie wird es gemessen?
  3. Und warum Schleswig-Holstein? Machen Schafe glücklich?

Sonntag, 3. November 2019

Elfter Mottomonat 2019: Glück

Jawohl, das Thema dieses Monats ist "Glück". Allen schlechten Nachrichten aus der Welt zum Trotz und gerade im kalten, grauen Monat November, der nicht unbedingt den Ruf hat, an der Ausschüttung von Glückshormonen entscheidend beteiligt zu sein.
Im Sommer vor acht Jahren hatte ich schon einmal die Idee, mich intensiver mit dem Glück zu befassen. Ich begann einen Blog mit dem Titel "Glücksversuch", den ich aber nach drei Beiträgen bis heute wieder ruhen ließ.
"Was ist Glück?", fragte ich mich dort. "Ein intensiver Moment? Die Abwesenheit von Schmerz? Etwas, das von außen über mich kommt? Oder hängt es von mir selbst ab, wie glücklich ich werden kann? Gehört das Glück zu einem gelungenen Leben? Und was macht mich wirklich glücklich? Ein Versuch, dem Glück auf die Spur zu kommen. So konkret wie möglich, so theoretisch wie nötig."

Nun will ich diesen Fragen wenigstens einen Monat lang wieder nachgehen.
He comitido el peor de los pecados que un hombre puede cometer, no he sido feliz.
Ich habe die schlimmste Sünde begangen, die ein Mensch begehen kann, ich war nicht glücklich.
Jorge Luis Borges (1899-1986), argentinischer Schriftsteller

Freitag, 1. November 2019

MoMo10: Resümee "China-Buch"

Das Motto dieses Monats war im Grunde eine Notlösung. Ich dachte, dass ich sowieso zu nichts anderem komme, wenn ich mich mit dem China-Buch beschäftige, also mache ich aus der Not eine Tugend.

Ich habe viel dabei gelernt, u.a. habe ich mich beschäftigt mit
- Schönheitsoperationen weltweit
- der antiken Vier-Elemente-Lehre
- chinesischen Sprichwörtern
- Toilettenrevolutionen
- der Wirkungsweise von Whitener-Cremes
- Hightec-Toiletten
- Gedichten über den Taishan
- Rassismus bei Kant ....

Das Recherchieren und Schreiben hat mir Spaß gemacht. Trotzdem habe ich gemerkt, dass es problematisch ist, Berufliches und Mottomonate miteinander zu verquicken. Es nimmt den Mottomonaten viel von ihrer Selbstbestimmtheit und Leichtigkeit. Also werde ich meine Themen dafür in Zukunft wieder anders auswählen und darauf achten, dass auch in beruflich angespannteren Zeiten Raum dafür bleibt.

Dienstag, 29. Oktober 2019

Deutschland-Chinesen 2: Qiu Fazu

Hier der zweite Teil meiner Reihe über Chinesen, die eine besondere Beziehung zu Deutschland hatten. In diesem Fall ist es auch noch eine berührende deutsch-chinesische Liebesgeschichte.

Autobiographie (2011)
Qiu Fazu hat viele Beinamen: "chinesischer Wunderarzt", "Schindler des Ostens", "Vater der chinesischen Chirurgie", "Brückenbauer" - und alle haben ihre Berechtigung. Geboren 1914 als jüngstes von sieben Kindern einer christlichen Familie in Hangzhou, gelingt es ihm, dank ausgezeichneter Noten, mit 18 Jahren an der medizinischen Fakultät der renommierten Tongji-Universität in Shanghai angenommen zu werden. Da diese auf die 1907 von dem Arzt Erich Paulun gegründete "Deutsche Medizinschule für Chinesen" zurückgeht, ist der deutsche Einfluss dort sehr stark. Die meisten Dozenten kommen aus Deutschland und alle Studierenden müssen die deutsche Sprache lernen. Nach dem Vorklinikum geht Qiu 1937 nach Deutschland und schreibt sich an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München ein. Ihm gefällt, dass das Studium "keine sture Paukerei", sondern praxisorientiert ist. Zwei Jahre später macht er seinen Doktor, entscheidet sich für die Fachrichtung Chirurgie und bewirbt sich am Lehrkrankenhaus der LMU in Schwabing. Der Chefarzt der Chirurgie macht ihn bald zu seinem persönlichen Assistenten und schützt ihn vor Anfeindungen, denen er als Asiate ausgesetzt ist. So fordert etwa ein Kollege, Mitglied der SS, die Krankenhausleitung auf, Qiu das Untersuchen deutscher Patienten zu verbieten, kommt damit jedoch nicht durch.

Freitag, 25. Oktober 2019

MoMo10: Wer ist hier gelb?

Schimpft der Arzt mit seinem Patienten: "Da behandle ich Sie seit zwei Wochen gegen Gelbsucht. Und heute sagen Sie mir erst, dass Sie Chinese sind!"
Blöder Witz? Auf jeden Fall! Es gibt noch mehr blöde Witze und Karikaturen, die auf die gelbe Hautfarbe von Chines*innen abzielen. Dabei sind Leute in China genauso wenig gelb wie Kühe lila sind. Lange galten sie sogar als ausgesprochen weiß. Als Kaiser Maximilian I zu Beginn des 16. Jahrhunderts einen Hofbeamten nach Lissabon schickte, um sich asiatische Seeleute anzusehen, soll dieser nach der Rückkehr berichtet haben, die Chinesen hätten eine Haut "so weiß wie Porzellan".
Dieses Bild änderte sich erst Mitte des 18. Jahrhunderts.

Mittwoch, 16. Oktober 2019

MoMo10: Toilettenrevolution

Man erfährt ja wirklich immer wieder interessante Dinge bei seinen Recherchen. Gestern habe ich z.B. zu Toiletten in China recherchiert und herausgefunden, dass es beim Tourismusministerium einen landesweiten Toilettenbeauftragten gibt. 2015 wurde eine Toilettenrevolution ausgerufen (darunter geht es wohl nicht), die, laut Angaben der Regierung, dazu führte, dass innerhalb von zwei Jahren 100.000 Toiletten neu gebaut oder renoviert wurden.
Tatsächlich sind (oder waren?) öffentliche chinesische Klos manchmal etwas gewöhnungsbedürftig.  Man riecht sie oft schon von weitem, in der Regel sind es Hocktoiletten, was aus Hygienegründen vorzuziehen ist, aber eine Haltung erfordert, die EuropäerInnen oft schwer fällt. Man möchte aber auf gar keinen Fall dort umkippen und sich irgendwo abstützen müssen. Manchmal gibt es keine Trennwände oder Türen, Seife ist selten, Klopapier fehlt eigentlich immer. Das bringt man selbst mit und nach der Benutzung wirft man es auf keinen Fall ins Klo, sondern in den Eimer daneben (der natürlich überfüllt ist).
In den letzten Jahren hat sich der Standard, zumindest in den großen Städten und Tourismusgebieten, aber wirklich deutlich gebessert. Die neuen oder modernisierten Klos sind ziemlich sauber und die Privatsphäre bleibt gewahrt. Und - anders als in Deutschland - gibt es in China wenigstens überall öffentliche Toiletten, und zwar kostenlos.

Beispiel für eine hübsche öffentliche Toilette (in Qufu)

Montag, 7. Oktober 2019

Zehnter Mottomonat 2019: China-Buch

Ich habe länger überlegt, was ich als Motto für den Oktober nehmen soll. Ursprünglich wollte ich einen Kochmonat machen, weil Erntezeit ist und die Märkte üppig mit heimischem Gemüse bestückt sind. Außerdem könnte ich dann meine Rezeptsammlung mal ordnen und das Bücherregal mit den Kochbüchern ausmisten.
Aber nun hat sich überraschend die Möglichkeit für ein neues Buchprojekt über China ergeben. Ausgemacht ist noch nichts, das wird sich erst Ende des Monats entscheiden, deshalb kann ich auch noch nichts dazu schreiben. Aber wenn es zustande kommt, wird es einiges an Arbeit und Recherchen erfordern und da China durch die Reise gerade wieder ganz präsent ist, habe ich gedacht, ich nutze den Schwung und widme mich diesen Monat dem Buchprojekt. Bei den Recherchen fällt dann sicher auch der ein oder andere interessante Beitrag für diesen Blog ab.